Rotaryclub Neuwied-Andernach vergab Kunstpreis zum fünften Mal
Ulrich Schnackenberg, Rita Ternes und Uta Grün sind die Preisträger
Neuwied. Zum fünften Mal vergab der Rotaryclub Neuwied-Andernach seinen mit insgesamt 3.000 Euro dotierten Kunstpreis. Eigentlich hätte die Ehrung schon vor Monaten stattfinden sollen, aber Corona machte dem Club einen Strich durch die Planung. Dass der Feierlichkeit im Roentgen Museum so viele Menschen beiwohnten, wunderte Club Präsident Bernhard Eckel. Es war sicherlich auch Ausdruck davon, dass das gesellschaftliche Leben langsam wieder an Normalität gewinnt und die Menschen zusammen kommen möchten.
Als Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens versteht sich auch der Rotaryclub. Zur Begrüßung erinnerte Bernhard Eckel an die verschiedenen Hilfsprojekte, sei es in der Jugendarbeit, für Geflüchtete oder für die Flutopfer an der Ahr. Auch die Kunst hat ihren festen Platz in der Gesellschaft. Und so lobte der Rotaryclub Neuwied-Andernach anlässlich seines 40-jährigen Bestehens, unter dem damaligen Präsidenten Bernhard Reuter, den Preis im Jahr 2002 erstmals aus. „Seitdem konnte das Preisgeld verdoppelt werden“, freute sich Bernhard Eckel.
Neben der Unterstützung der Künstler dient die Verleihung auch dazu, die Aufmerksamkeit der Menschen, durchaus auch der eigenen Mitglieder, auf die Kunst zu lenken. Der Jury Vorsitzende Uwe Langnickel dankte Bernd Willscheid, dem Leiter des Roentgen Museums für den feierlichen Rahmen und Ex-Landrat Rainer Kaul für dessen langjährige Unterstützung.
Der Dierdorfer Künstler erklärte das Zustandekommen der Plätze Eins (1.500 Euro), Zwei (1.000 Euro) und Drei (500 Euro). Die Basis bildeten alle Werke der renommierten Jahreskunstausstellung. Wer hier dabei sein darf, sei schon qualifiziert. Dann betrachtet jedes Jurymitglied für sich die Exponate und legt seine persönlichen Favoriten fest. Im Anschluss kommt die Jury, bestehend aus Kunstsachverständigen, Rotariern und Mitarbeitern des Roentgen-Museums, zusammen und diskutiert. Zuweilen auch sehr heftig und intensiv, wie Uwe Langnickel verriet.
Die Plätze drei bis eins
Etwa bei Uta Grün. „Nicht schön, nicht dekorativ“, kommentierte der Jury-Vorsitzende ihre aggressiven Bilder. Ihr Bild mit dem Titel „Das neue Schoßtier 2021“ gewann den dritten Preis. Die Schattenseiten des Lebens seien hier sichtbar. Kunst bedeute Freiheit und Kreativität und deshalb zollte die Jury Uta Grün für deren Mut ihren Respekt. „Ich nehme keine Rücksicht auf andere Sichtweisen. Es braucht Störungen im Bild und wenn es zu schön und damit zu banal wird, verändere ich es wieder“, erklärte die Preisträgerin. Mehrere Monate dauere dieser Prozess, bevor ein Bild fertig ist und sie sich ihm beugen kann. Offenheit und Strenge sind ihr wichtig. „Die Künstlerin aus Boppard ist für ihre verschlüsselten und nicht bequemen Bildaussagen bekannt und stellt schon seit Jahrzehnten ihre Werke in der Jahreskunstausstellung aus“, kommentiert das Roentgen-Museum.
Der zweite Platz ging an Rita Ternes, die mit ihrem Mann eine alte Villa auf dem Gelände der ehemaligen Sayner Hütte bewohnt und hier ihre Inspiration gewinnt. Bekannt geworden ist Rita Ternes mit gebrannten Erzeugnissen aus Ton. Doch diese Arbeiten sind ihr im Laufe des Lebens im wahrsten Sinne zu schwer geworden. An den geschwungenen Formen von einst hält sie aber fest. Ihre kleinen Objekte „Tanz der Hüte“ sind eine Mischung aus verschiedenen Materialien, so auch Gummi und Luftballone. „Ich sammele und verarbeite eigentlich alles“, schmunzelte Rita Ternes. Spielerisch gehe sie an die Arbeit. „Zarte Stoffe bilden geometrische Formen, die im Gegensatz zu den überwiegend runden Formen der Objekte eine eigene Ästhetik bilden“, umschreibt die Jury den „Tanz der Ballone“.
Stolzer Gewinner des Kunstpreises ist Ulrich Schnackenberg aus Unkel. Der Professor für Bildhauerei an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft gründete vor Jahren den Kunstverein Linz. Wie auch Rita Ternes wechselte der 74-jährige das Metier bzw. den Werkstoff und landete mit seinem Bild „Hallo“ auf Platz eins. „Große Kunst muss immer etwas mit Existentiellen zu tun haben“, findet Ulrich Schnackenberg. Sein Bild begeisterte die Jury und Besucher auf mehrfache Weise. Zum einen zeigt es verschiedene Begrüßungsformen, die durch Fragmente zu erkennen sind. Zum anderen ist das Bild in verschwommener Enkaustik Technik geschaffen, sodass die Bildaussage eine gewisse geheimnisvolle Botschaft vermittelt. FF
