Allgemeine Berichte | 13.12.2023

Alter Brief aus Rheinbreitbach verrät viel über Handels- und Verkehrswege

Tabakbestellung aus dem Jahre 1863 entpuppt sich als interessanter Fund

Lastenschiffe wie diese Aak waren das Rückgrat des Rheinhandels Mitte des 19.Jahrhunderts, bevor sie durch die Eisenbahn abgelöst wurden.  Foto: Thomas Napp

Rheinbreitbach. Es war ein unscheinbares Papier, welches im Winter letzten Jahres bei einem online Auktionshaus unter dem Titel „Brief aus Rheinbreitbach von 1863 nach Neuwied“ angeboten wurde. Der Inhalt war kaum lesbar. Was sollte in einem solch kleinen Zettelchen schon Interessantes für einen Historiker drin stehen?

Doch weit gefehlt. Nach dem Kauf des Briefes entpuppte sich das Schriftstück als eine kleine Sensation. Obwohl nur wenige Zeilen geschrieben wurden, lassen sich anhand der Zeilen, geschrieben vom Bäcker Küpper aus Rheinbreitbach, die Handels- und Verkehrswege in dieser Zeit gut nachvollziehen. Küpper schreibt am 10. Dezember 1863, dass er sich gezwungen sähe, eine kleine Bestellung an Tabakwaren in Neuwied bei seinem Händler zu tätigen. Bedauerlicherweise müsse die Ware ( u.a. Rolltabak, Kanaster [Kräutertabak]) nun per Post von Neuwied aus linksrheinisch per Bahn über die Poststation in Rolandseck an ihn abgewickelt werden. Der normale Weg über den Schiffer Lehmann würde nicht gehen, da dieser erst in der kommenden Wochen wieder fahren würde. Das Geld würde er bei der nächsten Bestellung mitsenden.

Wer sich diesen Brief genauer anschaut, muss sich wohl wundern, warum nicht standardmäßig die Waren des Bäckers Küpper über die Bahnpost in Rolandseck abgewickelt wurden. Hierzu muss man wissen, dass die Bahnpost zu dieser Zeit in Rolandseck erst wenige Jahre alt war. Denn die Bahnstrecke wurde von Bonn ausgehend über Remagen weiter nach Koblenz erst Ende der 1850er Jahre gebaut. Rechtsrheinisch gab es noch keine Eisenbahnstrecke.

Aus diesem Grund musste der Postbote von Rheinbreitbach mehrmals in der Woche mit einem Nachen den Rhein überqueren, um die Post für Rheinbreitbach im Bahnhof Rolandseck abzuholen. Mit Briefen war dies kein Problem. Größere Waren wie Fässer, Körbe oder Pakete mit dem Nachen überzusetzen waren hingegen schon herausfordernder.

Hinzu kam die Tatsache, dass Neuwied ebenfalls rechtsrheinisch lag und somit keinen Anschluss an die linksrheinische Eisenbahn hatte. Eine Brücke nach Weißenthurm gab es zu dieser Zeit nicht. Aus diesem Grund gab es noch Schiffer, die ganz traditionell den Rhein hinauf und hinunter fuhren, um den Warenverkehr zwischen den (rechtsrheinischen ) Städten zu organisieren. In Rheinbreitbach dürfte der Anlegehafen an der Stelle des heutigen Salmenfang oder in Unkel gewesen sein. Somit waren die Schiffer gerade für die Kaufleute und Unternehmer in den rechtsrheinischen Ortschaften sehr wichtig. Denn erst in den 1870er Jahren sollte die rechtsrheinische Strecke fertig gestellt werden und den Warenverkehr per Zug ermöglichen.

Dass nicht nur Tabakwaren aus Neuwied bestellt wurden, zeigt auch der Nachsatz des Bäckers Küpper in dem Brief. Er erwähnt an seinen Händler, dass er in der letzten Lieferung Erbsen einen silbernen Ring gefunden hätte, der dem Emblem nach dem Händler gehören würde. Mit der nächsten Bestellung würde er ihn mit nach Neuwied übersenden.

Dieser Fall eines Onlinefundes zeigt deutlich, wie sich ein unscheinbares Papier zu einer höchst interessanten Quelle für die Lokalgeschichte entwickeln kann.

Thomas Napp

Lastenschiffe wie diese Aak waren das Rückgrat des Rheinhandels Mitte des 19.Jahrhunderts, bevor sie durch die Eisenbahn abgelöst wurden. Foto: Thomas Napp

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Dauerauftrag
Daueranzeige
Innovatives rund um Andernach
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026
Koblenz blüht
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Rund ums Haus
First Friday Anzeige März
Innovatives rund um Andernach
Anzeige KW 14
Empfohlene Artikel
Schülerinnen und Schüler der Bienenklasse 3c der KGS Meckenheim sind am Standort Meckenheim der Bücherbrücke in die Bücher vertieft. Foto: Stadt Meckenheim
31

Meckenheim. Die Bücherbrücke Meckenheim/Alfter verzeichnet eine rege Nutzung durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Leseförderung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen befinden sich unter anderem Blütentraum, Hüppekästchen, Rasselbande und zahlreiche weitere Kindertagesstätten. An beiden Standorten der Bücherei steht der Mittwochvormittag im Zeichen der Vorschulprogramme, bei denen die Kinder bib(liotheks)fit gemacht werden.

Weiterlesen

Mit 17 Anträgen zur Neuaufnahme in diesem Jahr wurde fast der Spitzenrekord von 2020 geknackt.
50

Leutesdorf. Pascal Berger, Vereinsvorsitzender begrüßte alle Anwesenden zur Jahreshauptversammlung am 28. März und es wurde nach Feststellung einer ordnungsgemäßen Einladung und Bekanntgabe der Tagesordnungspunkte eine Gedenkminute den Verstorbenen gewidmet.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2291

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
134

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Dauerauftrag
Rund um´s Haus
Rund ums Haus
Kreishandwerkerschaft
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag Imageanzeige
Holz Loth-Entsorgung
Anzeige "Rund ums Haus"
Rund ums Haus
Fahrer gesucht (m/w/d)
Innovatives rund um Andernach
Oster-Anzeige
Doppelseite PR/Anzeigen
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Ostergruß
Rund ums Haus
Stellenanzeige
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
Stellenanzeige