Allgemeine Berichte | 29.11.2024

Archäologische Funde beim Bau des Dorfgemeinschaftshauses Arenberg/Immendorf

Spuren von der Einschließung der Festung Ehrenbreitstein

Grabungstechniker Frank Brüninghaus erläutert Timo Lang von der Landesarchäologie und Ortsvorsteher Tim Michels aktuelle Funde.

Arenberg/Immendorf. Kaum hatte der Bagger mit den Erdarbeiten für das Dorfgemeinschaftshaus Arenberg/Immendorf begonnen – ein Projekt, das unter der Leitung des Zentralen Gebäudemanagements der Stadt Koblenz steht –, kam die Baustelle bereits zum Stillstand. Frank Brüninghaus, Grabungstechniker der Landesarchäologie – Außenstelle Koblenz entdeckte dort Anfang November Spuren einer historischen Nutzung im Boden. Seitdem ziehen die Archäologen der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz den Boden vorsichtig ab und legen immer wieder Suchschnitte an, um auch Bodenprofile zu erstellen. Die Suche wird noch eine Weile weitergehen, da die Archäologen auch die Aushubarbeiten auf dem übrigen Baugelände gegenüber der Arenberger Wallfahrtskirche begleiten werden.

Ende November trafen sich auf der Grabungsstelle Frank Brüninghaus, sein Außenstellenleiter Timo Lang, der Ortsvorsteher von Arenberg/Immendorf Tim Michels und Manfred Böckling von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Koblenz, um sich über den Stand der Grabung und die ersten Erkenntnisse zu den Funden auszutauschen. Auch wurden erste Überlegungen angestellt, wie die Untersuchungsergebnisse später im Dorfgemeinschaftshaus präsentiert werden können.

Das Grabungsteam um Frank Brüninghaus konnte schon mehrere Arbeitsgruben oder Kochgruben dokumentieren. Darin lagen oft Steine, vermutlich, um die Kochkessel über dem Feuer zu fixieren. Der Boden der Gruben war von Ruß geschwärzt und darunter durch die lang anhaltende Hitze ziegelartig verfestigt. Im Boden liegende Steingut-, Keramik- und Glasscherben verweisen auf das 18. Jahrhundert. Verstreute Musketenkugeln mit einem Kaliber um 17 Millimeter, die zum Teil verformt sind, deuten auf einen militärischen Zusammenhang hin. Über den Feuern wurde Blei geschmolzen, um Kugeln zu gießen. Tierknochen lassen erkennen, dass über den Feuern auch Verpflegung zubereitet wurde. Offenbar wurden die Feuerstellen mit Abstand zu den Zelten angeordnet. Denkbar ist, dass an dieser Stelle eher der Tross lagerte, dessen Handwerker zum Beispiel auch Kugeln gossen.

Brüninghaus und Böckling sind sich nach den ersten Funden und Gesprächen mit Experten sicher, dass die Grabungsstelle Teile eines Feldlagers erschließt. Es bestand offenbar in den Jahren 1795 bis 1799, als die französischen Truppen vier Mal die kurfürstlich-trierische Festung Ehrenbreitstein einschlossen, die von Kurtrier und seinen Verbündeten verteidigt wurde. Die Archäologen stellten in einer kleinen Grube vier Laufhorizonte mit Verziegelungsspuren fest. Demnach könnte zumindest diese Stelle bei mehreren Einschließungen des Ehrenbreitsteins verwendet worden sein. Das Kaliber der gefundenen Kugeln verweist auf das französische Heer.

Die Belagerungsjournale der Festung, die sich im Landeshauptarchiv Koblenz befinden, spiegeln die Bedeutung wider, die Arenberg damals hatte. Bei der dortigen Poststation „Rother Hahn“ lagerten stets französische Truppen, Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Die Trancheen, die Belagerungsgräben, und die damit verbundenen Geschützstellungen, begannen bei Niederberg, lagen auch bei Arzheim und auf dem Asterstein und wurden von Norden zum Ehrenbreitstein vorgetrieben.

Aus den umliegenden Lagern heraus gingen die französischen Truppen in diese Stellungen oder sie unternahmen Angriffe auf die Vorposten des Ehrenbreitsteins. Die Festungsbesatzung wagte Ausfälle, also Gegenangriffe. Ob die gefundenen Musketenkugeln bei solchen Gefechten verschossen wurden oder ob sie die Soldaten nur verloren haben, ist noch nicht gesichert.

Sicher ist aber, dass Koblenz nun greifbare Spuren und Relikte einer bewegenden Phase seiner Geschichte besitzt, die bislang vor allem aus der Literatur bekannt war. Bevor die Festung Ehrenbreitstein 1801 von den Franzosen gesprengt wurde, erlitten Soldaten und Zivilbevölkerung immerhin vier Einschließungen. Die Scherben und Tierknochen lassen erahnen, dass die Bevölkerung damals einiges an Hab und Gut verlor, weil sich die Truppe mit allem Nötigen versorgen musste und der Nachschub offenbar nicht immer zuverlässig herankam.

Pressemitteilung Stadtverwaltung Koblenz

Timo Lang, Leiter der Außenstelle Koblenz der Landesarchäologie, zeigt eine der in Arenberg gefundenen französischen Musketenkugeln. Foto: Fotos: Stadtverwaltung Koblenz/Manfred Böckling

Grabungstechniker Frank Brüninghaus erläutert Timo Lang von der Landesarchäologie und Ortsvorsteher Tim Michels aktuelle Funde. Foto: Fotos: Stadtverwaltung Koblenz/Manfred Böckling

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Boomerang : In Güls wird ein Bäumchen gepflanzt das dann Generationen brauch um was für die Umwelt zu tun. Dafür klopft man sich dann selbst auf die Schulter, um davon abzulenken das gegenüber 35 in (Worten FÜNFUNDDREI?IG)...
  • Boomerang : Die Demokratie schützen in dem man Meinungen zensiert, Parteien verbieten will, die Bevölkerung spaltet, anders denkende diffamiert, den Willen einer Mehrheit missachtet und für demokratiefeindlich erklärt, Berichterstattung nur einseitig zulässt.

Bahnhof Engers wird barrierefrei

  • Gitta Meyer: Und wenn nur 2 ode 3 Menschen leicht an dem Zug ran und reinkommt ist es das wert. Ich habe einen Mann ,der behindert ist,und im Rollstuhl sitzt. Da sind mir die Mäuse egal. Es kann sich keiner vorstellen ,wenn.man nicht selbst betroffen ist.
  • Hildegard DÖTSCH : Wurde im Vorfeld geprüft, wieviel beeinträchtige Menschen täglich den Bahnhof/ die Züge nutzen würden/wollen? Die Rodung bringt eine Vielzahl an Vögel, die in den Birken lebten in Bedrängnis. Auch Kleintiere, Eidechsen, Mäuse etc.
Sonderseite Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Dauerauftrag 2026
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Stellenanzeige
Stellenanzeige
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0102#
Stellenanzeige Logistikteam
Närrische Preise 2026 - Bestellung Nr.: 0033084107
Stellenanzeige MA Bereich Verwaltung/Organisation und Personal
Empfohlene Artikel

Koblenz. In der Zeit vom 2. bis 4. März 2026 ist mit Verkehrseinschränkungen im Bereich der Auffahrt von der B 9 auf die Südbrücke Koblenz in Richtung Hermeskeil (B 327) zu rechnen. Diese sind auf Instandsetzungsarbeiten an den Übergangskonstruktionen zurückzuführen. Die Arbeiten werden tagsüber durchgeführt, sodass außerhalb dieser Zeiten der Verkehr ungehindert fließen kann.

Weiterlesen

Weitere Artikel

Kreis Neuwied. Der Landkreis Neuwied erhält im Rahmen des aktuellen Schulbauprogramms des Landes Rheinland-Pfalz Fördermittel in Höhe von insgesamt rund 4,195 Millionen Euro. Von der Unterstützung profitieren zwei Bildungseinrichtungen: die Grundschule in Dierdorf sowie die Realschule plus Freie Christliche Schule in Neuwied.

Weiterlesen

DA bis auf Widerruf
Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag Imageanzeige
Rund ums Haus Daueranzeige
Heizölanzeige
Närrische Preise
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0102#
Jubiläumsanzeige
Stellenanzeige
Titelanzeige "Torsten Welling"
Wahlanzeige 2 von 6
Fachkraft für Wasserversorgung
Stellenanzeige Berufskraftfahrer u. Kommissionierer
Anzeige Wirbelsäulen Check Up