Eindrucksvolle Reise zu bedeutenden Krippenstationen
Traditionelle Krippenfahrt des Förderkreises St. Medard Bendorf führte in die Pfalz
Bendorf. Die 13. traditionelle Krippenfahrt des Förderkreises St. Medard Bendorf stand in diesem Jahr unter dem stimmungsvollen Motto „Weihnachtskrippen in der Pfalz“. Eine interessierte Gruppe von Teilnehmerinnen und Teilnehmern begab sich auf eine eindrucksvolle Reise zu bedeutenden Krippenstationen, die sowohl kunsthistorisch als auch spirituell besondere Akzente setzten.
Erstes Ziel war die Schloss- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Ludwigshafen-Oggersheim. Dort erwartete die Besucherinnen und Besucher eine Krippe von hohem kunsthistorischem Rang. Die Darstellung zeichnet sich durch eine feine Figurenkomposition, ausdrucksstarke Gesichter und eine detailreiche Szenerie aus. Besonders bemerkenswert sind die harmonische Farbgebung sowie die sorgfältig ausgearbeiteten Gewänder, die den Figuren eine große Lebendigkeit verleihen. Architekturfragmente und landschaftliche Elemente schaffen eine tiefenräumliche Wirkung und lassen die Weihnachtsgeschichte eindrucksvoll lebendig werden.
Zweite Station war die Pfarrkirche St. Ulrich in Deidesheim, die eine wertvolle Krippe des renommierten Krippenkünstlers Sebastian Osterrieder beherbergt. Osterrieder (1864–1932) gilt als einer der bedeutendsten Krippenkünstler des 20. Jahrhunderts und prägte die sogenannte „Münchner Krippenschule“. Seine Werke zeichnen sich durch große Natürlichkeit, realistische Proportionen und eine tiefe religiöse Ausdruckskraft aus. Die Deidesheimer Krippe beeindruckt durch fein modellierte Figuren, eine ausgewogene Gruppierung der Szenen und eine klare Bildsprache, die den Betrachter unmittelbar in das Geschehen von Bethlehem hineinzieht. Er hatte das Heilige Land selbst bereist, um die Landschaft und Kleidung authentisch studieren zu können.
Als dritte Station wurde der Dom zu Speyer besucht. Die dortige Krippe ist aufgrund ihrer Größe und Monumentalität besonders imposant. In der mächtigen Kulisse des Kaiserdoms entfaltet sich eine weitläufige Krippenlandschaft mit zahlreichen Figuren und Szenen. Die Krippe greift die Dimensionen des Doms auf und verbindet auf eindrucksvolle Weise sakrale Architektur mit der Weihnachtsbotschaft. In Speyer legte die Reisegruppe zudem eine Mittagspause ein, die Gelegenheit zum Austausch und zur Stärkung bot.
Am Nachmittag führte die Fahrt weiter nach Landau in der Pfalz zur Marienkirche, der größten Kirche der Pfalz. Auch hier konnte eine Krippe von Sebastian Osterrieder bestaunt werden. Die Landauer Krippe überzeugt durch ihre klare Gliederung und die hohe handwerkliche Qualität der Figuren. Charakteristisch für Osterrieder ist die aufwendige Herstellungsweise. Er entwickelte hierzu ein spezielles Verfahren mit dem sogenannten „Französischen Hartguss“: Die Figuren wurden zunächst modelliert, anschließend in Formen gegossen und von Hand nachbearbeitet. Dies erlaubte eine bis dahin ungekannte Feinheit in der Mimik und Gestik. Durch sorgfältige Bemalung und feine Details erhielten sie ihren individuellen Ausdruck. Diese Kombination aus künstlerischem Anspruch und handwerklicher Präzision macht Osterrieders Krippen bis heute einzigartig.
Letzte Station der Krippenfahrt war das Krippendorf Bornheim. Hier präsentiert sich die Krippenkunst in besonderer Vielfalt: Zahlreiche Krippen aus unterschiedlichen Epochen, Stilrichtungen und Materialien sind in einem ganzen Dorfensemble zu sehen. Das Krippendorf vermittelt eindrucksvoll, wie vielfältig und lebendig die Tradition des Krippenbaus ist und bildet einen stimmungsvollen Abschluss der Reise.
Bevor die Heimfahrt angetreten wurde, kehrte die Gruppe zu einem gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant ein, wo der erlebnisreiche Tag in geselliger Runde ausklang. Ein herzlicher Dank galt dem Organisator der Fahrt, der mit großem Engagement und guter Planung zu einem rundum gelungenen Ausflug beigetragen hat.
Die Krippenfahrt zeigte eindrucksvoll, welch reicher Schatz an Krippenkunst auch in der Pfalz zu finden ist, und wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sicher noch lange in Erinnerung bleiben.
Osterrieder-Krippe in der Marienkirche in Landau/Pfalz.
