Traditioneller Mundartabend
Ahrweiler. Wenn vom Ahrweiler Mundartabend, auch bekannt als „Plattakademie“ die Rede ist, dann könnte dies auf den nicht-informierten Zeitgenossen nach einer, wie es heutzutage heißt „Special-Interest-Veranstaltung“ für einen kleinen Kreis von Interessierten gehen. Doch weit gefehlt: wenn der Heimatverein „Alt-Ahrweiler“ zu erwähnter Plattakademie bittet, kommen die Leute, Verzeihung – die Lück – in Scharen. Diesmal traf man sich im Hotel Stern auf dem Marktplatz und nicht nur das hintere Sälchen, auch der daran anschließende „Schlauch“ war bis auf den letzten Platz mit Fans des Ahrweiler Dialektes gefüllt. Und die bekamen eine ordentliche Ladung Platt serviert – gereimt und als Geschichte(n).
Von stinkenden Weihnachtsbäumen und Sauerkraut-Lametta
Mit Werner Schüller sorgte ein versierter Mundart-Routinier für den Auftakt, der vom bis weit in die Nachkriegsjahre üblichen Brauchtum des Weihnachtsbaum-Klaus im Ahrweiler Wald referierte. Blöd nur, dass eines Tages das edle Nadelholz mit Anti-Reh-Verbiss-Mittel präpariert war und in der warmen Stube eher nach Abort, als nach Tanne duftete. „Da flog mancher Baum noch an Heiligabend samt Kerzen und Kugeln durchs Fenster auf die Jass“, so Schüller schmunzelnd. Vogelwild die anschließende Reim-Story von Anne Horst, deren zunächst fehlendes Lametta schließlich an Silvester als Sauerkraut mit Würstchen auf den Tisch kam. Während Monika Kortmann das Publikum ins ferne Kanada entführte, rückte Peter Kasper die Nachbarskatze in den Mittelpunkt. Von längst nicht mehr unter uns weilenden, aber zum Glück nicht vergessenen Originalen aus Ahrweiler und der Eifel berichtete Lothar Pötschke, darunter auch vom „Bläke Fritz“, der als Kesselflicker in Ahrweiler kein Unbekannter war. Kurz und schmerzlos hielt es Ferdi Heuwagen, der dem überraschten Auditorium die Verwandtschaft des Menschen mit dem Apfel überzeugend darlegte.
Vor dem Ahrweiler Platt sind alle Menschen gleich
Gleich zwei Programmpunkte steuerte Karl Heinen bei, der zudem darauf hinwies, dass nicht nur vor Gott, sondern auch vor dem Ahrweiler Platt alle Menschen gleich sind: „Ahrweiler Platt kennt keinen Rang und keinen Stand.“ Dass es in der Platt-Akademie auch nachdenklich zugehen kann, bewies Margret Nischalke. Ihr Beitrag über einen Kriegsheimkehrer, der überraschend und als Nikolaus verkleidet zu Frau und Kindern zurückkehrt, ließ nicht wenige ein Tränchen verdrücken. Zum großen Finale zogen dann Marianne Winkelmann, Rita Lauter sowie Rolf Stöcker mit seiner Nikolaus-Hommage „D`r Kloos kütt“ noch einmal alle Platt-Register, die sich ziehen lassen und sorgten so für den mehr als passenden Abschluss eines Abends im Zeichen der Ahrweiler Mundart.