Gedanken im Blick - Glaube, Traditionen und Persönliches
Stille und Klarheit
Eine theologische Kolumne von Gunnar Bach
Der partielle Lockdown wurde verlängert. Wir müssen das Beste daraus machen. Eine Herausforderung, aber auch eine Chance liegt in den vielen abgesagten Veranstaltungen. Ich habe mehr Zeit, mich vorzubereiten. Wen oder was erwarte ich an Weihnachten? Wofür genau steht für mich dieses Fest eigentlich, wenn ich mich so sehr danach sehne? Vielleicht kann eine frei gewählte Stille helfen.
Zu einem Einsiedler kamen eines Tages Menschen. Sie fragten ihn: „Welchen Sinn siehst du in einem Leben der Stille?“ Er war gerade mit dem Schöpfen von Wasser aus einer tiefen Zisterne beschäftigt. „Schaut in die Zisterne, was seht ihr?“, fragte er. Die Besucher: „Wir sehen nichts.“ Nach einer Weile forderte der Einsiedler sie wieder auf: „Schaut in die Zisterne, was seht ihr?“ Sie blickten hinunter und sagten: „Jetzt sehen wir uns selbst.“ Der Einsiedler sprach: „Als ich vorhin Wasser schöpfte, war das Wasser unruhig, und ihr konntet nichts sehen. Jetzt ist das Wasser ruhig, und ihr erkennt euch selbst. Das ist die Erfahrung der Stille.“
Diese Stille ist für viele besonders am Anfang oft kaum auszuhalten. Ich kann die Zeit steigern. 1 Minute, am nächsten Tag, 2 Minuten, vielleicht am Heiligen Abend 20 Minuten? Ein Minuten-Adventskalender. Probieren Sie es mal aus. Vielleicht sehe ich an Weihnachten klarer durch die Stille, die ich mir gegönnt habe als Vorbereitung.
Ich wünsche mir und Ihnen die Entschiedenheit, in diesem Advent Stille und Klarheit zu suchen und zuzulassen.
Ihr Gunnar Bach
