Cellist Friedrich Gauwerky spielte im Conradushof KulturGut 1898
Spiritualität und Andacht in Werken für Violoncello solo
Antweiler. Mit dankenswerter Unterstützung des Kreises Ahrweiler war ein Konzert für Violoncello in Antweiler möglich, der mehrfach ausgezeichnete Cellist Friedrich Gauwerky spielte im Conradushof KulturGut 1898.
Drei Jahre nach der verheerenden Ahrflut wurden mit diesem Konzert die Veranstaltungen der Reihen „Kultur im Grenzland“ und „Kultur im ländlichen Raum“ erfreulicherweise wieder aufgenommen.
Bezüge zur Spiritualität hatten Veranstalter Hans Eberhard Maldfeld und der Cellist ausgewählt. So erklang die berühmte Suite für Violoncello solo Nr. 1 G-Dur BWV 1007, das mehrsätzige Werk markierte den Auftakt. Eberhard Gauwerky moderierte zu den einzelnen Werken, ging auf Besonderheiten der Kompositionen ein, wusste das ein oder andere Interessante zu den Komponisten zu vermitteln. Nach dem Klassiker von Bach erklangen neuzeitliche Kompositionen, etwa „Solo für Cello“ von John Cage´(1955), „Az Hit“ (Der Glaube) von György Kurtag (1998). Der Titel dieser Komposition war Thema des Konzertes. Es schlossen sich der „Blues in B-flat“ von Volker Heyn an, ein Werk aus dem Jahre 1981 sowie das „Requiem“ von Peter Sculthorpe, 1979 komponiert.
Friedrich Gauwerky erläuterte besondere Spieltechniken, die teils bei den zeitgenössischen Kom positionen eingesetzt wurden. Wie der Solo-Cellist erläuterte, verkörpert Bach, bisweilen als „5. Evangelist“ bezeichnet, den spirituellen Bezug quasi aus sich selbst heraus.
Das Werk von John Cage zeichnete sich durch große Langsamkeit aus, sehr viel Stille schuf Anregung zu Meditation und Besinnung. György Kurtags Werk ist mit einem Text des Predigers Peter Bornemisza unterlegt, er wurde nicht mitgesprochen oder -gesungen, sondern musikalisch nachempfunden.
Volker Heyns Werk wies Besonderheiten auf; angelegt in sehr leisen und lang anhaltenden Klängen, schreckt der Zuhörer durch jähe schreiende Fortissimo-Ausbrüche hoch. Der Blues-Charakter soll wie in seiner ursprünglichen ethnischen Bedeutung wie ein Aufschrei von Rebellion und Verzweiflung wahrgenommen werden. Trotz eigener formaler Tonsprache und auch melodisch ließ das Werk von Sculthorpe Anklänge an das gregorianische Requiem erkennen.
Schwere Kost, das merkten die Zuhörer alsbald, und gleichwohl oder vielleicht gerade deshalb waren sie fasziniert von den außergewöhnlichen Werken, von der meisterlichen Spielweise des gebürtigen Hamburgers Gauwerky, der dem Cello teils ungewohnte Klänge zu entlocken wusste.
Gauwerky gab sein Debüt bereits mi 12 Jahren, nur fünf Jahre später erhielt er den Preis des Philharmonischen Orchesters Hamburg. Gauwerky unterrichtet ab 1978 an der Musikhochschule Köln, er war später Erster Cellist des Frankfurter Ensemble Modern und des australischen Elision Orchesters. Weltweite Konzerttätigkeit als Solist wie als Kammermusiker, Rundfunk und TV-Produktionen schlossen sich an, in Europa, in USA, in Australien und Asien. LP- und CD-Produktionen waren sehr erfolgreich. Lehrtätigkeiten krönten die Biographie, Musikhochschule Köln, Royal Academy of Music London, an der University of California ebenso wie im australischen Adelaide.
Gauwerky bezeichnet sich als freien Geist, rechnet sich keiner Schule oder Bewegung zu. Er lebt in Köln. Sein umfangreiches Repertoire umfasst neue und neueste Musik, aber auch Barock, die klassische und romantische Epoche mit ihren herausragenden Komponisten schätzt er sehr. Zunehmend beschäftigt er sich mit außereuropäischen Musikkulturen.
Lang anhaltender Applaus und Zugabewünsche unterstrichen die bemerkenswerte Aufführung, die Zuhörer wandten sich später mit regen Diskussionswünschen an den Künstler. WD
