Besucher evangelischer Fastenaktion lernen auf Hof Lahnaue Stärken und Probleme der Landwirtschaft kennen
Überproduktion an Milch bedroht viele Betriebe
Dausenau/Rhein-Lahn. „Wenn die Überproduktion an Milch so weitergeht, wird das noch manchen Betrieb die Existenz kosten“, sagt Klaus Ferdinand. Der leidenschaftliche Landwirt, der mit seinem Sohn Michael den Hof Lahnaue zwischen Dausenau und Bad Ems bewirtschaftet, zeigte einer großen neugierigen Besuchergruppe im Rahmen der evangelischen Fastenaktion „7 Wochen mit...“ seinen Betrieb. 250 Hektar Land bis nach Gackenbach im Westerwald bewirtschaftet die Familie, die sich vor allem auf Getreideanbau und Milchviehzucht spezialisiert hat. „Es tue schon etwas weh, dass Betriebe, die nicht ins Wohl der Tiere investieren, für den Liter Milch genauso viel – oder derzeit eher wenig – Geld bekommen wie diejenigen, die sich dafür engagieren,“ erklärte Michael Ferdinand, als er die Besucher durch den riesigen Stall führte, in dem mehr als 200 Kühe untergebracht sind, ohne angebunden zu sein. „Wer sie angebunden hat, bekommt den gleichen Preis.“ Tonnen an Futter verzehren die Tiere jeden Tag, um sich dann selbstständig zur hochmodernen Melkanlage zu begeben. Pfarrer Matthias Metzmacher, Initiator der Fastenaktion, betonte angesichts des enormen Produktionsaufwandes sein Unverständnis darüber, wie ein Liter Milch derzeit billiger sein könne als ein Liter Mineralwasser. Klaus Ferdinand erinnerte an die deutsche Eigenart, ausgerechnet für die Ernährung und Lebensmittel noch nicht einmal zwölf Prozent des Einkommens auszugeben, was europaweit und weltweit sowieso einmalig wenig sei. Russischer Exportstopp und der Trend zu veganer Ernährung beförderten derzeit den Preisverfall für Milch noch. Der Dausenauer Betrieb setzt sich allerdings auch ganz bewusst für ein Umdenken ein. Immer wieder würden Kindergarten- und Schulkinder durch den Hof geführt, um dem Nachwuchs deutlich zu machen, woher ihre Milchprodukte eigentlich kommen. Außerdem erweitert er die Direktvermarktung und erschließt neue Vertriebswege. So wird neuerdings ein Rewe-Markt mit selbst produzierten Käselaiben beliefert. Positiv werten Ferdinand Senior und Junior auch die bewusstere Nachfrage nach Produkten aus der heimischen Region. Gerade kurze Wege zwischen Erzeuger und Verbraucher sollen auch mit der Fastenaktion im evangelischen Dekanat Nassauer Land propagiert werden, sagte Matthias Metzmacher. „Es schmeckt nicht nur besser, wenn man weiß, wo die Nahrungsmittel herkommen, es schont auch die Umwelt, wenn Lebensmittel nicht kreuz und quer durch Europa gefahren werden“, so der Theologe. Und die Bewahrung der Schöpfung sei für Christen ein ganz wichtiger Auftrag. Wie lecker Ferdinands Produkte an Ort und Stelle schmecken, durften die Besucher zum Schluss der Führung probieren. Milch, Kakao und verschiedene Käsesorten wurden angeboten, bevor Metzmacher mit einem Segen für Familie, Hof und die dort geleistete landwirtschaftliche Arbeit den Ortstermin beendete. Mehr Infos zur Fastenaktion unter www.rhein-lahn-evangelisch.de.
Pressemitteilung
Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Rhein-Lahn
