Allgemeine Berichte | 07.06.2016, 10:06 Uhr

Villa Rustica im Industriegebiet Brohltal-Ost entdeckt

Straßenbau förderte römische Funde zu Tage

Sie bewundern den „Knaben mit dem eisernen Blick“: (von links) Ortsbürgermeister Rolf Hans (Niederzissen), Bürgermeister Johannes Bell, Grabungsleiter Dr. Peter Henrich und Grabungstechniker Achim Schmidt. WK
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Niederzissen. Einen überraschenden Fund förderte der Straßenbau zur Erweiterung des Industriegebietes Brohltal-Ost/A 61 zu Tage. Bei den Erdarbeiten stieß man auf die Überreste einer römischen Hofanlage (Villa Rustica). Durch die Aufmerksamkeit eines Spaziergängers während der Erdarbeiten zur Herstellung der Erschließungsstraße im Erweiterungsbereich des Industriegebietes wurde man am 8. April auf Relikte aus früheren Jahren aufmerksam. Als Heimatforscher ahnte dieser sofort, dass es sich um Siedlungsreste handeln könnte. Er setzte die Verbandsgemeindeverwaltung Brohltal hiervon umgehend in Kenntnis.

„Knabe mit dem eisernen Blick“

Bereits am 12. April trafen sich die Verantwortlichen der Verwaltung mit Vertretern der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie Koblenz, vor Ort, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Bereits am darauf folgenden Montag wurde eine geomagnetische Untersuchung (Prospektion) vorgenommen und ein Grabungsteam eingesetzt. Die Archäologen konnten unter der Leitung von Dr. Peter Henrich unter einer ca. 1,5 Meter hohen Sedimentüberdeckung im Bereich der Straße und in den Randbereichen die Überreste einer Villa Rustica im Ausmaß von ca. 20 x 30 Metern ausmachen und wichtige Funde bergen. Wichtigstes Fundstück hierbei war nach Aussagen des Grabungsleiters Dr. Henrich der „Knabe mit dem eisernen Blick“. Dabei handelt es sich um einen Beschlag aus Bronze, der von einem Möbelstück oder einem großen Kasten stammt. Es ist ein Knabe dargestellt, der anders als bei ähnlichen Funden eiserne Augen besitzt und aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert stammt (etwa 150 bis 180 Jahre n. Chr.). „Dieses herausragende Stück reiht sich nahtlos ein in die Reihe der Besonderheiten der 200-jährigen Geschichte des Landesmuseums in Trier“, er-klärte Dr. Henrich.

Ähnlich, wie bei der Römervilla in Ahrweiler, führten auch jetzt im Gewerbegebiet Brohltal-Ost/A 61 Erdbewegungen zu den Funden. „Offensichtlich ist der ehemalige Gutshof seinerzeit abgebrannt. Durch die etwa 1,50 Meter hohe Überdeckung mit Sedimenten blieb er dadurch auch so lange unentdeckt“, ist sich Henrich sicher. Zur Qualität der Funde stellte Henrich fest: „Wenn man den Prachtbau in Ahrweiler zur ersten Kategorie zählt, muss man die hiesigen Funde ehe der Kategorie drei zuordnen.“

„Logistisch und finanziell wurden wir tatkräftig unterstützt“, freute sich Henrich über die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Brohltal-Ost/A 61 und der Verbandsgemeindeverwaltung Brohltal.

Bauarbeiten nicht behindert

Durch die hervorragende Zusammenarbeit gab es auch keinen Stopp bei den weiteren Bauarbeiten. „Durch Umorganisation des Straßenbaus und die zügige Abwicklung der Grabungsarbeiten konnten die Bauarbeiten auch bereits Ende Mai schon an der Fundstelle weitergehen“, erklärte Bürgermeister Bell. Man habe nicht früher über die Funde informiert, um die Ausgrabungen nicht zu gefährden und diese störungsfreiabschließen zu können. Sowohl Bürgermeister Bell wie auch Ausgrabungsleiter Dr. Henrich betonten, dass die Zukunft der Gewerbeflächen zu keinem Zeitpunkt gefährdet war.

Zum weiteren Vorgehen erläuterte Dr. Henrich: „Außer dem herausragenden Fundstück des „Knaben mit dem eisernen Blick“ haben wir nur noch Funde im normalen Spektrum entdeckt, die entsprechend dokumentiert wurden. Jetzt folgt als nächster Schritt eine Sachstandsermittlung. Es handelt sich bei den gefundenen Resten um die Reste eines römischen Landgutes vom Typ „Bollendorf“.“ Diese Bezeichnung erhielten gleiche Anlagen, die denen einer 1907 in Bollendorf an der luxemburgischen Grenze ausgegrabenen Anlage entsprechen. WK

Herausragendes Fundstück der Villa Rustica in Niederzissen ist der „Knabe mit dem eisernen Blick“.

Herausragendes Fundstück der Villa Rustica in Niederzissen ist der „Knabe mit dem eisernen Blick“.

Sie bewundern den „Knaben mit dem eisernen Blick“: (von links) Ortsbürgermeister Rolf Hans (Niederzissen), Bürgermeister Johannes Bell, Grabungsleiter Dr. Peter Henrich und Grabungstechniker Achim Schmidt. Fotos: WK

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