Allgemeine Berichte | 09.06.2020

Tourismus-Cluster der Kreisverwaltung unterstützt ansässige Betriebe

Tourismus muss sich in Cochem-Zell neu aufstellen

Wichtigste Frage: „Wie können Gastronomen und Hoteliers die annähernd drei verlorenen Monate während der Vorsaison kompensieren?“

Die Offiziellen des Tourismus-Cluster der KV Cochem-Zell trafen sich nach ihrem Meeting in den Moselanlagen vor dem Kreishaus zu einem Foto. Foto: TE

Cochem-Zell. Es ist kein Geheimnis, dass der Tourismus ganz besonders von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen ist und sich daher völlig neu aufstellen muss. So lauten die hauptsächlichen Fragen eines Neustarts auch: „Wie können wir in die Spur zurückfinden und wie kann diesbezüglich ein Mehrwert entstehen?“ Da wird schon eine Saisonverlängerung bis Silvester und auch darüber hinaus ins Auge gefasst, die nach Möglichkeit nicht nur einmalig in 2020, sondern auch in den Jahren danach weitergeführt werden soll. Gültig für Touristen wie Cochem-Zeller. „Dass man Tür und Tor von November bis März geschlossen lässt, sollte künftig der Vergangenheit angehören und auch im Laufe der Zukunft im seltener der Fall sein“, betont Wirtschaftsförderer Dirk Barbye in seinen Ausführungen.

Konzept „Wintersaison Cochem-Zell“

„Die Grundlage hierfür ist das Konzept „Wintersaison Cochem-Zell“. Diesbezüglich wurde von Arbeitsgruppen innerhalb des Tourismusclusters Eifel-Mosel-Hunsrück der Kreisverwaltung Cochem-Zell, unter der Federführung von Prof. Dr. Heinz-Dieter Quack, wissenschaftlicher Leiter des auf Strategieberatung im Tourismus spezialisierten Unternehmens Projekt M, ein ausführliches Konzept erarbeitet. Dies stand in der Planungsphase schon länger im Raum und hat nun durch den existenzbedrohenden Druck in der Corona-Krise so richtig Fahrt aufgenommen. Hier haben sich Leute vom Fach Gedanken gemacht und die Gastronomiebetreiber leben vor, was im Rahmen der Möglichkeiten umgesetzt werden kann. Im Landkreis Cochem-Zell stellt sich daher die derzeit wichtigste Frage: „Wie können Gastronomen und Hoteliers die annähernd drei verlorenen Monate während der Vorsaison kompensieren?“ Die Menschen haben nach den drei Monaten der Kontaktsperre darauf gewartet, endlich wieder Urlaub machen zu können, was auch der Besucherandrang mit langen Autostaus während der Pfingstfeiertage in Cochem zeigte. Kreischef Manfred Schnur macht während der Konzeptpräsentation im Sitzungssaal der Kreisverwaltung nachdrücklich deutlich, dass bei allem das oberste Gebot gilt, dass Cochem nicht das zweite Ischgl werden darf und dass man nicht aus den Augen verlieren darf, dass die Corona-Pandemie noch nicht vorbei ist. So ist sich der Landrat sicher, dass ein weiterer Lockdown einen wirtschaftlichen Totalschaden nach sich ziehen würde. Dies müsse unbedingt vermieden werden – und es ist nicht nur die Intention der Saisonverlängerung. Im Gegenteil, es soll auch um Masse statt um Klasse gehen. Dies betonen in der Folge ebenso Lilli Arnicot, Kreisvorsitzende HOGA (Hotel- und Gaststättenverband) sowie Christina Berg aus Bremm. Lilli Arnicot betreibt das Waldhotel Kurfürst in Kaisersesch, das seit 40 Jahren ganzjährig geöffnet ist. „Natürlich kommen im Winter weniger Gäste, aber es ist auch etwas Besonderes, sie hier zu haben, so Arnicot. Sie wünscht sich künftig, auch gerade in den Wintermonaten, flexiblere Öffnungszeiten der Sehenswürdigkeiten und Freizeiteinrichtungen, um ihre Arrangements dahingehend noch optimieren zu können. Und es geht ihr dabei nicht nur um die Touristen, sondern auch um die Menschen die in der Region leben.

„Wenn viele an einem Strang ziehen, dann schaffen wir das!“

Der gleichen Meinung ist Christina Berg aus Bremm. Sie hat gerade erst fünf neue Mitarbeiter angestellt, weil sie sich sicher ist die Krise meistern zu können: „Wenn viele an einem Strang ziehen, dann schaffen wir das!“ Sie arbeitet eng mit den Winzern zusammen und es haben sich diverse Ideen entwickelt. So zum Beispiel Weinbergsführungen: „Es doch vielleicht besser den Calmont im Winter bei 5 Grad Celsius zu besuchen, als im heißen Sommer bei 40 Grad,“ führt Christina Berg lächelnd aus. Gerade dieser Pragmatismus wird aber in solchen Zeiten gebraucht. Knut Schneider, zuständiger Regionalgeschäftsführer der IHK Koblenz, fordert davon noch mehr. Er versucht das Positive der Corona-Krise herauszustellen: „Corona dient gewissermaßen als Beschleuniger, nicht dafür, dass hier alles den Bach runtergeht, sondern dafür, dass jetzt viele zusammenarbeiten.“ Dabei soll laut Schneider keine fünfte Jahreszeit erfunden werden, sondern ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es nicht nur möglich ist, in acht Monaten Geld zu verdienen, sondern auch in zwölf.

Viel ungenutztes Potenzial

Der Regionalgeschäftsführer vermutet noch viel ungenutztes Potenzial in den Betrieben und appelliert an die Gastronomen sich zu melden, sich zu beteiligen. „Denn es ist jetzt die Gelegenheit“, so Schneider. Und dann geht es darum, das vorhandene Potenzial zu nutzen. Zugpferd im Bereich Gesundheit/Wellness wird Bad Bertrich sein. Die Geschäftsführerin Gesundland Vulkaneifel, Vera Menten, fast die Vorteile im Kreishaus noch einmal zusammen: Infrastruktur (mit vielen Kliniken, die in medizinische Angebote einbezogen werden können), Thermen, Landschaftstherapeutischer Park, Venenpfad, bald auch ein Diabetespfad, geführte Wanderungen, Glaubersalz und mehr. Der kleine Ort genießt somit ein Alleinstellungsmerkmal. „Eine Idee ist“, so Vera Merten, „die bereits bestehende Venenakademie in eine Gesundheitsakademie auszubauen.“ Vieles, wie geführte Wanderungen, lässt sich vom Sommer auf den Winter adaptieren. Merten ist zurzeit damit befasst, die Anbieter zu bündeln. „Gerade Wellness ist im Winter sehr beliebt“, weiß Merten, ebenso, dass viele Hotels nicht über Wellnessbereiche verfügen. Die Kooperationen machen dann einen Schuh draus. „Die Bereitschaft ist generell da“, freut sich Merten über die positive Ausgangssituation. Bei Nora Menne, Tourismuscluster-Managerin der Kreisverwaltung Cochem-Zell, ist viel Überzeugungskraft gefragt, denn bei ihr laufen viele Fäden zusammen. Sie spricht von etlichen Anregungen und neuen Veranstaltungsformaten wie bspw. verstärkt Winzerhoffeste als Ersatz für Weinfeste. Hier gilt es Betriebe zu überzeugen, dabei viele Gespräche zu führen (während der Corona-Krise Telefonate) und für das Projekt Vertrauen schaffen. Mittlerweile zahlt sich die Arbeit schon aus, denn immerhin 30 Betriebe haben sich zurückgemeldet. Wie viele Ortsgemeinden oder auch Heimat- und Verkehrsvereine es am Ende sein werden, klärt sich Ende Juni. Nora Menne hofft auf einige gute Ideen. Derweil liegt vom Winzerort Ernst schon ein Konzept vor. MdL Anke Beilstein äußerte sich als Ernster Bürgerin für eine Initiative, die im positiven Sinn typisch für Ernst ist. „Wir wollten uns nicht in die Ecke setzen, und die Dinge hinnehmen, wie sie sind, sondern aktiv werden.“ Gesagt, getan. Die Wintersaison kann kommen, denn als in Ernst die Frage gestellt wurde „Wer wäre dabei?“, gab es kein allzu langes Zögern. So ist es gelungen, vom 30. Oktober an bis über Silvester (ausgenommen 24. bis 26. Dezember) 250 Angebote für tagsüber und abends zusammenzustellen. Die reichen von Wellness rund um die Traube, bis hin Kochkursen, Schlenderweinproben durch den Ort bis hin zu Kino im Weingut. „Sämtliche Angebote sind offen für alle, also auch ganz bewusst für die Einheimischen“, betont Anke Beilstein. Wie auch immer sich die Situation im Zeichen der Corona-Pandemie entwickelt. Ernst hat ein Konzept in der Tasche. Vielleicht nicht in diesem Umfang, aber Dirk Barbye wünscht sich noch von weiteren 10 bis 15 Ortschaften diesbezüglich Ideen: für eine Initiative, die im positiven Sinn typisch für Ernst ist. „Wir wollten uns nicht in die Ecke setzen, und die Dinge hinnehmen, wie sie sind, sondern aktiv werden.“

„Ob jetzt Wochenenden gestaltet werden, oder ganze Wochen, das kann funktionieren“, ist der Wirtschaftsförderer optimistisch. Er setzt darauf, dass die positiven Beispiele andere motivieren, mitzumachen. Denn am Ende haben alles etwas davon.

Das Vier-Säulen-Konzept „Wintersaison Cochem-Zell“:

1. Winter-Angebote, 2. Winter-Programm, 3. Winter-Gesundheit/Wellness, 4. Winter-Arrangements.

Auf dieser Grundlage gilt es nun, die Säulen mit Leben zu füllen. Ziele sind die Steigerung der Wertschöpfung aus dem Tourismus, ein attraktiver Lebens- und Arbeitsstandort Cochem-Zell sowie eine attraktive Ganzjahresdestination. Istzustand: Außerhalb der Saison auf der Suche nach einem Restaurant vor zehn verschlossenen Türen zu stehen, das dürfe nicht sein. „Wer das erlebt, der kommt so schnell nicht wieder“, spricht Landrat Manfred Schnur das aus, was eigentlich keiner möchte. In den kommenden Jahren soll sich das ändern. „Klasse statt Masse, Exzellenzregion - die Mosel als Destination, an der auch im Winter keiner vorbeikommt“, formuliert es Knut Schneider, Regionalgeschäftsführer IHK.

TE

Die Offiziellen des Tourismus-Cluster der KV Cochem-Zell trafen sich nach ihrem Meeting in den Moselanlagen vor dem Kreishaus zu einem Foto. Foto: TE

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