Allgemeine Berichte | 10.12.2018

850 Menschen wollen dem schwer erkrankten Norbert Ochtendung helfen

Typisierungsaktion in Kruft findet großen Anklang

Das Organisationsteam „Team Norbert“ unter Leitung von Martin Busenbender (li.) mitden Kindern des Betroffenen Jacqueline, Jenny und Kevin Ochtendung (vorne). Fotos: UBU

Kruft. Die Reaktion auf die Typisierungsaktion für den schwer erkrankten Norbert Ochtendung aus Kruft ist überwältigend. 850 potenzielle Spender sind am Samstag in die Vulkanhalle gekommen, um sich registrieren zu lassen. „Zudem sind mehr als 34.000 Euro Spendengelder zusammengekommen“, freut sich Martin Busenbender, Hauptorganisator Aktion.

Nachdem bekannt wurde, dass nur eine Stammzellentransplantation dem beliebten Krufter Familienvater eine Überlebenschance bietet, hat Busenbender gemeinsam mit den Fußballern der DJK Kruft/Kretz und den Kindern des Erkrankten ein Organisationsteam gegründet, das innerhalb von weniger als drei Wochen, eine Veranstaltung auf die Beine gestellt, die Ihresgleichen sucht. „Die Hilfsbereitschaft ist immens“, sagt Busenbender. „Innerhalb von kürzester Zeit haben sich 152 Helferinnen und Helfer bereit erklärt, die Aktion in verschiedenen Aufgabenbereichen zu unterstützen.“

Die drei erwachsenen Kinder des Erkrankten sind angesichts der Resonanz des Aufrufs gerührt und aufgeregt. „Es ist einfach toll, was die Organisatoren auf die Beine gestellt haben“, sagt Kevin Ochtendung. „Dass so viele Menschen unserem Vater helfen wollen, haben wir kaum zu hoffen gewagt“, ergänzt seine Zwillingsschwester Jenny sichtlich bewegt. „Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass sich die Menschen durch das hohe soziale Engagement unseres Vaters eng mit ihm verbunden fühlen.“ Denn schon im Vorfeld der Aktion habe ihr Vater sehr viel Anteilnahme erfahren. Auch wenn ihr Vater zwischendurch mal gute Tage habe, sei es für die Familie sehr belastend, dass die Krankheit so schnell fortschreite. Seine Hoffnung und die der Familie ruhen auf einen Stammzellenspender.

Davon, dass die Stammzellenspenderdatei (DKMS) ihm bei dem Erstgespräch wenig Hoffnung auf eine große Resonanz machte, da erst vor wenigen Wochen eine Spendenaktion im nur 20 Kilometer entfernten Mendig stattfand, ließ sich Busenbender nicht entmutigen. Der Erfolg gibt ihm recht.

850 potenzielle Spender lassen sich am Samstag fünf Stunden lang registrieren. Alle 60 Plätze zur Typisierung sind von Beginn an besetzt. Die Spender müssen ihre Daten und eine Speichelprobe abgeben. Busenbender, die Sportler der DJK, Freunde, Familie und Mitarbeiter der Verbandsgemeinde Pellenz haben ihre Netzwerke aktiviert, sodass der Strom an Hilfsbereiten nicht abreißt. Auch Tanja Nikolay ist aus Brohl-Lützing angereist, um eine Speichelprobe abzugeben. „Ich kenne Nobert Ochtendung zwar nicht persönlich, aber mein Vater hat in früheren Jahren mit ihm Fußball gespielt und hätte ihn gerne selbst unterstützt. Da das aus Altersgründen nicht möglich ist, bin an seiner Stelle gekommen“, sagt die 41-jährige. „Selbst wenn meine Gewebemerkmale nicht mit denen von Norbert Ochtendung übereinstimmen, kann ich möglicherweise irgendwo auf der Welt einem anderen Menschen das Leben retten. Dafür nehme ich mir gerne etwas Zeit“, so Nikolay.

Jacqueline, Jenny und Kevin Ochtendung sind über Smartphone in Kontakt mit ihren Eltern und informieren sie über das, was in der Vulkanhalle los ist. „Sie sind sehr gerührt und sehr dankbar“, sagt Kevin Ochtendung. Dennoch falle es ihnen schwer, ihre Füße still zu halten, ergänzt seine Zwillingsschwester Jenny. „Normalerweise sind es ja die beiden, die immer zur Stelle sind, wenn Hilfe benötigt wird und Veranstaltungen organisiert werden müssen“, verweist Jenny auf das jahrzehntelange Engagement ihrer Eltern im Sportverein DJK Alemannia Kruft/Kretz, dessen Vorsitzender Norbert Ochtendung ist.

Große Resonanz begeistert

Die Aktionsbetreuer der DKMS sind ebenfalls von der großen Resonanz begeistert. „Es ist super, dass so viele Menschen gekommen sind“, freut sich Benjamin Jakoby. „Die Aktion ist hervorragend und professionell organisiert“, lobt seine Kollegin Angelina Idt die Veranstalter. Diesem Loblied schließt sich auch Klaus Bell, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Pellenz und Schirmherr der Veranstaltung an. „Ich bin stolz auf meine Pellenzer.“

Die ehrenamtlichen Helfer, die die Bögen zur Registrierung der Spendenwilligen ausfüllen, werden vor der Aktion von Mitarbeitern der DKMS geschult. Den Abstrich mithilfe eines Wattestäbchens im Mund machen die Spender selbst. Die Registrierung dauert pro Person etwa 10 Minuten. Die Daten der Aktion stünden in etwa sechs Wochen zur Verfügung und laufen in die weltweite Datenbank ein, erklärt Angelina Idt. Der Datenabgleich laufe ständig, es könne sein, dass unabhängig von der Aktion ein geeigneter Spender für Norbert Ochtendung gefunden werde. Passt ein Spender, gebe es weitere Untersuchungen und eine erneute Überprüfung der Freiwilligkeit, bevor es zur Spende komme. „Zu 80 Prozent werden die Stammzellen aus dem Blut entnommen“, erklärt Idt, dass es zwei verschiedene Entnahme-Verfahren gibt. Hierzu müsse der Spender einige Tage ein bestimmtes Medikament einnehmen, das die Produktion der Stammzellen im Knochenmark anregt. Dass Knochenmark unter Vollnarkose direkt aus dem Beckenkamm entnommen wird, komme in wesentlich weniger Fällen vor. „Knochenmark wird auf gar keinen Fall aus der Wirbelsäule entnommen“, räumt Idt mit einer weitverbreiteten Annahme auf.

Die Aufnahme eines Spenders und die Auswertung seiner Probe koste die DKMS 35 Euro. „Da die DKMS gemeinnützig arbeitet, wird dies aus Spenden finanziert“, betont Idt. Um möglichst viel Geld zusammen zu bekommen, stehen auf der Veranstaltung Spendendosen. Zudem haben die Fußballer der DJK Kruft/Kretz eine große Tombola mit hochwertigen Preisen, wie beispielsweise Original-Fußballtrikots mit Unterschriften und Wellness-Gutscheinen organisiert. „Im Januar finden in der Region zahlreiche Hallenfußballturniere statt“, sagt Markus Stenz. „Dort werden wir weiter Spenden sammeln und zur Typisierung aufrufen. Auch Norbert Ochtendungs Cousine Ursula Reuter will auf ihrer Arbeitsstelle, der Uni in Bonn, gemeinsam mit der DKMS eine Typisierungsaktion starten, falls heute kein passender Spender gefunden werde. Zudem will Reuter ihre eigenen Werte bei der DKMS anfordern, um zu überprüfen, ob sie nicht selbst als Spenderin in Frage kommt. „Ich bin dort bereits seit mehr als 20 Jahren registriert und werde nichts unversucht lassen, um meinem Cousin zu helfen“, versichert Reuter sichtlich betroffen von dessen Schicksal.

„Wir sind alle guter Dinge, dass heute ein genetischer Zwilling für Norbert gefunden wird“, ist Busenbender überzeugt. „Dass die Aktion in Mendig so erfolgreich gelaufen ist, und dort schnell ein Spender für den jungen Mann gefunden wurde, gibt uns zudem große Hoffnung.“

Diese Hoffnung teilen auch die Kinder des Betroffenen. „Die große Anteilnahme hat uns überwältig“, sagt Jenny Ochtendung sichtlich gerührt. Die Kinder bedanken sich auch im Namen ihrer Eltern von Herzen für die große Hilfsbereitschaft, insbesondere auch bei allen Helfern, die neben Beruf und Alltag, seit Wochen diese tolle Veranstaltung auf die Beine gestellt haben. „Wir sind alle ganz eng zusammengerückt – wie eine große Familie“, so die 28-jährige.

Bei der DKMS wurde für die Aktion „Norbert will Leben“ eigens ein Konto eingerichtet. Wer helfen möchte, kann dies mit einer Spende tun. DKMS-Spendenkonto: Sparkasse Siegen, IBAN DE48 4605 0001 0010 1077 04.

Typisierungsaktion in Kruft findet großen Anklang

Typisierungsaktion in Kruft findet großen Anklang

Das Organisationsteam „Team Norbert“ unter Leitung von Martin Busenbender (li.) mit den Kindern des Betroffenen Jacqueline, Jenny und Kevin Ochtendung (vorne). Fotos: UBU

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Julia Doll : Lieber Roman, ja absolut, sehe ich ganz genauso
  • Roman Bermel: Hallo Julia. Du hast vollkommen recht. Ich habe lange bei euch gearbeitet und bin auch heute noch in der Grundschule unterstützend tätig. Ich kann nicht feststellen, dass weniger Unterstützung notwendig ist, eher das Gegenteil ist der Fall.
  • Ignaz Wrobel: Bedauerlich und fragwürdig finde ich, dass offenbar nicht die konstruktive Mitarbeit (!!!) in kommunalen Gremien zur grundlegenden Mitwirkung bei solchen Entscheidungen gesucht wird. Ich würde mich...
  • W. Harkort: Danke für diesen Kommentar. Gab es auch Einwendungen wegen seltener Ameisen? Irgendwann in naher Zukunft werden diese Leute ihre Entscheidung bereuen. Dann ist es aber zu spät.
  • Walter Knieps: Warum erst jetzt ?!?!
Dauerauftrag 2025
Holz Loth-Entsorgung
Familienfest freiwillige Feuerwehr Ringen-Bölingen am 01.05.26
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
SB Wahlen
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
100 Jahre Eifelverein Dernau
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
10 Jahre NoWi
Azubispots Bad Neuenahr 2026
Empfohlene Artikel
Meckenheim geht beim Fußverkehrs-Check mit, von links: Christoph Overs, Leiter der Geschäftsstelle und der Koordinierungsstelle Zukunftsnetz Mobilität NRW Rheinland, die städtische Mobilitätsmanagerin Liena Humke, Umweltplanerin und Mobilitätsmanagerin Nele Allerchen, Bürgermeister Sven Schnieber und der Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW Oliver Krischer. Foto: go.Rheinland GmbH / Smilla Dankert
49

Meckenheim. Es ist die umweltfreundlichste Fortbewegungsart der Welt. Deshalb soll das Gehen in Meckenheim nun mehr Aufmerksamkeit bekommen: Beim landesweiten Wettbewerb um einen professionellen „Fußverkehrs-Check“ wurde Meckenheim vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Zukunftsnetz Mobilität NRW als teilnehmende Stadt ausgewählt.

Weiterlesen

Die Vierklässler entdecken die Römerwelt.  Fotos: Grundschule Rheinbrohl
35

Rheinbrohl. Ein außergewöhnliches Projekt voller Entdeckungen, Abenteuer und lebendiger Geschichte liegt hinter den vierten Klassen der Astrid-Lindgren-Schule Rheinbrohl. In den vergangenen Wochen verwandelte sich der Unterricht in eine kleine Römerwelt. Im Rahmen eines umfangreichen Römerprojekts tauchten die Kinder tief in das Leben der alten Römer ein und erfuhren Geschichte nicht nur aus Büchern, sondern mit allen Sinnen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: ROB
83

Spezialeinsatzkräfte überwältigen randalierende Frau

01.05.: Kreis Euskirchen: 65-Jährige greift Polizisten mit Messer an

Zülpich. In der Nacht zum Freitag (1. Mai) um 1.47 Uhr erhielt die Polizei Euskirchen einen Notruf wegen einer randalierenden Frau in einem Mehrfamilienhaus in der Bachstraße. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte griff die Frau die Polizeibeamten mit einem Messer an. Die Beamten blieben unverletzt.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Dauerauftrag 2026
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Daueranzeige
Imageanzeige
Dauerauftrag Imageanzeige
Kreishandwerkerschaft
Werksverkauf Anhausen
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
100 Jahre Eifelverein Dernau
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Gegengeschäft
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Innovatives rund um Andernach
Maikirmes Franken
10 Jahre NoWi