Allgemeine Berichte | 18.07.2017

Unkeler Bücherschrank auf dem Oberen Markt

Tauschbücherei feierte ihren 1. Geburtstag

Platz ist zwar in der kleinsten Hütte, nicht aber für alle Bücherschrank-Paten in der umfunktionierten Telefonzelle. DL

Unkel. „Heute, nach genau einem Jahr seit seiner Aufstellung können wir unseren Bücherschrank als vollen Erfolg bezeichnen“, begrüßte Monika Peis die Geburtstagsgäste. Zusammen mit ihrem Mann Manfred und den anderen „Bücherschrankpaten“, Hannelore und Ignacio Campino sowie Doris und Willi Hess, hatte sie vor einem Jahr die Betreuung des Projektes der Entwicklungsagentur „Kulturstadt Unkel am Rhein“ übernommen. Zusammen mit dem Vorsitzenden Rex Stephenson hatten diese am Samstagnachmittag auf den Oberen Markt oder Eschenbrender Platz zu einer Geburtstagsfeier mit Orangensaft, Sekt und Selters eingeladen, zu der Stadtbürgermeister Gerhard Hausen erschienen war, der ein Jahr zuvor versucht hatte, den Mitgliedern des Stadtrats das Projekt schmackhaft zu machen.

„Bei weitem nicht alle waren damals von der Idee angetan, auf dem Eschenbrender Platz die umfunktionierte Telefonzelle aufzustellen, die der ehemalige Vorsitzende des Geschichtsvereins, Nobert Knoppik besorgt hatte“, erinnerte Gerhard Hausen. So hatte der FWG-Fraktionsvorsitzende Volker Thomalla von einem Bücherschrank in Königswinter berichtet, den er als Fäkalienplatz bezeichnete. Außerdem gebe es bereits die Aktion „Buch unterwegs in Unkel“ der gut funktionierenden Katholisch Öffentlichen Bücherei Sankt Pantaleon, so sein damaliger Einwand. Der Christdemokrat Peter Müller hatte sogar Sorge, dass die Telefonzelle das Bild im historischen Stadtkern stören könnte. Vier Ratsmitglieder hatten sich dann auch gegen den „offenen Bücherschrank“ ausgesprochen, drei enthielten sich, elf stimmten dafür, dem Projekt wenigstens eine Chance zu geben unter der Voraussetzung, dass die Tauschbücherei regelmäßig betreut würde.

„Die Initiatoren hatten sich damals verpflichtet, für Nachhaltigkeit zu sorgen, und ihr unermüdlicher Einsatz hat nicht nur alle Bedenken gegen das Projekt zerstreut, sondern ist längst zu einem Paradebeispiel für Bürgersinn geworden“, schwärmte Gerhard Hausen vom Engagement der Bücherschrank-Paten. Die bezogen auch die Anwohner des Eschenbrender Platzes in das Lob mit ein, die stets ein waches Auge auf den Bücherschrank im Schatten des Schutzengelhauses werfen würden. „Die Bücher-Tauschbörse stößt auf großes Interesse bei Gästen der Stadt wie bei Einwohnern und wir erhalten durchweg eine gute Resonanz hinsichtlich der Qualität unseres Lese-Angebots“, so Monika Peis.

Ausnahmen würden natürlich wie immer die Regel bestätigen. So waren auch Bücher von zweifelhafter Qualität in der umfunktionierten Telefonzelle zu finden wie etwa eine zwölfbändige, nach Kellermief riechende und mit Stockflecken übersäte Brockhausausgabe neben Groschen-Heftromanen oder Fachbücher über Anästhesie neben Windows 97-Handbüchern. „An dieser Stelle sei nochmals darum gebeten, nur gut erhaltene Bücher, vor allem Romane, Krimis, Biografien oder Reiseberichte einzustellen und keine Fachliteratur, sondern eben alles, was andere Menschen gerne lesen“, so die Bücherschrank-Patin.

Besonders gefragt seien Kinderbücher. Die wenigen, die in den Bücherschrank gestellt würden, seien deshalb auch schnell vergriffen. Die Tauschrate sei generell sehr hoch. „Allerdings werden jetzt im Sommer wegen des Touristeneffekts mehr Bücher entnommen als eingestellt .Ausflügler nehmen eben gerne ein Buch mit, auch wenn sie keins dabei haben, um die Lücke wieder zu schließen“, berichtete Monika Peis. Dafür seien im Sommer dann viele Exemplare ausländischer Bücher im Bücherschrank vertreten, neben englisch-sprachiger Literatur auch spanische und italienische, ja sogar russische und arabische Bücher, ergänzte ihr Mann. „Da sind wir aber nur sehr bedingt oder auch gar nicht in der Lage, eine Aussage über die Qualität zu machen“, gestand er ein.

Schön für die Bücherschrank-Paten sei auch zu beobachten, wie Gäste der Außenbewirtung des Cafés „Krönchen“ sich ein Buch aus der gelben Telefonzelle holen würden, um darin zu schmökern. „Das geht mit Sicherheit auch genau anders herum, dass sich Lesewillige hier ein Buch holen wollen und sich dieses dann im Café in Ruhe ansehen“, so Rex Stephenson. Aber nicht nur Bücher hat der Bücherschrank im vergangenen Jahr gesehen. So beherbergte er auch ein „Cache“ für die Geocaching-Fans. Und während des Hypes von „Pokemon-Go“ war der Eschenbrender Platz mit der Tauschbücherei eine Pokemon-Go-Arena. „Zu dieser Zeit waren hier häufig Menschen zu sehen, die mit gesenktem Kopf nur Augen für ihr Smartphone hatten, um erfolgreich auf Monsterjagd zu gehen, anstatt sich für Bücher zu interessieren“, gestand Monika Peis ein, bevor sie im Namen aller Bücherschrank-Paten den Stammkunden wie auch den anderen Nutzern der Tauchbörse versprach, diese auch weiterhin mit gutem Lesestoff zu versorgen.

DL

Platz ist zwar in der kleinsten Hütte, nicht aber für alle Bücherschrank-Paten in der umfunktionierten Telefonzelle. Foto: DL

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