Theater in Dohr
„Testament mit Wartezeit“ sorgt für Ärger
Ungewöhnliche Schocktherapie soll Opa Simon kurieren
Dohr. Einen egozentrischen Querkopf mit erkennbarem Hang zum Tyrannen kann auf die Dauer keine Gemeinschaft ertragen. Permanent erdulden muss einen solchen Familie Prüfer in der Gestalt von Opa Simon (herrlich kauzig, Ingo Köhler), der sich Tag für Tag neue Absonderlichkeiten und Gemeinheiten ausdenkt, um seine Familie zu ärgern. Dies seit dem Tod seiner Gattin Maria vor Jahresfrist, der ihn nach Auffassung der Angehörigen erst zu solch einem Ekelpaket hatte werden lassen. Mehrmals die Woche bestellt er die angehende Juristin Hermine (wortgewandt und schlitzohrig, Caroline Lauxen) ein, um in einem neuen Anfall von Boshaftigkeit einmal mehr sein Testament zu ändern. Heute gibt Opa Simon den armen Poeten nach Carl Spitzweg inklusive eines chaotischem Couch-Umfeldes, was zunächst Schwiegertochter Karin (trefflich hausmütterlich und gutherzig, Sabine Jansen) auf den Plan ruft. Mal mit deutlichen Worten, mal mit Engelszungen versucht sie Opa Simon wieder ins richtige Gleis zu manövrieren, was ihr allenthalben misslingt. Ihre beiden Töchter Susanne (liebenswert und pfiffig, Ines Grundmann) und Petra (toll dreist und respektlos, Nadja Lenz-Fritzen), gehen da arbeitsteilig vor. Sie umschmeicheln den Opa, gaukeln ihm Zuneigung vor, haben es aber in Wirklichkeit auf dessen wohlbehütete Geldscheine abgesehen. Der nicht ganz ernst gemeinte Hinweis von Petra, dass der gute Opa ja vielleicht einem Adelsgeschlecht abstamme, lässt den alten „Knodderer“ augenblicklich zur Durchlaucht werden, dementsprechend er in der Folge auch auftritt. Das ganze Gehabe, Simon vergibt jetzt Audienzen, ist nicht mehr zu ertragen, was Sohn Andreas (lautstark und bäuerlich, Peter Lauxen) gegenüber dem störrischen Vater deutlich zum Ausdruck bringt. Doch der lässt sich auch nicht von Karins Mama, der „wilden Hilde“ (resolute Labertasche mit Charakter, Helene Maas), von seinen Marotten abbringen. Selbst Betschwester Gerharda (überzeugend warmherzig, Helene Gilles), ebenfalls Tochter von Opa Simon, vermag ihren Vater nicht versöhnlich zu stimmen. Simon bleibt stur, wischt die Bemühungen seiner Familie mit einer schnellen Handbewegung achtlos zur Seite und ändert erwartungsgemäß wieder einmal sein Testament. „Jetzt kann dem Opa nur noch eine Schocktherapie helfen“, ist sich die Restfamilie nach einem Austausch sicher. Und diese hat es im turbulenten Dreiakter „Testament mit Wartezeit“ (Walter G. Pfaus) vor dem letzten Vorhang wirklich in sich. Gibt es vielleicht ein Happy End mit einem Testament zur kollektiven Zufriedenheit oder eine endlose Spirale von Opas Boshaftigkeiten? Unter der letztmaligen Regie von Ingo Köhler (er gibt den Posten künftig weiter) erfreuen alle Bühnenakteure mit erstklassigem Wort- und Spielwitz. TE
Als Opa Simon den Adeligen im rosa Jackett gibt, platzt Sohn Andreas der Kragen.Fotos: TE
Opa Simon bei einer seiner boshaften Eskapaden. Diesmal gibt er den armen Poeten.
Schon wieder steht eine Testamentsänderung ins Haus. Großes Palaver inbegriffen.
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