Das Stationäre Hospiz St. Martin feierte in der ehemaligen Kapelle im Ev. Stift St. Martin seinen 20. Geburtstag
Um ein Sterben in Würde zu ermöglichen
Koblenz. Mit Gründung des Hospizvereins 1991 begann in Koblenz die ambulante Hospizarbeit. „Hospiz in Koblenz“ steht heute auf drei Säulen. Der ambulanten folgte 1999 die stationäre Hospiz- und 2006 die ambulante Kinderhospizarbeit. Das Stationäre Hospiz St. Martin feierte jetzt in der ehemaligen Kapelle im Ev. Stift St. Martin seinen 20. Geburtstag gemeinsam mit Mitarbeitern, Freunden, Förderern und Gästen, die sich der Hospizarbeit verbunden fühlen. Das Programm des Festaktes wurde von Mitarbeitern mit musikalischen, thematisch stimmigen und berührenden Beiträgen angereichert. Lucie Schmitz, Geschäftsführerin der Stiftung Evangelisches Stift St. Martin (Träger des stationären Hospizes) und Moderatorin der Veranstaltung, zeigte sich selber überrascht von den Talenten der Hospizfachkräfte. Die Köchin des Hospizes, Conny Humm, trug „Ave Maria“ mit der Querflöte vor, Maren Mangott sang „Mut ist, wenn du mit der Angst tanzt“ (Alexa Feser), Hille Nohn sang Grönemeyers „Halt mich“ und Svenja Stock-Stümper brachte eine eigene Version von Christina Stürmers „Seite an Seite“ zu Gehör. Andreas Rossbach begleitete die Beiträge am Klavier.
Bei der Hospizarbeit geht es um Begleitung
Um Begleitung geht es auch bei der Hospizarbeit. Hier ist es allerdings die Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen auf ihrem letzten Weg. Ein 30-köpfiges hauptamtliches Team engagiert sich im Hospiz in der Kurfürstenstraße 71 dafür, diesen Menschen bis zum Schluss größtmögliche Lebensqualität und dann ein Sterben in Würde zu ermöglichen. Lucie Schmitz blickte zurück auf die vergangenen zwanzig Jahre, in denen der Neubau der Hospizräumlichkeiten im Wohnpark am Stift im Jahr 2009 ein wichtiger Meilenstein war.
Das Hospiz ist ein Ort, das sie als „Oase mitten in der Stadt“ bezeichnet. Ein Ort, an dem das Thema Sterben kein Tabu ist und Schwerstkranke und ihre Angehörigen professionelle Pflege, Betreuung und kompetente, zugewandte Ansprechpartner finden. Dieser Ort, mit viel Liebe eingerichtet, soll ein lebenswertes letztes Zuhause sein. Der Dank des Trägers galt an diesem Tag dem Hospizverein, der Hospizleitung und besonders allen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern im Stationären Hospiz. Von denen gab es zum Schluss noch Zertifikat und Blumen für Lucie Schmitz als „weltbeste Chefin“.
Auch Hospizleiterin Andrea Krahe durfte wahre Lobeshymnen und ein Geschenk des Mitarbeiter-Teams entgegennehmen. Ihren Rückblick auf die Entwicklung der Einrichtung hin zu dem von ihr mitgestalteten Haus dokumentierte sie mit einer Fotopräsentation. Das Hospiz ist ganz offensichtlich ein Haus des Lebens, das in jedem Winkel Wärme, Trost und Glück zu spenden vermag. Zehn Einzel-Appartements, ein offener Wohnbereich mit integrierter Küche, ein heller und freundlicher Wintergarten, ein runder, sparsam mit Naturholzmöbeln ausgestalteter Raum der Stille, der wunderschöne Garten mit dem Springbrunnen und viele warmherzige Details sollen den Aufenthalt hier so angenehm wie möglich machen. Darüber hinaus lassen sich die Mitarbeiter viel einfallen, damit die Gäste ihre Krankheit Momente lang vergessen, ihre Belastung abfallen lassen können. Alles scheint möglich zu sein. Sogar ein Pony hat es einmal an das Krankenbett eines Sterbenden geschafft und Indianer kamen, um mit einem Gast des Hauses ein großes Fest zu feiern. Um Wünsche wahr werden zu lassen, hilft jede Spende. Denn nur 95 Prozent der Aufenthalts-Kosten im Hospiz werden von den Kranken- und Pflegekassen übernommen. Fünf Prozent müssen laut gesetzlicher Regelung durch Ehrenamt und Spenden finanziert werden.
Der Koblenzer Oberbürgermeister David Langner äußerte in einem Grußwort Dank und Anerkennung für die Mitarbeiter der Hospizbewegung, die das Thema Tod und Sterben aus der Tabuzone herausholen. Er erachte es für immens wichtig, denen, die dem Tode nahe sind, menschliche Wärme zu vermitteln, ihnen im Austausch mit den Begleitern Gelegenheit zu geben, Bilanz zu ziehen und zurückzublicken auf ihr Leben. Das Abschiednehmen nannte er ein Zusammenspiel von Trauer, Hoffnung und Dankbarkeit, das durchaus Raum für heitere Momente lasse.
Kraft der Zugewandtheit und Empathie
Auch Clemens Rouget, Vorstandsvorsitzender des Koblenzer Hospizvereins, schenkte denjenigen ein Dankeswort, die in der Hospizarbeit die Kraft der Zugewandtheit und Empathie aufwenden und damit für Humanität und ein christliches Menschenbild einstehen.
Die letzten Schritte gemeinsam mit einem Menschen zu gehen, erfordere eine hohe Liebesfähigkeit, wie er als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Hospizes wisse. Als Begleiter habe er erfahren, dass die Zeit vor dem Sterben oft schwierig und sehr schmerzhaft sei. Dabei habe er viel stille Tapferkeit und Dankbarkeit an das Leben gesehen und gemerkt, wie die letzten Lebenstage die Sicht auf viele Dinge unverrückbar verändern.
Das konnte Irmgard Blätter, seit 22 Jahren ehrenamtliche Hospizmitarbeiterin, bestätigen. Zur ambulanten Hospizarbeit kam sie einige Jahre, nachdem ihr 26-jähriger Sohn an Lungenkrebs gestorben war. Ihr Ehemann und sie mussten seine Angst vor dem Tod durch Ersticken hilflos mit ansehen. Als sie ihr Engagement begann, war die größte Motivation die, den Menschen die Angst vor dem Sterben zu nehmen. Gerade deswegen preist sie wohl auch die Palliativ-Versorgung, die den Patienten durch Schmerzlinderung ein Mehr an Lebensqualität bietet.
Ähnlich bedeutsam sei die Möglichkeit für Angehörige, Tag und Nacht bei den Schwerstkranken im Hospiz bleiben zu können. In dem für sie erfüllenden Hospizdienst erlebe sie, wie sehr die Menschen zum Schluss oftmals die existenziellen Fragen nach dem Sinn des Lebens oder nach dem „Warum“ bewegen. Dann seien offene Gespräche wichtig. Die Sensibilität, über das nahende Ende zu sprechen, habe sie erst im Laufe der Jahre gefunden. Obwohl Traurigkeit und Verzweiflung allgegenwärtig sind, überwiegen für sie die schönen Augenblicke. Ein Vielfaches der geschenkten Emotionen erhalte sie von den Sterbenden zurück, warb sie für das Ehrenamt.
Den Ausklang der Geburtstagsfeier begingen die Festgäste in geselligem Miteinander bei Imbiss und Getränken. BSB
Svenja Stock-Stümper hatte optisch und von der Stimme her einige Ähnlichkeit mit der Sängerin und Schauspielerin Anna Loos.
Lucie Schmitz blickte zurück auf die Gründung des Hospizes und seine Entwicklung.
Andrea Krahe stellte das Hospiz in Bildern und Worten vor.
Hans-Jürgen Gutenberger, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Stiftung Evangelisches Stift St. Martin, blickte in die Zukunft des Stifts, das sich an diesem Standort in einigen Jahren als Gesundheitscampus Südliche Vorstadt mit einem ganzheitlichen Betreuungsangebot für Senioren etablieren will.
