100 Jahre JVA Rheinbach
Tag der offenen Tür in der Justizvollzugsanstalt Rheinbach
Rheinbacher Bürger überzeugten sich beim Besuch von einem modernen Strafvollzug
Rheinbach. Zum ersten Mal gab es einen Tag der offenen Tür in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rheinbach für alle Bürger der Stadt Rheinbach. Anlass für dieses, bisher einmalige Angebot, war das 100-jährige Bestehen der JVA. Anstaltsleiter Heinz-Jürgen Binnenbruck verband dieses Angebot mit einem Dank an die Rheinbacher Bevölkerung, die mit „ihrer“ JVA leben müssen. Im Laufe der Zeit hat sich auch das äußere Erscheinungsbild der JVA zum Positiven gewandelt und seit dem Jahr 2000 gibt es keinen gelungenen Ausbruch mehr, berichtete der Anstaltsleiter. Dies ist nicht nur die Folge einer erheblichen Verbesserung der Sicherungstechnik im Anstaltsbereich, sondern auch ein Hinweis auf ein gutes behandlerisches Klima. Die Verantwortlichen der Anstalt hatten diesen Tag der offenen Tür ausgezeichnet vorbereitet und eine „Tour“ durch die Anstalt festgelegt, die den Besuchern einen objektiven Einblick hinter die Gefängnismauer gaben. Hauptmotiv der Besucher war, einmal die JVA von innen zu sehen, „sonst fährt man ja immer daran vorbei, ohne zu wissen, wie es dahinter aussieht“, war die Meinung vieler Besucher. Gleich zu Beginn wurden die Besucher im neuen Verwaltungsgebäude in Empfang genommen und durch die Personenschleuse in den Besuchsbereich geleitet. „Hier müssen sich normalerweise die Besucher der Gefangenen einer eingehenden Kontrolle unterziehen, bevor sie in Kontakt mit dem Gefangenen kommen“, erläuterte eine Bedienstete im Besuchsbereich. Insgesamt arbeiten in der JVtA etwa 260 Bedienstete und die Anstalt gehört damit auch zu den größten Arbeitgebern in der Region. Diese notwendige Prozedur blieb aber den Besuchern am Tag der offenen Tür erspart. Gezeigt wurden die hellen und freundlichen Besucherräume, einschließlich die Langzeitbesuchsräume, in denen sich geeignete Gefangene eine längere Zeit mit ihrer Ehepartnerin oder der Familie aufhalten können. Aus dem Besuchsbereich heraus gelangten die Besucher in den inneren Bereich der Anstalt. Hier gab es erstes Erstaunen über die Größe und Weitläufigkeit des Geländes. „So groß haben wir uns das nicht vorgestellt“, meinten die beeindruckten Besucher. Hier gab es auch die erste Gelegenheit zu erahnen und zu hören, dass sich hinter den vielen kleinen Fenstern tatsächliche Gefangene befinden.
Zur Zeit befinden sich 450 Gefangene in der JVA
Ca. 545 Gefangene kann die JVA aufnehmen, derzeit liegt die Zahl der einsitzenden Gefangenen etwa bei 450 und jedem Gefangenen kann so ein Einzelhaftraum angeboten werden. Das war noch nicht lange so, chronische Überbelegungen und bauliche Probleme standen dem oft entgegen. Beim Gang in den Werkhallenbereich konnten sich die Besucher auch optisch von den massiven Sicherheitsvorkehrungen überzeugen. Über 100 Kameras, Bewegungsmelder, Berührungssensoren und ein Laservorhang überwachen lückenlos und rund um die Uhr die Bewegung in der Anstalt. Auch der Außenbereich ist optisch überwacht. Einen wichtigen Punkt zur Umsetzung des gesetzgeberischen Auftrages ist die Bereitstellung geeigneter Arbeitsplätze. Etwa 250 Arbeitsplätze stehen derzeit zur Verfügung. Immer noch nicht genug, trotz des Neubaus einer weiteren Arbeitshalle. In der Schreinerei und in der Schlosserei staunten die Besucher über die technisch hochwertige Maschinenausstattung in diesen Bereichen.
Die Werkbeamten erklärten den Besuchern ausführlich und geduldig den Ablauf und den Arbeitseinsatz in den Betrieben und zeigten, welche Produkte dort hergestellt werden. Eine großzügige Sporthalle, und ein moderner Sportplatz mit Kunstrasenbelag, hat wohl manches Sportvereinsmitglied mit Hochachtung erfüllt. Spätestens bei der Besichtigung des Zellenhauses und beim Anblick einiger geöffneter Hafträume dürfte sich jedoch bei den Besuchern der Gedanke eingestellt haben, dass es doch in der Freiheit schöner ist, als der Daueraufenthalt in einer abgeschlossenen Zelle. Die meisten Besucher verließen die JVA mit gemischten Gefühlen, nachdenklich und beeindruckt. Aber jeder war wohl froh, wieder „in Freiheit zu sein“. Dies konnte man auch gleich auf dem angrenzenden Parkplatz genießen, auf dem die Bediensteten für das leibliche Wohl der Besucher bestens gesorgt hatten.
Angesichts der spartanischen Einrichtung und der Größe der Hafträume fanden es die Besucher beim Tag der offenen Tür nicht erstrebenswert, eine Zeitlang hinter Gittern und bei verschlossener Tür zu „sitzen“.
