Allgemeine Berichte | 23.11.2019

Erfolgreiche Lesung in der MEDIAN Klinik Rieden

Teufelsspirale Sucht – Einmal Abgrund und zurück

Hermann Wenning berichtete über seinen Ausstieg aus der Drogenszene

Rieden. Sein Leben war geprägt von Drogensucht und Beschaffungskriminalität. Doch Hermann Wenning hat den Weg zurück ins Leben gefunden. Wie hart dieser war, davon berichtete er in der MEDIAN Klinik Rieden am Waldsee.

Hermann Wenning wuchs behütet in den 60er Jahren auf einem Bauernhof im Münsterland auf. Trotz des guten Elternhauses und der idyllischen Umgebung machte die Sucht keine Ausnahme vor ihm. So berichtete er, dass es bereits mit 13 Jahren zum ersten Alkoholexzess kam. In den darauffolgenden Jahren manifestierte sich ein regelmäßiger Alkoholkonsum auf Familienfeiern, Sportveranstaltungen oder Dorfdiscos. Sich selbst bezeichnete er als „Quartalstrinker“, wodurch er zu Beginn der Annahme war, dass er den Alkohol kontrollieren könne. Doch bereits zu dieser Zeit gesteht er rückblickend ein, war er eine Geißel seiner Suchterkrankung, welche sein Handeln und Denken regierten.

Der Anfang vom Ende

Bis zu seinem 31. Lebensjahr konsumierte Wenning regelmäßig Alkohol. Er galt als trinkfest unter seinen Kollegen, doch bemerkte niemand seine Sucht. Während einer Party nahm er die erste illegale Droge „Ecstasy“. Nur wenige Wochen später war er nach eigenen Angaben drogensüchtig. „Wenn man nach einer Droge süchtig ist, dann folgt die zweite schnell dazu“, so Wenning.

Aus der Gefangenschaft in der Teufelsspirale entwickelte sich eine abwärtsgerichtete Achterbahnfahrt mit Looping. Die Beschaffung und der Konsum von weiteren illegalen Substanzen wie Cannabis, Amphetaminen und Heroin zählten fortan zum Alltag.

So tauchte er in die Drogenszene von Bahnhöfen ein, begann zu stehlen und sein gesamtes Umfeld zu belügen. Es dauerte nicht lange da ging die Partnerschaft in die Brüche, er verlor seine Wohnung, geriet in die Obdachlosigkeit und endete zu guter Letzt in monatelanger Inhaftierung.

Licht ins dunkle Leben brachten ihm vor allem seine Familie und der Sport. Bereits vor seiner Abhängigkeit war er ein begeisterter Marathonläufer. Er besann sich seiner Fähigkeiten und nahm im Gefängnis sein Training wieder auf und bahnte sich so seinen Weg aus der Sucht in einen neues, befreites und nicht von Zwängen regiertes Leben. Als Belohnung für seine Mühen gelang es ihm wieder zurück in die Gesellschaft zu finden und eine neue Arbeitsstelle anzutreten. Seit über 16 Jahren lebt er mittlerweile abstinent, verspürt keinen Suchtdruck mehr und leistet mit seinen Lesungen Suchtprävention in Schulen, Kliniken oder Haftanstalten.

„Jeder Mensch muss etwas haben, dass ihn ausfüllt“, meint Wenning.

Im Anschluss an die Lesung erfolgte eine offene und sehr angeregte Diskussion zwischen den 70 Patienten der MEDIAN Klinik Rieden am Waldsee, den Mitarbeitern und Hermann Wenning. Viele der Patienten fanden sich in seinen Erzählungen wieder und waren inspiriert durch seine Worte und seinen „Lauf zurück ins Leben“.

Mit diesen positiven Eindrücken und Gedanken endete eine weitere erfolgreiche Autorenlesung, die von den Patienten selbst organisiert wurde und finanziell vom „Verein Drogenhilfe Rieden e.V.“ unterstützt wurde.

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