Erstes Hilgerter Mundarttreffen mit Dietmar Gerharz
„Su schwätzen mier!“
Hilgert. Die Auftaktveranstaltung der Mundarttreffen fand vor kurzem im Bürgerhaus in Hilgert statt. Die Idee dazu hatte Initiatorin Inge Schmidt und sie war erstaunt und froh, dass fast 30 Personen, und darunter nicht nur Hilgerter, zu diesem Treffen kamen. Aber wie kommt man auf so eine Idee? Wie so oft werden die besten Ideen aus einer Alltagssituation geboren. Dies war auch hier der Fall. Anlässlich eines 80. Geburtstages auf dem Inge Schmidt zu Gast war, kam man dort auf die guten alten Zeiten zu sprechen, man kam vom Hölzchen aufs Stöckchen und irgendwann auch auf das Thema Karneval und die Erinnerung, dass früher alle Reden und Vorträge auf den Sitzungen im Westerwälder Dialekt dargeboten wurden. Und somit war der Grundstein für diese erste Veranstaltung gelegt. Inge war überzeugt, dass sie mit ihrer Idee viele Freunde des Dialektes in Hilgert zusammenführen kann und das ist ihr auch gelungen. An diesem Nachmittag ließ sie es sich nicht nehmen, jeden eintreffenden Gast per Handschlag zu begrüßen und hieß dann alle Gäste zum ersten von zunächst drei geplanten Nach Mundarttreffen willkommen. Und für diesen Nachmittag konnte sie keinen geringeren als Mundart-Koryphäe Dietmar Gerharz aus Höhr-Grenzhausen gewinnen, welcher bereits drei Bücher in seiner Muttersprache veröffentlicht hat. Und aus diesen sowie handschriftlichen Aufzeichnungen trug er gut 60 Minuten vor.
Alles auf Platt!
Geschichten, Gedichte und Anekdoten. Und das alles auf Platt. Er berichtete auch, dass es kein einheitliches Wäller Platt gebe, sondern dass es von Ort zu Ort und auch von Ortsteil zu Ortsteil feine Differenzen in der Aussprache gebe. Der Dialekt, erzählte er weiterhin, habe sich langsam entwickelt und sei dann irgendwann durch das Hochdeutsche verdrängt worden und werde nun mehr und mehr durch das Denglische umgebracht. Dabei sei es so wichtig, seine Heimatsprache und seinen Dialekt zu pflegen bevor ein großer Wortschatz verloren gehe. Junge Leute sprechen es heutzutage kaum noch. In den niedergeschriebenen Gedichten des Mundartperfektionisten Gerharz umschreibt er auf meist lustige Art und Weise Alltagssituationen und wahre Begebenheiten. So kam auch die ein oder andere von Anwesenden dieses Nachmittags auf den Tisch. Oder man erinnerte sich durch Gerharz Vortrag an Geschäfte und Einrichtungen aus Höhr-Grenzhausen, die es heute zum Teil schon nicht mehr gibt.
Ein Meister der Mundart
Die Zuhörer dieser lockeren mundartbegeisterten Runde zollten es ihm mit Applaus. Gerharz Darstellungen waren gekonnt, sprachsicher, energisch und endeten mit perfekt betonten Pointen. Ein Meister der Westerwälder Mundart eben. Während der kurzen Pause fand ein reger und lustiger Austausch der Mundartfans statt und es wurde viel gelacht. Die Besucher stellten fest, dass auf Hochdeutsch vieles einfach auch nicht so gesagt werden kann wie mit dem Dialekt oder einfach die Wirkung verfehlt. Ein Mitbürger stellte auch fest, dass gerade auf den Karnevalssitzungen die Vorträge in der Westerwälder Redeweise immer mehr zurückgingen. Dies läge aber sicherlich nicht nur daran, dass die jungen Karnevalisten dies nicht wollten, sondern vielmehr daran, dass es keine Autoren mehr für diese Reden gäbe. Ein sehr wahrer Aspekt. Wer helfen möchte die Tradition zu wahren und vorbeugen möchte, dass unser altes Textgut nicht verloren geht und in Vergessenheit gerät, der sollte einfach mal eine bisschen Mundart sprechen und auf jeden Fall die nächsten beiden Treffen in Hilgert nicht versäumen. Diese finden am 20. Juni und 18. Juli jeweils um 15 Uhr wieder im Bürgerhaus statt. Geplant sind auch hierfür wieder Gastredner und Inge Schmidt ist schon gespannt, wie die nächste Runde aussieht.
Es wurde viel gelacht an diesem Nachmittag
