Priv. Johannes-Gymnasium in Lahnstein

Steinzeit war gestern!

Brüderpaar weist die ökologischen Probleme von Schottergärten wissenschaftlich nach und siegt beim Landeswettbewerb Jugend forscht

Steinzeit war gestern!

Felix und Florian Heim mit ihrer Erfindung. Foto: Johannes-Gymnasium

06.04.2021 - 14:43

Lahnstein. Seit einigen Jahren lässt sich in vielen Vorgärten Deutschlands ein unheilvoller Trend erkennen: Schottergärten erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, obwohl vielfach vor ihren negativen Einflüssen auf Mensch, Natur und Klima gewarnt wird. Doch genaue Untersuchungen, die den Einfluss des Schottergartens auf die Umwelt erfasst und bewertet haben, fehlen.


Dies war die Motivation für die Jungforscher Felix und Florian Heim, die gerade ihr Abitur am Johannes-Gymnasium in Lahnstein sehr erfolgreich absolviert haben: Die beiden Brüder wollten genauer wissen, wie groß der Einfluss von Schottergärten auf die Umwelt wirklich ist? Im Rahmen ihrer Teilnahme am Wettbewerb „Jugend forscht“ konstruierten die beiden Brüder Messstände, die die Parameter der klimatischen Bedingungen in Bodennähe, wie die Lufttemperatur, die Luftfeuchtigkeit, den Luftdruck, die Bodentemperatur und die Bodenfeuchtigkeit, aber auch äußere Einflüsse wie die Windgeschwindigkeit, die Regenmenge oder die einfallende Strahlungsenergie in unterschiedlichen Höhen bis zu einem halben Meter über, und bis zu 10 cm im Schotter erfassten. Mit diesen Messständen ging es dann im Frühling letzten Jahres in die erste Messreihe. Um den Einfluss von Schottergärten auf ihre Umgebung zu bestimmen, wurden die Messstände sowohl auf einem Schottergarten als auch auf einer Vergleichsfläche aufgebaut. Die Brüder entschieden sich hierbei für eine Rasenfläche, ein ebenfalls beliebtes und natürliches Vorgartengestaltungsmittel. In diesem Frühjahr gelang es dem Brüderpaar sogar, eine neue Messreihe in einem Feldversuch durchzuführen. So konnten sie zu den unterschiedlichsten Witterungsverhältnissen Daten erheben, was ihnen eine sehr genaue Analyse und abschließende Bewertung des Einflusses von Schottergärten auf ihre Umgebung ermöglichte.


Auswertung der Messdaten


So zeigen die Messdaten deutlich, dass der Schottergarten mehr Strahlungsenergie der Sonne aufnimmt als die Rasenfläche und diese deutlich schneller an die über ihm liegenden Luftschichten in Form von Wärmeenergie abgibt. Dies führt über dem Schottergarten zu einer stärkeren Erhöhung der Lufttemperatur im Tagesverlauf und zu einem verzögerten Absinken der Lufttemperatur in den Abendstunden. Der Schottergarten führt im Tagesverlauf des weiteren den Luftschichten über sich kaum Wasser hinzu, im Gegensatz zu der Rasenfläche. Dort führen die Pflanzen den Luftschichten durch Transpiration Wasser hinzu und der kühlende Effekt der Verdunstung tritt auf. Da Pflanzen im Schottergarten fehlen, ist die Luft dort nicht nur trockener, sondern kann auch nicht durch Verdunstung abgekühlt werden. Und da im Schottergarten das Speichervermögen von Wasser und Nährstoffen geringer ist als im Rasen, entzieht der Schottergarten Insekten, Vögeln und anderen Lebewesen jede Lebensgrundlage. Zudem zeigen die Messdaten, dass sich die negativen Einflüsse von Schottergärten mit zunehmender Größe des Schottergartens auch in höheren Luftschichten bemerkbar machen. Die beschriebenen Ergebnisse der Brüder konnten eindeutig belegen, dass der Schottergarten einen negativen Effekt auf seine Umwelt hat: So schafft der Schottergarten eine lebensfeindliche Umgebung, die nicht nur die Biodiversität und Artenvielfalt gefährdet, sondern auch die Lebensqualität für den Menschen maßgeblich schmälert.

Um über die negativen Einflüsse von Schottergärten aufzuklären, planen die Brüder die Durchführung einer eigenen Kampagne: „Steinzeit war gestern!“ in den nächsten Wochen und Monaten und haben dafür schon erste Kontakte zu politischen Organisationen geknüpft. Mit ihrer Forschungsarbeit errangen die beiden beim Jugend-forscht-Landeswettbewerb Rheinland-Pfalz den 1. Platz im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften und den Sonderpreis „Klimaschutz“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Darüber hinaus durfte sich das „Johnny“ über ausgezeichnete Platzierungen weiterer Jungforscher beim Landesentscheid Jugend forscht freuen:

So errang Anne Neidhöfer den 2. Platz im Fachgebiet Biologie, den gleichen Platz errang auch Clara Conze im Fachgebiet Chemie. David Ternes durfte sich über den 3. Platz im Fachgebiet Physik freuen und über den Sonderpreis eines Forschungspraktikums am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin. Noch ein weiterer Johnny-Schüler war im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften erfolgreich: Felix Großmann erreichte den 3. Platz und den Sonderpreis Umwelttechnik. Mit diesen tollen Ergebnissen ist das Johannes-Gymnasium zum wiederholten Male die erfolgreichste Schule beim Landeswettbewerb Jugend forscht in Rheinland-Pfalz. Pressemitteilung

Johannes-Gymnasium

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07.04.2021 10:37 Uhr
Gabriele Friedrich

Ach ja, wir wissen das schon seit mindestens 60 Jahren.
Aber gut, das es da junge Erfinder gibt, die etwas herausfinden was eigentlich jeder weiß oder wissen müsste und sogar ein Gerät dafür erfunden haben.
Wir hatten nur unser Gehirn und brauchten keine Geräte.
Ob denn diese beiden Jungs nie im Freien gespielt haben? Wir werden es wohl nie erfahren. :-)))))))))))



06.04.2021 18:28 Uhr
juergen mueller

Ich komme mir schon ziemlich blöd vor, wenn ich etwas lese, was jedem einigermaßen intelligenden Menschen, wenn er denn sein Hirn gebraucht, in Bezug auf Stein-/Schottergärten, deren Negativeffekt, bewusst ist (sein sollte). In meiner Jugend habe ich bereits den Nutzeffekt von "grün" erlernen dürfen und -
Stein-/Schotter heizt sich schneller auf, gibt ein vielfaches an Wärme wieder ab, die Luft ist rockener, keine Transpiration von Wasser, kein kühlender Effekt durch Verdunstung, kein genügendes Speichervermögen für Wasser, geringere Nährstoffe und ja, keine Lebensgrundlage für Insekten, Vögel etc, eine menschlich produzierte Effektlosigkeit für unsere Umwelt, unser Klima, genau wie die hektaweise zubetonierten Flächen für Verkehr, Industrie- u. Gewerbe. Forschen ist immer gut und Preise als Ansporn verleihen ebenso.
Verleiht doch mal Negativ-Preise für jeden, der einen Stein-/Schottergarten angelegt hat. Steinzeit war nicht gestern. Wir haben uns selbst dahin wieder zurückversetzt



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Kommentare
juergen mueller:
Ja, nicht nur in bekannten Problemvierteln sondern auch in Rübenach lodert es. Wer, was sich von einer solchen Aktion was verspricht (oder nicht), wird es wohl selbst nicht wissen. Man kann nur spekulieren, wen und was denjenigen zu einem solchen Vorgehen antreibt. Registriert man, was sich an Jugend...
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