Swen Christian führt am Tag des Geotops anschaulich durch das Werden des Dächelsbergs
Steinbruch, Bioreservat und Bilderbuch der Erdgeschichte
Gesteine aus der Urzeit verdeutlichen unvorstellbare Zeitspannen
Wachtberg-Oberbachem. Wer auf den Aussichtsturm am Geotop Dächelsberg steigt, hat zu jeder Jahreszeit etwas zu entdecken. Hier im Naturschutzgebiet sind heutzutage viele Tier- und Pflanzenarten Zuhause, die man in dieser Region sonst nicht findet. „Das liegt an der perfekten Ausrichtung des Gesteins nach der Sonnenseite“, erklärt der Beigeordnete anlässlich des Tags des Geotops in einem spannenden Vortrag. Diese Situation schaffe ein ungewöhnliches Klima auf kleinem Raum, an dem sich seltene Tiere und Pflanzen ansiedeln und dauerhaft überleben können.
Stellvertretend für den verhinderten Referenten Dr. Stefan Thomas entführte Geograph Christian seine Zuhörer in die verschiedenen Zeiten der Erdentstehung. Vom flüssigen Lavaball bis zur Entwicklung unserer Kontinente vergingen Millionen von Jahre. Zuerst bildete sich ein einziger Riesenkontinent, der sich durch Verschiebungen im Erdinneren immer weiter veränderte, bis unsere heute bekannten Kontinente entstanden waren. Während dieser Wanderschaft der heutigen Erdteile hat Wachtberg tatsächlich einmal südlich des Äquators gelegen und ein Schelfmeer beherbergt, das später verlandete. Der Steinblock vor der Infostele neben dem Aussichtsturm ist ein Zeitzeuge dieser Phase.
„Unsere Erde ist aber immer noch in Bewegung“, erklärte Christian. Die Erdbeben, die durch die Verschiebung der Platten entstehen, sind für uns Menschen zum größten Teil gar nicht wahrnehmbar. Kaum einer der Besucher hätte geahnt, dass man in unserer Region im Rheingraben 30 bis 40 Erdbeben am Tag misst. Auch die verhältnismäßig dünne Erdkruste von „nur“ 50 Kilometern zeige, dass unsere Heimat bereits seit Jahrtausenden im Untergrund sehr aktiv ist, erklärte der Referent. Im Verhältnis dazu läge Paris mit 80 bis 90 Kilometern Erdkruste in einer geologisch betrachtet ruhigen Gegend.
Am Dächelsberg lassen sich wegen seiner besonderen Geschichte uralte Erdverschiebungen ablesen. Ein Berg, der vom Vulkanismus aufgetürmt und vom Menschen seines Gesteins wegen ausgebeutet wurde, bietet heute ungeahnte Studienmöglichkeiten. Dass die Gesteinsschichten nicht alle die gleiche Richtung aufwiesen, fiel den Zuhörern gleich ins Auge. Nachdrückende Lavamassen haben die vorhandenen Gesteine zur Seite gedrückt und die Formationen hinterlassen, so Christian.
Dass man diese Formen so gut sehen kann, hat man dem rund 100 Jahre andauernden Steinabbau am Dächelsberg zu verdanken. Vorher hatte der Vulkankrater nämlich bis zur benachbarten Landstraße dort bis zum Mehlemer Bach gereicht. Mit dem Abbau des Gesteins im Steinbruch hat der Mensch dort unbeabsichtigt eine Art Bilderbuch geschaffen, aus dem man heute die Erdgeschichte ablesen kann.
„Nur ein Wimpernschlag“ sei unsere Zeitrechnung seit Christi Geburt im Verhältnis zur Entstehungszeit des Vulkans, erst recht zur Entstehungszeit der Erde. Als Beispiele für die Gesteinsarten, die sich in dieser Zeit gebildet hatten, hatte Swen Christian Kies aus den Flussterrassen, Löss, hellen Ton und weiße Kiese sowie Trachyt in Eimern zum Anschauen und Anfassen mitgebracht. Auch Literatur zum Stöbern für Neugierige, die auf den Geschmack gekommen waren, lag zur Ansicht bereit.
Anhand von Schaubildern erklärte der Beigeordnete vor der Felswand des Dächelsbergs die Entstehung der verschiedenen Formen. Foto: Petra Reuter
Erdgeschichte zum Anfassen: Verschiedene Gesteinsproben verdeutlichten verschiedene Entstehungsphasen. Foto: Petra Reuter
Interessiert betrachteten die Besucher die Felswand des Dächelsbergs im Geotop, das große Zeiträume der Erdentstehung abbildet und gleichzeitig seltenen Pflanzen und Tieren ein Zuhause bietet. Foto: Petra Reuter
