Sitzung des Rheinbacher Landsturms in der Stadthalle
„Steinzeit reloaded 1.3“
Jäger, Sammler und Keulenschwinger versetzten das Publikum in die verrückte Welt der Urzeit
Rheinbach. Jäger, Sammler und Keulenschwinger bevölkerten gleich im Dutzend die Bühne, als der Vorhang aufging zur Sitzung des Rheinbacher „Landsturms“. Geschätzte 217 Minuten dauerte das närrische Programm mit tonnenweise Humor und einer großen Prise Lokalkolorit, das unter dem Motto: „Steinzeit reloaded 1.3“ insgesamt 17 Nummern mit einer tollen Mischung aus Musik, Tanz und witzigen Redebeiträgen beinhaltete, in denen das Geschehen in Rheinbach ebenso aufs Korn genommen wird wie die deutsche und internationale Politik.
Durch die Reihen des Publikums bahnten sich zum Auftakt 13 grunzende Steinzeitmenschen ihren Weg durch die Stadthalle zur Bühne, wo ihnen ein Rheinbacher Stadtsoldat (Willi Mertens) in Gardeuniform beibrachte, ihre Urlaute zu einem karnevalistischen „Humba, Humba, Täterä“ zu entwickeln. So werden aus Steinzeitmenschen im Handumdrehen moderne Karnevalsjecken und somit zur unumstrittenen Krone der Schöpfung - zumindest in der fünften Jahreszeit.
Vier Stunden auf dem Gaspedal
Nach solch temporeichem Start drückten die „Söhne Rheinbachs“, wie sich die Mitglieder des Landsturms gerne selber nennen, während der kommenden vier Stunden unablässig aufs humoristische Gaspedal und stellten während der überaus gelungenen Landsturmsitzung eindeutig unter Beweis: „Steinzeit reloaded - et bliev alles anders.“ So lernten die denkfaulen „Hinkelsteinbeißer“ in der Sprachschule von Peter Arzdorf mit steinzeitlichen Methoden den Rheinbacher Urdialekt, und ein gewisser Karl Darwin (Fred Paral) dozierte und Witz über eine „prähistorische Leihmutter und ihre Folgen“. Hatten doch Archäologen zwischen Queckenberg und Loch entdeckt, dass der Landsturm bereits vor Jahrtausenden rund um Rheinbach sein Unwesen getrieben haben muss. Wozu soll die frisch entdeckte „Brauchtumshöhle“ denn schon gedient haben, wenn nicht für Gedichteabende von und mit Fritz Berg. Selbst im alten Ägypten seien die früheren Landsturm-Jecken regelrecht vergöttert worden, und die Parallelen zu einem gewissen Jesus und seiner Truppe sein ebenfalls unverkennbar: „Mit ihm zusammen waren wir damals so etwa 13 Leute - genau wie heute auch!“
Auf Frauenrollen abonniert war in seinem früheren Landsturm-Leben Bühnen-Urgestein Josef „Jupp“ Pick, der im Sommer aus der Truppe ausgestiegen war und in seiner neuen Rolle als Zuschauer mit stehenden Ovationen gefeiert wurde. Doch auch seine „Nachfolger“ entpuppten sich bei ihrer Landsturm-Premiere als echte Verstärkungen. Heiko Hecking (43) stammt aus Köln und wohnt seit vier Jahren im Weilerfeld. Er hat bereits Bühnen- und auch Chorerfahrung und die seiner vollmundigen Ankündigung „Ich singe Bass und besser“ auch Taten folgen. Stefan Jansen (22) konnte sich besonders als Tänzer des „Gangnam-Style“ auszeichnen, seine gerittene Zwerchfellmassage quittierten die Zuschauer mit tobendem Applaus. Unterstützt wurde er dabei von Harald Assenmacher, Peter Eich, Stephan Bruna und seinem Vater Karl-Heinz Jansen. Und auch der Neuzugang des vergangenen Jahres, Thomas Michels, bewährte sich als verbindendes Element zwischen den einzelnen Nummern und als wesentliche Stütze des Ensembles in seiner Rolle des Instrumententraktierers.
Ein Hauch von Guantanamo
Ein musikalisches Glanzstück war der von Heiko Hecking, Thomas Michels, Willi Mirgartz sowie Richy und Peter Arzdorf intonierte „Barbaren-Musikblock“, während der „Bademeister aus der Steinzeit“ (Jakob Mufleh) von den wunderbar harten Zeiten im früheren Waldschwimmbad berichtete, in dem durchaus noch ein Hauch von Abenteuer und Guantanamo geherrscht habe. Dagegen sei die heutige „Biosauna“ in der Stadt nur etwas für luschige Warmduscher. Als diabolischer Bestatter nahm Achim Frank die Aktivitäten eines Rheinbacher „Berufskollegen“ aufs Korn, der in einem Nachbarort eine „Hartz-5-Bestattung für 99 Euro mit Pfand zurück“ angeboten hatte.
Ein Leckerbissen für Augen und Ohren war die Geschichte der „Kinder vom Pofrostmann“, die natürlich alle in derselben Höhle wohnten, während im „Kannibalen-Restaurant da Pino“ mit unverkennbarer Ähnlichkeit zu einer Rheinbacher Pizzeria der Begriff „Fingerfood“ eine neue Bedeutung erfuhr und die zum Schreien komischen „Geißens der Steinzeit“ (Harald Assenmacher und Jacob Mufleh) daran scheiterten, den lecker zubereiteten Kopf von Fred Paral zu verspeisen. Die Zutaten für die Grusel-Mahlzeit hatten zuvor die „Kochtopf-Jäger“ Achim Frank, Stefan Jansen, Richie Arzdorf und Peter Arzdorf erbeutet und auf kleiner Flamme weichgeköchelt.
Jet-Set im Brauchtumsverein
Dass es nur ein kleiner Schritt ist, vom Neandertaler zum „Proleto Sapiens“, zeigte Peter Eich am leuchtenden Beispiel von „Robert und Carmen“, die natürlich zum Rheinbacher Jet-Set im „Brauchtumsverein“ stießen. Was viele nicht wussten: „Nicht jedes Kind, das polizeilich auffällig wird, ist deswegen schon hochbegabt.“ Ein Beispiel exzellenter Kleinkunst spielte sich in der „Steinzeit-Kita“ ab, wo die „Puppenspieler“ Stephan Bruna, Stefan Jansen und Heiko Hecking mit den „lebendigen Landsturm-Puppen“ Fred Paral, Peter Eich und Jacob Mufleh so manchem Schabernack trieben. Der ganze Saal stand Kopf beim urigen „Bläck-Fööss-Tanz“.
Ein mitreißender Buschtrommel-Stomp leitete das Finale ein, das es wirklich in sich hatte. In der Steinzeit-Hitparade mit „Dieter-Thomas Heckelmann“ (Peter Eich) machten „Moder-Talking“, die „Steinzeitschlümpfe“ und „Cindy aus Meckenheim und Bert“ den angeblich nicht immer freundlichen Umgang eines Rheinbacher Gastronomen mit seinen Gästen zum Thema. „Der Hütchenspieler vom Herrenklo“ als gewagtes Roberto Blanco-Cover überzeugte ebenso wie die Feststellung „Eine neue Leber ist wie ein neues Leben“ á la Jürgen Marcus oder „Theo, wir fahren nach Loch“ in Anlehnung an Vicky Leandros. Etwas schlüpfrig wurde es bei den Titeln „Heute schrumpsen wir die Frauke“ und „Komm in meinen Wigwam“, während der Kneipengänger dem „Tag, als Bert Berg mich rauswarf“ nachtrauerte.
Alles nur, weil wir Euch lieben
Das alles boten die Landstürmer ihrem Publikum „nur, weil wir euch lieben!“, stellte sich bei ihrem Ausmarsch musikalisch heraus. Die tolle Revue „Steinzeit reloaded 1.3“ war jedenfalls nicht nur ein großer Spaß für das Publikum, sondern stellt auch einen überzeugenden Auftritt der Gruppe dar, die bei Kostümen, Requisite und Bühnenaufbau wieder einen riesigen Aufwand betrieben hatte und an drei Abenden hintereinander jeweils mehr als vier Stunden lang auf der Bühne stand. Das zum Sitzungsmotto passende Bühnenbild hatte diesmal der Bonner Künstler Manfred Timon gefertigt, es zeigte eine Landschaft der Urzeit mit feuerspeiendem Vulkan und bedrohlicher Drachenhöhle, mit Mammut, Tomburg und Hexenturm.
VJ
Die „Kochtopf-Jäger“ hatten wieder einmal fette Beute gemacht.
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