Der Shanty-Chor der Marinekameradschaft „Admiral Mischke von 1912“ präsentierte
„Über die sieben Weltmeere“
Lahnstein. Weitab von jeglichem Gewässer, in Lahnstein auf der Höhe, präsentierte der Shanty-Chor der Marinekameradschaft „Admiral Mischke von 1912“ im Hotel Wyndham Garden sein Sommerkonzert. Die musikalische Seereise „Über die sieben Weltmeere“ stieß auf so großes Interesse, dass der Rhein-Lahn-Saal mit fast vierhundert Gästen beinahe aus allen Nähten platzte. Darüber freute sich besonders Hans-Georg Schwamb, Vorsitzender der Marinekameradschaft, der das Publikum einlud, sich mit den Shanties, den aus Arbeitsliedern der Matrosen entstandenen Melodien, in die Welt des einst extrem harten Seemannslebens entführen zu lassen. Als Moderator erzählte Chorbeauftragter Axel Knies die Geschichte der deutsch-, englisch- und holländischsprachigen Lieder. „Die Shanties verbinden uns mit der unvergänglichen See, den Schiffen, die nicht mehr sind und den schlichten Männern, deren Tage nicht wiederkehren“, sagte er mit den Worten des Schriftstellers Joseph Conrad. Als Bootsmann Dieter Stüwe auf der maritim geschmückten Bühne das Pfeifensignal zum Segel setzen gab, stachen die mehr als vierzig vierstimmig singenden Lahnsteiner Matrosen mit Steuermann, Chorleiter, Wolfgang Fink und dem „Gorch Fock“-Lied in See. In gewohnt locker-fröhlicher und dynamischer Art nahm Fink die Männer an die Hand, gab den richtigen Ton vor und klärte gelegentlich sogar noch während des Liedvortrags die Ausführung. Musikalisch begleitet wurden die Sänger von einer Akkordeon- und Gitarre spielenden Combo. Ihr Erkennungslied „Vereint im Shantychor“ hielt sie nur eine kurze Weile lang in ihrem Heimathafen in Lahnstein, um sich gleich darauf mit betrunkenen Seeleuten herumzuschlagen. Der Solist bei „Drunken sailor“, dem aus Irland stammenden, vielstrophigen traditionellen Shanty, war Karl Fuß. Mit dem beständigen, den Gesang begleitenden Schunkeln belebte die in schmucken Matrosenanzügen auftretende Mannschaft neben gelegentlichem Winken oder anderen gestischen Untermalungen das Bühnenbild choreografisch.
Einsatz des Publikums
Der Einsatz des Publikums war beim Baltimore-Shanty gefordert. Zu jedem der Küsse des Kapitäns auf Gesicht, Lippen und Busen seines Mädchens folgte es mit größtem Vergnügen der Aufforderung des Chors, sich zu erheben. Darüber hinaus war ihm Mitsingen oder Mitsummen ausdrücklich erlaubt. Das ließen sich die Zuhörer nicht zweimal sagen. So wuchs der Chor zu „Seemann, deine Heimat ist das Meer“ ein Lied, das Lolita im Jahr 1960 zu einem Evergreen machte oder „Rolling Home“, das in keinem Shantychor-Repertoire fehlen darf, entsprechend rasant an. Doch die meisten anderen Lieder waren für die große Chorgemeinschaft nicht bekannt genug, so dass sich das Publikum des weiteren mit dem Rhythmusklatschen begnügte. Für die irische Ballade „Molly Malone“, die von der Dubliner Fischhändlerin erzählt, die schon in jungen Jahren an einem Fieber stirbt, zog Uwe Jentsch als Solosänger mit dem Chor durch ein ruhiges Meer der Schwermut.
Mehr Selbstbewusstsein und gestärkte Stimmen
Danach hatten sich die Männer so richtig warm gesungen und präsentierten die Lieder mit mehr Selbstbewusstsein und gestärkten Stimmen. Das Konzert führte die Gäste mit viel „Hejo, hejo und ahoi“ durch die Shanties, die von Heimat, Sehnsucht, Freiheit und Fernweh erzählten. Sogar bis nach Java und Afrika ging die maritime Liederreise. Stilgerecht unterlegten da Bongo-Trommeln statt Gitarre das „Finster war die Nacht“. Die wiederholt in das Liederprogramm eingeflochtenen solistischen Einlagen bewiesen die Vielseitigkeit der Sänger und gestalteten das Konzert abwechslungsreich und unterhaltsam. Axel Knies Einsatz zur Solo-Einlage kam mit dem fröhlichen Lied „Oh Johnny, Johnny, John“, das vor allem durch den gelungenen antiphonischen Vortrag beeindruckte. Nach einer dreißigminütigen Pause wurden die Anker mit der inoffiziellen Hymne der US-Marine „Anchors aweigh“ gelichtet. Die Weiterfahrt forderte die Mannschaft noch einmal kräftig und hielt viel gute Laune sowie einige Überraschungen bereit. Duette, ein im Dreiklang tönender Chor, etliche Tempi- und Höhenwechsel wurden mit Liedern wie „Sailing home“, „Frei wie der Wind“ oder „Five o’clock in the morning“ aufs Beste gemeistert.
Einen Schelm im Nacken
Großen Beifall ernteten Albert Andries und Hans Mikoleitschak mit dem flott-frechen Vortrag von „Ich bin bald wieder hier“. Da hatten die beiden nicht nur den Chor, sondern zusätzlich einen Schelm im Nacken. Ein falsches Mikrofon, ein Texthänger, ein verpasster Einsatz – das kommt vor, das verzeiht ein Publikum, das sich so wunderbar unterhalten fühlt von einem lebendigen, mit dem Herzen singenden Lahnsteiner Shantychor. Tüchtig auf die Pauke hauen konnten die Sänger mit dem von ihnen erstmals öffentlich vorgetragenen Piratenlied „Jan Peppermint“ mit Bernd Günther als Solist. Auch der „Mingulay Boat Song“ mit seinen gälischen Wurzeln und dem stampfenden Rhythmus feierte gelungene Premiere in ihren Reihen. Nachdem alle bärtigen Männer, die Tod und Teufel nicht fürchten, zur Kaperfahrt eingeladen worden waren, endete das Konzert stimmungsvoll mit dem Seemannslied „Abend am Meer“. Nach einem echten norddeutschen „Tschü-hüß“, das sich der Chor vom Publikum zurufen ließ, begaben sich die „Shanties“ an die Theke der „Kneipe am Moor“, ein traditionelles Pfadfinderlied, bei dem sie sich gesangstechnisch zum Schluss tüchtig ins Zeug legten. In der Zugabe wechselten sie dann schwungvoll und gut gelaunt „In Johnny’s Kneipe“. Die nächste Zugabe gibt der Shanty-Chor am 1. Oktober um 19.30 Uhr im katholischen Pfarrzentrum Oberlahnstein bei dem gemeinsamen Konzert mit dem Stedinger Shanty-Chor aus Lemwerder/Weser.
BSB
Hans-Georg Schwamb (Mikrofon) lud dazu ein, sich mit den Shanties in die Zeit des einst harten Seemannslebens entführen zu lassen.Fotos: BSB
Wolfgang Jäger, Bernhard Dahlmann – "Frei wie der Wind".
