VG Rengsdorf kooperiert jetzt mit dem Deutschen Volkssportverband
Tausende wandern auf der Iserbachschleife
Anhausen. Das Wandern ist schon lange nicht mehr nur des Müllers Lust - wie es in dem alten Volkslied heißt - sondern in der Zeit von Funktions-Sweatshirt und Trekkingschuhen, Geocaching und GPS-gelenkten Touren längst zum modernen Volkssport geworden. Dieser Entwicklung hat sich die mit Fremdenverkehrsangeboten starke Verbandsgemeinde Rengsdorf angeschlossen. Intensiv gepflegt und beworben werden die Wanderwege durch die intakte Natur rund um den einst überregional beachteten Kurort. Am Samstag, bei frühlingshaft milden 15 Grad Außentemperatur und Sonnenschein, wurde offiziell der Wanderweg „Iserbachschleife“ im Naturpark Rhein-Westerwald eröffnet, der jetzt zusammen mit dem Deutschen Volkssportverband DVV beworben wird. Anhausen, Meinborn, Thalhausen, Isenburg und Rüscheid sind die entlang des Weges liegenden Ortschaften. Es gibt eine längere und zwei kürzere Strecken. Die komplette Iserbachschleife hat eine Länge von 20 Kilometern, bei der 771 Höhenmeter überwunden werden müssen. Erfahrene Wanderer kalkulieren für diesen Weg einen Zeitaufwand von sieben bis acht Stunden inklusive der Pausen. Wer noch nicht so fit ist oder weniger Zeit in Anspruch nehmen möchte, wählt die zwölf oder acht Kilometer langen Routen. Zur Eröffnung der Wandersaison 2017 war Michael Mallmann nach Anhausen gekommen. Er ist Bundesgeschäftsführer des Deutschen Volkssportverbandes. Mit ihm gekommen war der Vizepräsident des Verbandes und gleichzeitig Landesvorsitzender Rheinland-Pfalz des DVV, Bernd Derschug. Beide nahmen auch an den anschließenden Wanderungen teil.
Menschen zum regelmäßigen Wandern motivieren
Michael Mallmann erklärt im Gespräch mit „BLICK aktuell“ die Zusammenarbeit von DVV und Verbandsgemeinde Rengsdorf: „Die Wanderer können auf diesen Touren das Internationale Volkssportabzeichen erwerben. Die gegangenen Kilometer und die Teilnahmen an Veranstaltungen werden gezählt und dafür Urkunden ausgestellt. Unser Bestreben ist es, die Menschen zum regelmäßigen Wandern zu motivieren. Wir vom DVV kooperieren erst seit diesem Jahr mit der Verbandsgemeinde Rengsdorf. Zu der Iserbachschleife kommen noch die Touren Butterpfad und Klosterweg hinzu. Wichtig ist uns, dass die Wege gut beschildert sind, damit die Wanderer sich nicht verlaufen. Das wird hier in der Verbandsgemeinde Rengsdorf vorbildlich gemacht. Grundsätzlich erkennen wir in der Tendenz, dass das Wandern zurzeit boomt. Das hat auch damit zu tun, dass es aus der Mottenkiste herausgeholt wurde. Die Hersteller von Kleidung und Zubehör haben längst darauf reagiert. Und wir stellen fest: Das Wandern individualisiert sich. Es wird weniger in großen Gruppen gewandert, stattdessen mehr alleine, zu zweit oder in kleinen Gruppen. Das wird natürlich auch gefördert durch die Möglichkeiten, sich mit einem Smartphone Orientierung zu verschaffen. Die meisten Wanderer greifen aber lieber auf gutes Kartenmaterial und eine zweifelsfreie Beschilderung zurück.“ Wanderführer Peter Kirschbaum zeigte den Teilnehmern der Iserbachschleifen-Eröffnung die schönsten Stellen des Weges. Er wird auch immer wieder von der Rengsdorfer Tourist-Info für geführte Wanderungen engagiert. Judith Schnack nennt die Gründe der Zusammenarbeit der Verbandsgemeinde mit dem DVV: „Wir haben uns gezielt für eine Mitgliedschaft im DVV entschieden, weil wir uns durch die Erwanderung der Volkssportabzeichen eine Ankurbelung des Tagestourismus erhoffen. Mit der Iserbachschleife, dem Butterpfad, dem Klosterweg und dem Bärenkopp in Waldbreitbach haben wir künftig vier Wege anzubieten. Dadurch besteht auch die Möglichkeit, die Übernachtungszahlen in den Beherbergungsbetrieben der Verbandsgemeinde zu steigern. Durch die Startkarten des DVV wird die Steigerung des Tourismus für uns auch messbar.“
Messung durch Lichtschranke
Noch genauer lassen sich die Wanderer auf der Iserbachschleife zählen: Hier hat die VG Rengsdorf an einem geheimen Ort eine Lichtschranke installiert, die jeden vorbeikommenden Wanderer registriert. Im vergangenen Jahr hat diese Zählung zu dem sensationellen Ergebnis von 5.000 Wanderern geführt, die zwischen Anhausen, Meinborn, Isenburg und Rüscheid unterwegs waren. Allein entlang dieser Strecke nennt die Infobroschüre der Tourist-Info zwölf gastronomische Betriebe, in denen sich die Wanderer stärken oder sogar übernachten können. Mit dem Durchschneiden des symbolischen Startbandes eröffneten VG-Bürgermeister Hans-Werner Breithausen, Anhausens Bürgermeisterin Heidelore Momm und Wanderführer Peter Kirschbaum die DVV-Wanderung über die Iserbachschleife. Empfohlen wird, den Weg entgegen dem Uhrzeigersinn zu gehen, in Anhausen beginnend Richtung Meinborn und von dort über die Kirchenruine Hausenborn, Isenburg und Rüscheid zurück nach Anhausen. Der Steinebach, der Iserbach und der Siehrsbach mit ihren unzähligen Fischteichen begleiten die Wanderer auf duftenden Wiesenwegen und weichen Waldböden. Gemütliche Ruhebänke und eine wanderfreundliche Gastronomie laden zur Rast und zum Verweilen ein. Volker Metzner aus Neustadt (Wied) kennt die Iserbachschleife, er ist sie voriges Jahr schon einmal gegangen und ist jetzt bei der Saisoneröffnung wieder dabei. Volker Metzner hat für die 21 Kilometer lange Strecke damals deutlich weniger als die angegebenen sieben Stunden gebraucht, es waren nur circa viereinhalb Stunden reine Gehzeit, ohne Ruhepausen. Besonders gefallen haben ihm die offenen Ausblicke über die Landschaften. Mit kleinen Nettigkeiten macht die Rengsdorfer Tourist-Info ihren Gästen den Aufenthalt auf den Wanderstrecken zusätzlich angenehm. Zum Beispiel verteilt sie kleine Lupen im Scheckkartenformat, mit denen man sich Kleinstlebewesen in der Natur oder Steine und Pflanzen entlang des Weges im Detail ansehen kann. Und es gibt ein kleines ausklappbares Fernglas im Kartonrahmen, mit dem man die schönen Aussichten noch intensiver genießen kann. Brigitte Riebold von der Tourist-Info erklärt, dass die meisten Wanderer das Rengsdorfer Land im Frühjahr und im beginnenden Herbst besuchen.
