Allgemeine Berichte | 23.11.2016, 08:52 Uhr

Dechant Hermann Josef Zeyen nahm Abschied

Stehende Ovationen nach zehn Jahren an der Spitze der Wachtberger Katholiken

Das Motto der Abschiedsparty in Villip lautete: „Kumm lossmer fiere, nit lamentiere“ – 600 Besucher beim Abschiedsgottesdienst in Berkum

Stehende Ovationen nach zehn Jahren an der Spitze der Wachtberger Katholiken
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Wachtberg-Berkum. Zehn Jahre lang hatte Dechant Hermann Josef Zeyen die Katholische Kirchengemeinde Sankt Marien Wachtberg geleitet, doch seine Zeit im Drachenfelser Ländchen neigt sich jetzt dem Ende zu. Anfang Dezember wird er zu neuen Ufern aufbrechen und die Leitung der katholischen Kirchengemeinde Troisdorf übernehmen, mit etwa 24.000 Gläubigen ist diese zweieinhalb Mal so groß wie die Wachtberger Gemeinde mit ihren etwa 10.000 Mitgliedern. Die jedoch hätte ihren Seelsorger liebend gerne behalten, das wurde bei seinen beiden Abschieds-Veranstaltungen am Wochenende mehr als deutlich.

„Kumm lossmer fiere - nit lamentiere“, so lautete das Motto der Abschiedsparty im Villiper Pfarrheim im Anschluss an die Heilige Messe am Samstagabend in der vollbesetzten Pfarrkirche St. Simon und Judas Thaddäus. Hier hatte Zeyen zunächst mit Unterstützung von Pater Christian Modemann als eine seiner letzten Amtshandlungen in Villip die zwölf Kommunion Kinder vorgestellt und mitsamt ihren Kerzen gesegnet. Dabei wurde viele Gottesdienstbesuchern schmerzhaft bewusst, dass neben vielem anderen auch die tragende Stimme des musikbegeisterten Dechanten künftig im Gottesdienst fehlen wird. Und dass es beim Ausmarsch der Zelebranten bei einem ganz normalen Gottesdienst tosenden Applaus aller Gottesdienstbesucher gibt, ist wahrlich nicht selbstverständlich.

Er kennt nicht nur alle Kirchenlieder auswendig

Im Pfarrsaal wartete eine stimmungsvolle Abschiedsparty auf den scheidenden Pfarrer, die von einigen gelungenen Beiträgen aufgewertet wurde. So stimmten die Pfarrsekretärinnen als Nonnen verkleidet gemeinsam

mit dem Pastoralteam eine Litanei an, die auf die speziellen Eigenschaften Zeyens und seine Erlebnisse abgestimmt war. Der Männergesangsverein und der Kirchenchor warteten mit abwechslungsreichen und humorvollen Gesangseinlagen auf, und am Ende sang Zeyen mit allen Anwesenden zusammen bekannte Heimatlieder und Schlager der vergangenen Jahrzehnte. Schließlich ist er dafür bekannt, nicht nur sämtliche Kirchenlieder, sondern auch alle namhaften Karnevalshits und eine Vielzahl von Popsongs auswendig singen zu können.

Die Berkumer Pfarrkirche Maria Rosenkranzkönigin war am Sonntagmorgen ebenfalls mit 600 Besuchern randvoll gefüllt, denn alle wollten nun auch offiziell Abschied nehmen. Dabei bekannte nicht nurWeihbischof Ansgar Puff, er sei dankbar dafür, dass Zeyen weder Papst noch Bürgermeister noch Schlagersänger geworden sei. „Denn dann würde der Kirche wirklich etwas fehlen.“ Vor allem eines würde den Wachtbergern fehlen, nämlich sein berühmter Satz, der auf alle Lebenslagen passte und daher auch stets parat war und mittlerweile zum geflügelten Wort geworden ist: „Alles wird gut!“

Zeyen habe als Pfarrer in Wachtberg und zwischenzeitlich auch in Rheinbach eine ganze Menge bewegt, resümierte auch Pfarrgemeinderatsvorsitzende Claudia Langen voll Anerkennung. Als Geschenk der Kirchengemeinde überreichte sie ein Album gefüllt mit erinnernswerten Momenten aus den vergangenen zehn Jahren sowie ein neues Priestergewand, damit er an seiner neuen Wirkungsstätte in Troisdorf gleich Eindruck machen kann.

Vieles wurde in die Tat umgesetzt

In seiner Amtszeit in Wachtberg habe Zeyen unglaublich viel geleistet, das werde besonders dann klar, wenn man sich in Erinnerung rufe, was er zusammen mit dem Kirchenvorstand in die Tat umgesetzt habe, so der stellvertretende Vorsitzende Norbert Neu. Angefangen mit der gelungenen Zusammenführung der früher eigenständigen sechs Kirchengemeinden Adendorf, Berkum, Fritzdorf, Niederbachem, Oberbachem und Villip zu einer einzigen Pfarrgemeinde über die notwendige Änderung der Kindergartenlandschaft bis hin zu Neubauprojekten wie dem St. Gereonshaus in Niederbachem habe sich Zeyen als leidenschaftlicher, zielstrebiger und manchmal auch etwas unkonventioneller Wegbereiter unzählige Verdienste erarbeitet.

Von Vertrauen und Freundschaft geprägt war auch sein Verhältnis zur politischen Gemeinde, das bestätigte Bürgermeisterin Renate Offergeld, die privat direkte Nachbarin des Villiper Pfarrhauses ist, wo sich Zeyen sehr wohl und heimisch gefühlt habe, wie er gerne bestätigte. Sie war allerdings sicher: „Niemals geht man so ganz“, und schenkte ihm als Erinnerung das Wachtberger Drachenwappen. Gleich 20 Zentimeter Wachtberger Literatur hatte der Erste Beigeordnete Jörg Ostermann mit dabei, und der evangelische Pfarrer Günter Schmitz-Valadier trug zur Gitarre das Lied „Maria breit den Mantel aus“ mit einem auf Zeyen gemünzten Text vor. Doch all das verblasste vor dem Auftritt des scheidenden Dechanten selbst, der für seine eigenwillige Interpretation von Frank Sinatras Hit „I did it my Way“ stehende Ovationen und so manche Träne der Rührung hervorrief.

Der neue Wachtberger Pfarrer Michael Hoßdorf wird übrigens am zweiten Adventssonntag, 4. Dezember, um 15 Uhr in der Pfarrkirche St. Maria Rosenkranzkönigin in Berkum feierlich in sein Amt eingeführt. JOST

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