Allgemeine Berichte | 06.11.2019

Seniorenbüro Swisttal und Forum Senioren in Meckenheim starten Initiative „KULTUR erLeben“

Teilnahme am kulturellen Leben soll nicht am Geldbeutel scheitern

Auch Menschen mit einem kleinen Geldbeutel sollen „KULTUR erLeben“ dürfen. Dafür wirbt eine neue Initiative des Seniorenbüros Swisttals mit (von links): Gerhard Endruschad, Konrad Beikircher, Petra Kalkbrenner, Susanne Fischer und Michael Venhaus.Foto: ESF

Swisttal-Miel. Die Teilnahme am kulturellen Leben sollte nicht am Geldbeutel scheitern. Damit auch Menschen mit einem geringen Einkommen, etwa Hartz IV-Empfänger, Rentner oder Geringverdiener in den Genuss kommen können an Theater- oder Konzertveranstaltungen teilzunehmen, riefen das Seniorenbüro Swisttal und das Forum Senioren in Meckenheim die Initiative „KULTUR erLeben“ ins Leben. Dafür konnten sie einen prominenten Schirmherren gewinnen: den Kabarettisten Konrad Beikircher. Der 1945 in Südtirol geborene Beikircher, der seit vielen Jahren in Bad Godesberg lebt, musste sich von Gerhard Endruschat nicht lange bitten lassen, so angetan war er von der Idee. Endruschat gründete 2013 das Seniorenbüro Swisttal.

Natürlich kam Beikircher auch zur Präsentation der Aktion vorbei und bot Kostproben seines humoristischen Repertoires. Der Startschuss für das Projekt „KULTUR erLeben“ fand in einem würdigen Ambiente statt, dem Spiegelsaal im Schloss Miel.

Susanne Fischer aus Buschhoven und Michael Venhaus aus Heimerzheim vom Seniorenbüro stellten die Idee vor.

Darum geht es: Gesucht werden „KulturPartner“. Dies können beispielsweise Veranstalter von Theater- und Kinoaufführungen, Konzerten, aber auch von Sportveranstaltungen sein. Tickets, die nicht verkauft werden konnten, können sie dem Seniorenbüro melden und Bedürftigen kostenfrei zur Vermittlung überlassen. „Natürlich sind auch Freikarten willkommen“, betonten Susanne Fischer und Michael Venhaus.

„KulturPartner“ können aber auch Bürger sein, die beispielsweise ein Theater-Abonnement abgeschlossen haben. Können sie eine Aufführung mal nicht besuchen, haben sie die Möglichkeit, Karten ebenfalls zur Vermittlung dem Seniorenbüro zu überlassen. Möglich ist aber auch, eine Begleitperson zu einer Kulturveranstaltung kostenlos einzuladen. „Jeder freie Platz ist wertvoll“, lautet das Credo.

Manchmal steht erst wenige Tage vor Veranstaltungsbeginn fest, dass noch Plätze frei sind. „Dann müssen wir schnell handeln. Wir vermitteln die Plätze übers Telefon an unsere Kulturgäste. Sie können dann an der Abendkasse gegen Vorlage ihres Ausweise den reservierten Platz einnehmen und am kulturellen Leben teilenehmen“, so die Organisatoren.

Andernorts ist die Rede von sogenannten „Kulturtafeln“ in Anlehnung an die bekannten Lebensmitteltafeln. In Swisttal habe man aber bewusst auf diesen Begriff verzichtet und sich für die etwas merkwürdige Schreibweise „KULTUR erLeben“ entschieden. Im Rhein-Sieg-Kreis ist dies bislang die erste Initiative dieser Art. „Nicht einmal Bonn hat dieses Angebot“, so Endruschat. Mit ins Boot geholt wurde auch das Forum Senioren in Meckenheim. Daher können nicht nur Kulturgäste aus Swisttal, sondern auch aus Rheinbach und Meckenheim davon profitieren. Einer der Sponsoren, die Faßbender Stiftung des Alfterer Unternehmers Paul Faßbender, soll bereits angeregt haben, eine vergleichbare Initiative auch für die Gemeinde Alfter auf die Beine zu stellen.

„Materielle Armut führt häufig zu sozialer und kultureller gesellschaftlicher Ausgrenzung. Kultur ist jedoch wichtiger Bestandteil unseres Lebens, schafft Gemeinschaft, eröffnet neue Horizonte, lädt zum Austausch oder einfach zu einem unbeschwerten Abend ein“, erläuterte Endruschat.

Für Konrad Beikircher trifft hier die „christliche und demokratische Lebensüberzeugung aufeinander. Kultur darf nichts mit dem Geldbeutel zu tun haben.“

Als Schirmherrin konnte auch die ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Ilka von Boeselager gewonnen werden, die zur Präsentation nicht persönlich kommen konnte, aber ein Grußwort verlesen ließ. „Soziale und kulturelle Teilhabe sind ein zutiefst menschliches Anliegen. Daher habe ich die Schirmherrschaft für diese wertvolle Institution übernommen.“

Swisttals Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner betonte, Kultur sei etwas, an dem alle teilhaben sollten: „Ich bin total begeistert von diesem Engagement. Heute ist ein schöner Tag. Diese Unterstützung ist für uns ein Segen. Dafür können wir nicht oft genug Danke sagen.“

Weitere Infos:

Ab sofort liegen kostenlose Flyer aus, etwa bei den Tafeln in den genannten drei Kommunen, beim Sozialamt, bei Banken und Sparkassenfilialen. Dazu gibt es Boxen, in denen Kulturpartner oder Kulturgäste ihre Kontaktdaten einwerfen können.

Kontakt: KULTUR erLeben, Seniorenbüro, Kirchstraße 22, 53913 Swisttal, Tel.: (0151) 62 74 14 19; E-Mail: orgteam@kultur-erleben.eu; Berechtigt sind u. a. Empfänger Sozialleistungen wie Hartz IV oder Menschen mit einem geringen Einkommen. Entsprechende Nachweise sind erforderlich. Weitere Infos hierzu unter www.kultur-erleben.eu.

Auch Menschen mit einem kleinen Geldbeutel sollen „KULTUR erLeben“ dürfen. Dafür wirbt eine neue Initiative des Seniorenbüros Swisttals mit (von links): Gerhard Endruschad, Konrad Beikircher, Petra Kalkbrenner, Susanne Fischer und Michael Venhaus.Foto: ESF

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