Kassandra Siebel gastierte im Zehnthaus
Temperamentvolle und besinnliche Gitarrenklänge
Swisttal-Odendorf. Tosender Beifall und Begeisterung des zahlreich erschienenen Publikums waren die Reaktion auf das Konzert von Kassandra Siebel im historischen Odendorfer Zehnthaus. Sie hatte angekündigt, Kompositionen großer Meister auf der klassischen Konzertgitarre zu interpretieren, und die Zuhörer waren schon sehr gespannt auf ihr Spiel. Konzerte mehrerer Künstler hatte es im Zehnthaus immer wieder gegeben, aber eine Solo-Konzertgitarre hatte man hier bisher noch nicht erlebt.
Mit dem Spanier Joaquin Rodrigo, dem Paraguayer Agustin Barrios, dem Mexikaner Manuel Maria Ponce und dem Kubaner Leo Brouwer standen Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts auf dem Programm, bei denen man von ihrer Nationalität her eine Nähe zur Gitarre annimmt. Eher erstaunlich und unerwartet mutete aber der Name Johann Sebastian Bachs (1685 - 1750) in dieser Reihe an. Bei diesem Namen könnte man eigentlich an Orgelmusik denken, und doch gibt es von ihm viele andere Kompositionen ohne das königliche Instrument. Außerdem existieren viele Fremdbearbeitungen Bachscher Werke durch andere Komponisten, so auch die von Siebel interpretierte „Ciaccona“, nach ihrer Aussage ihr Lieblingsstück. Während die vorhergehende Komposition von Leo Brouwer keine durchgängige, zusammenhängende Melodie aufwies, sondern eher an eine Reihe leicht aneinandergefügte Versatzstücke sphärischer Klänge erinnerte, war Bachs „Ciacona“ voller schmerzlicher Emotionen, voller Gedenken an den Tod seiner Frau.
Kassandra Siebel beherrscht ein vielfältiges Repertoire vom Barock bis zur Moderne. Sie wurde 1993 in Toulouse geboren und erhielt bereits mit sieben Jahren qualifizierten Gitarrenunterricht. Mehrfach war sie Preisträgerin bei „Jugend musiziert“ und bei internationalen Musikfestivals, besuchte Meisterkurse bei international bekannten Gitarristen und ist zur Zeit Studentin an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock.
