Allgemeine Berichte | 13.10.2020

Straßenbauer-Innung Koblenz

Straßenbauer arbeiten mit Hochdruck an ihren „Baustellen“

Koblenz. Corona, die neuen Tarife, die Autobahn GmbH, unbefriedigende Überbetriebliche Unterweisungen: Es gibt einige „Baustellen“, an denen die Straßenbauer-Innung Koblenz derzeit arbeiten muss. Der Gedankenaustausch, den die jetzige Jahreshauptversammlung im Servicehaus Handwerk nach längerer Coronapause wieder bieten konnte, dürfte gerade recht gekommen sein.

Mit Sorge sehen Obermeister Wolfgang Schulz und sein Team der Straßenbauer-Innung Koblenz die Ergebnisse der Tarifverhandlungen auf sich zurollen: „In der Situation, die wir momentan durch Corona haben, ist das eine enorme Belastung.“ Anfang September waren zähe Verhandlungen rund um die Tarife der 850 000 Beschäftigten des Bauhauptgewerbes mit einem Schlichterspruch beendet worden. Beschlossen wurde ein Lohn-Plus von 2,1 Prozent ab Januar 2021, ein Lohnzuschlag ab Oktober 2020 in Höhe von 0,5 Prozent des Tariflohns zur Entschädigung von Wegezeiten und – strecken sowie eine steuerfreie „Corona-Prämie“ von 500 Euro als einmalige Sonderzahlung.

Vor allem die Sonderzahlungen, die bereits im November fällig werden, sorgen auf Arbeitgeberseite für schlaflose Nächte. „Zumal das vorher nicht kommuniziert wurde“, kritisiert Wolfgang Schulz. „Mal eben beispielsweise für 100 Mitarbeiter 500 Euro bezahlen, das macht 50 000 Euro.“ Und dies jetzt, zur Coronazeit. Hygienemaßnahmen, wegen der Abstandsregelung größere Autokolonnen, Ausfälle, weil Ersatzteile für Baufahrzeuge zu spät geliefert werden und Baustoffe nicht fristgemäß zur Verfügung stehen – all das gibt es nicht umsonst. „Für die Mitarbeiter gab es während der Pandemie keine nennenswerten Einschränkungen, vielmehr hatten die Unternehmer erhebliche Mehrkosten“, so der Obermeister, „uns zahlt deshalb kein Auftraggeber mehr Geld.“ Im Gegenteil. Aufgrund der teilweise im Homeoffice arbeitenden Behördenmitarbeiter seien Rechnungen erst wesentlich später geprüft und angewiesen worden.

Und: Wegen des Mangels an Berufsnachwuchs werden ohnehin bereits Löhne gezahlt, die über Tarif liegen, gibt Schulz zu bedenken. Unternehmen, deren Baustellen weiter weg vom Firmensitz liegen, hätten bereits in der Vergangenheit eigene Wegezeitvergütungen getroffen, „sodass nun on top noch alles draufkommt.“ Zukünftig werde in seiner Branche in puncto Auftragslage ein Minus von 5 Prozent erwartet. „Wie tief will man eigentlich noch in die Taschen der mittelständischen Bauindustrie greifen?“

Raueres Wetter dürfte auch wegen der neuen Autobahn GmbH aufziehen, befürchten die Straßenbauer. Die bundeseigene Gesellschaft wird im kommenden Jahr Planung, Bau, Betrieb, Erhaltung und Finanzierung der Autobahnen in Deutschland übernehmen. Doch die Reform der Straßenbauverwaltung kostet Zeit. Es wird befürchtet, dass Planungen und Bauprojekte ins Stocken geraten könnten. In Folge liebäugeln die eigentlich auf Großprojekte spezialisierten Unternehmen mit Aufträgen, die bis dato dem Mittelstand vorbehalten waren. „Der Markt, der klassischerweise vom Mittelstand bedient wurde, wird härter umkämpft werden“, ist sich Schulz sicher.

Umso wichtiger sei es, sich auf politischer Ebene Gehör zu verschaffen. Das Team der Straßenbauer-Innung Koblenz ist froh, zwei Vertreter aus den eigenen Reihen im Vorstand des Verbandes Bauwirtschaft Rheinland-Pfalz zu sehen: Wie gewünscht wurden Dr. Kai Müller und Elisabeth Sauer-Kirchlinne gewählt.

Ein weiterer Punkt auf der Agenda: Die Verbesserung der Qualität der Überbetrieblichen Ausbildung für Azubis, die an der HWK Koblenz stattfindet. „Leider wird hier nicht das vermittelt, was wir später an Fertigkeiten auf der Baustelle brauchen. Wir würden uns qualifiziertere Ausbilder mit viel Berufserfahrung wünschen“, so Wolfgang Schulz stellvertretend für das Innungsteam. „Sonst sind die Lehrgänge dort, die uns Betriebsinhaber viel kosten, leider nichts als Zeitverschwendung.“ Der Dialog mit der HWK ist bereits im Gange und wird fortgesetzt.

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