Denkmalschutz in Meckenheim
Technik in „Oberer Mühle“ wird saniert
Von der Stiftung Denkmalschutz geförderte Sanierung durch Profi-Mühlenbauer
Meckenheim. Es ist historisch gesehen eines der ältesten Gebäude der Apfelstadt und es hat eine abwechslungsreiche und bunte Geschichte hinter sich, die „Obere Mühle“. Unter der Leitung von Sybille Freifrau v. Nordeck bemüht sich seit Jahren ein Förderverein darum, das Gebäude, dessen Ursprünge bis in das 14. Jahrhundert zurückgehen, zu neuem Leben zu erwecken. Mühlen haben eine wechselvolle Geschichte und sind in früheren Jahrhunderten meist am Wasser oder als Windmühlen gebaut worden. In Meckenheim sorgte der nahe Bach für das notwendige Wasser, um die Antriebe ans Laufen zu bringen, bis man auch hier auf elektrische Antriebe umstellte.
Man weiß heute, dass im 16. Jahrhundert um die Rechte an der Mühle kräftig prozessiert wurde und auch im 17. Jahrhundert wird die Mühle häufig in Prozessakten erwähnt. 1908 brannte die Mühle ab, wurde aber 1911 wieder aufgebaut. Das Gebäude ging 1992 in das Eigentum der Stadt Meckenheim über. Nachträglich kann man es dann nur als Glücksfall betrachten, dass das Gebäude bereits im Jahr 1987 unter Denkmalschutz gestellt wurde, denn die Stadt Meckenheim nutzte das Gebäude im Zeitraum zwischen 1993 und 1998 als Unterkunft für Obdachlose. Diese waren im Wohnhaus der Mühle untergebracht, aber da die Mühle nicht mehr benutzt wurde, setzte der Zahn der Zeit dem Gebäude und der Technik kräftig zu.
Im Jahr 2003 ging dann aus einer Bürgerprojektgruppe der Verein „Pro Obere Mühle Meckenheim e.V.“ hervor, der im März 2015 dann auch einen entsprechenden Nutzungsvertrag mit der Stadt Meckenheim abschließen konnte. Im Mai 2016 gewährt die NRW-Stiftung dem Verein 100.000 Euro als Spende und sagt weitere Spenden bis zu 40.000 Euro zu. Ebenfalls gewährt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz im Juli 2016 einen Betrag von 50.000 Euro, der jedoch bis zum Juli 2017 komplett abgerechnet werden muss.
Gewährt wird dieses Geld für die Wiederherstellung der alten Antriebstechnik, ein umfangreiches Unterfangen. Damit das überhaupt durchgeführt werden kann, hatte der Verein bereits im Vorfeld entsprechende Arbeiten durchgeführt und freute sich daher sichtlich, in der vergangenen Woche Axel Brüggemann vorstellen zu können, der nun bis November dieses Jahres die Aufgabe hat, die entsprechenden Arbeiten durchzuführen.
Axel Brüggemann kommt aus Dingelstedt in Sachsen-Anhalt und ist bereits in der vierten Generation als Mühlenbauer tätig, ein ehemaliger Ausbildungsberuf, der jedoch in der Zwischenzeit ausgestorben ist. Dabei ist der Beruf des Mühlenbauers bis in die Zeit des Mittelalters nachweisbar, bereits damals zogen die Mühlenbauer von Mühle zu Mühle, um ihr Handwerk zu verrichten. Axel Brüggemann machte in den Jahren 1970 bis 1972 zusätzlich zur praktischen Ausbildung bei seinem Vater eine offizielle Ausbildung zum Bau- und Möbeltischler und ist heute mit seiner Expertise stark nachgefragt. So hat er unter anderem schon in München im Deutschen Museum gearbeitet, aber auch auf der nahen Drachenburg.
Bei seiner Vorstellung ging er auch auf das vorgefundene Equipment in der Mühle ein und bemerkte, dass dieses doch noch in einem recht guten Zustand sei, wenn man berücksichtigt, dass seit 1972 die Mühle stillgelegt ist. Das Hauptaugenmerk von Axel Brüggemann liegt nun darauf, die alte Antriebstechnik, den Elektromotor und die Riemen wieder flott zu machen. Damit wurden die Maschinen in der Halle angetrieben. Diese Arbeiten finden dann entlang des Produktionsweges statt und es muss auch das eine oder andere Teil ausgetauscht werden. Bloß damit fängt das Problem an, denn Ersatzteile sind häufig nicht mehr vorhanden, sodass diese dann in Handarbeit hergestellt werden müssen. Das ist der geplante Ablauf, aber – das kennt jeder private Bauherr, der ein altes Gebäude kauft – die meisten Überraschungen ergeben sich erst mit der Durchführung der Arbeiten. Manche Maschine offenbart erst beim Öffnen und Reinigen so manche Überraschung. So stellte sich hier erst spät heraus, dass bei der Quetsche an der Zugvorrichtung der Walze ein Teil abgebrochen war.
Der Verein hofft, dass die Arbeiten wie geplant abgeschlossen werden können und hat bereits einen zweiten Auftrag vergeben. Es müssen unter anderem die Türen und Fenster wiederhergestellt werden. Auch hier gilt es, die Vorgaben der Denkmalschützer zu beachten. Der Auftrag mit einem Volumen von rund 50.000 Euro geht an eine Fachschreinerei aus Meckenheim.
Ebenfalls in der Planung ist in Abstimmung mit der Stadt Meckenheim ein WC. Dieses will man möglichst klein halten und hofft auf die Genehmigung eines Unisex-WC. Die Abstimmung mit der Stadt ist alleine hier wegen des Anschlusses an die Kanalisation unabdingbar.
Insgesamt werden am Ende über 350.000 Euro verbaut werden, wobei der Verein inzwischen über Eigenmittel in Höhe von mehr als 100.000 Euro verfügt. Es gab weitere gute Nachrichten von der Spenderfront zu verkünden: „Neuen Pfade“, eine Initiative zur Wiedereingliederung junger Arbeitsloser aus Rheinbach, hat den Verein auch ganz praktisch unterstützt, sodass seit drei Wochen auch das Rolltor komplett erneuert werden konnte. STF
