Wird ein Bürgerentscheid die notwendige Klarheit bringen?
Umgestaltung des Dorfplatzes bewegt die Gemüter
Plaidt. Auch wenn die beteiligten Parteien um Sachlichkeit bemüht sind, bewegen die Pläne rund um die Umgestaltung des Plaidter Dorfplatzes die Gemüter. Nicht jedem gefällt das Umgestaltungsvorhaben, Widerstand regt sich in Teilen der Bevölkerung. Auf der einen Seite stehen die mehrheitlich beschlossenen Pläne des Ortsgemeinderates (20 Ja-Stimmen bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung), auf der anderen eine inzwischen gegründete Bürgerinitiative rund um die Initiatoren Karl-Heinz Francois, Christian Breitbach und Dirk Fergen, die die Umgestaltungspläne scharf kritisieren.
Der Gemeinderatsbeschluss sieht vor, den Alten Kirchplatz wie folgt umzugestalten: Die Bushaltestelle soll barrierefrei ausgebaut werden. Es sollen eine Buswendeanlage und zwei barrierefreie Haltestellen entstehen. Ein Teil der PKW-Parkplätze soll vom Dorfplatz ins sogenannte Loch, auf die Wiese hinter der Hummerich-Halle verlagert werden. Auf der aktuell als Parkplatz genutzten Fläche soll ein attraktiver Aufenthaltsraum mit Bänken, abmontierbaren Spielgeräten für Kinder, Seniorenfitnessgeräten, einer Baumallee sowie insektenfreundlicher Nutzbepflanzung, einem Unterstand und einer Toilettenanlage entstehen. Die Finanzierung der verschiedenen Maßnahmen soll zu 75 Prozent bzw. 85 Prozent aus Landes- und Bundesmitteln erfolgen. Dazu sagt Peter Wilkes, Bürgermeister der Ortsgemeinde Plaidt: „Uns als Ortsgemeinde ist es wichtig, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen. Das wären zum einen eine attraktive Aufenthaltsfunktion auf dem Dorfplatz, zum anderen den bestehenden ÖPNV so sicher wie möglich für unsere Bevölkerung abwickeln zu können, aber auch Kurzzeitparkplätze und Dauerparkplätze, die dann vielleicht ein wenig fußläufiger zu erreichen sind, für die Einzelhandelsgeschäfte bereitzustellen.“
Die Pläne der Umgestaltung stoßen in Teilen der Bevölkerung auf Kritik. Die Bürgerinitiative möchte die zentralen Parkplätze auf dem Dorfplatz erhalten. Der Parkplatz sei „lebenswichtig“ und sein Wegfall „existenzbedrohend“, sagt Francois, dessen Juweliergeschäft seit 68 Jahren am Alten Kirchplatz ansässig ist. Für die Geschäfte zeigt Bürgermeister Wilkes durchaus Verständnis und verweist auf die Kurzzeitparkplätze, die erhalten blieben, und er halte es für zumutbar, den etwas längeren Weg zu den Dauerparkplätzen bis hinter die Halle auf sich zu nehmen. Die alternativen Parkplätze im Loch seien „gefühlt kilometerweit weg“, entgegnet Francois und befürchtet, dass der längere Weg den Menschen zu weit sein könnte. Es gehe ihm aber nicht nur um die auf dem Spiel stehende Versorgungsfunktion, die der Platz erfülle, da von hier aus Ärzte, Apotheke, Bäcker, Metzger und Banken angesteuert würden. Der Platz erfülle weitere wichtige Funktionen, so zum Beispiel dass Mütter von hier aus ihre Kinder morgens zur Schule brächten oder der Platz als Treffpunkt für Hochzeits- und Beerdigungsgesellschaften oder Sportvereine diene. Eine Verlegung der Parkplätze auf die Wiese hinter der Hummerich-Halle würde zudem eine grüne Oase zerstören, so der engagierte Juwelier. Er und seine Mitstreiter schlagen vor, den Spielplatz im Loch zu vergrößern und attraktiver zu gestalten. „Das Geld sollte aus unserer Sicht besser verwendet werden, um im Loch einen Kinderspielplatz, Aufenthaltsmöglichkeiten und einen Ruheort zu schaffen. Das wäre unserer Meinung nach viel sinnvoller, als Spiel- und Trimmgeräte direkt neben dem Busbahnhof zu installieren. Die Parkplatzsituation, wie sie im Moment auf dem Dorfplatz ist, ist für uns in Ordnung“, so Breitbach.
Weiterer Kritikpunkt ist die ÖPNV-Situation im Zentrum von Plaidt. Durchschnittlich 322 Busse passieren seit der Fahrplanänderung im Dezember 2021 täglich den Dorfplatz. Hauptärgernis dabei sei zum einen, dass die Busse überwiegend leer seien und zum anderen, dass die Fahrer regelmäßig rechtswidrig ihre Standzeiten auf dem Alten Kirchplatz abhielten. Die haltenden Busse blockierten dann nicht nur die PKW-Parkplätze, sondern behinderten auch die anderen einfahrenden Busse, sodass es zu gefährlichen Rangiermanövern käme, so die beiden Mitglieder der Bürgerinitiative. In den rangierenden und parkenden Busse in Verbindung mit dem Individualverkehr sieht auch Wilkes ein Gefahrenpotenzial vor allem für Kinder und ältere Menschen. „Mit dieser Intensität hätte man das nicht ruhigen Gewissens weiterlaufen lassen können“, betont er. Dem hält Breitbach entgegen: „Wenn wir den Bussen verbieten, ihre Standzeiten auf dem Dorfplatz abzuhalten, denken wir, dass eine Gefährdung von Fußgängern nicht zu befürchten ist.“ Stattdessen schlägt er vor: „Wir würden uns wünschen, dass mit der Sanierung des Dorfplatzes gewartet wird, bis sich die ÖPNV-Situation im Kreis final gestaltet hat, damit wir wissen, welchen Bedarf wir in Plaidt wirklich haben. Und jetzt einen Busbahnhof auf dem Dorfplatz und demnächst einen Busbahnhof in Bahnhofsnähe zu errichten, ist für uns sinnfrei und unnötig.“
Wilkes sieht die Verkehrssituation hingegen für den Moment als gegeben. Er verweist darauf, dass die Rahmenbedingungen des Öffentlichen Personennahverkehrs der Ortsgemeinde Plaidt von Bund, Land und Kreis vorgegeben und von einer anderen Instanz entschieden worden seien. Man müsse jetzt damit umgehen und könne nicht warten, bis die Akzeptanzzeit für das neue ÖPNV-Angebot verstrichen sei. Zudem müsse die Ortsgemeinde der gesetzlich vorgegebenen barrierefreie Ausbaupflicht nachkommen, die eine Höhe des Busbordsteins von 18 Zentimetern vorschreibe. Das sei der Grund, warum ein Anfahren des übrigen Platzes mit PKWs dann nicht mehr möglich sei. Die Durchführung der traditionellen Kirmes und des Handwerkermarktes stünden aber nicht in Frage, sondern seien bei allen Planungen bedacht worden, betont Wilkes ausdrücklich.
Im nächsten Schritt möchte die Bürgerinitiative mit einer Unterschriftensammlung ein Bürgerbegehren herbeiführen, um die Umgestaltungspläne in einem Bürgerentscheid zu kippen. Benötigt würden rund 430 Unterschriften (neun Prozent der Plaidter Bürgerinnen und Bürger), zusammengekommen seien bisher bereits mehr als 700. Man erwarte, dass das Ergebnis bis zum Ende der Aktion am 2. Juni vierstellig werde, so Francois. Dieser basisdemokratischen Initiative steht der Bürgermeister wohlwollend gegenüber und sieht in einem Bürgerentscheid kein Problem. Er halte dieses Mittel für „vollkommen legitim“, denn „wir wollen nicht bewusst irgendwas gegen die Mehrheit machen und einen Keil durch die Bevölkerung treiben“. Es bleibt abzuwarten, ob es einen Bürgerentscheid geben wird und falls ja, wie sich die Mehrheit der Plaidterinnen und Plaidter entscheiden wird.
Bürgermeister Peter Wilkes und die Mehrheit des Ortsgemeinderates sind für eine Umgestaltung des Dorfplatzes in Plaidt.
Mit einer Unterschriftensammlung möchte die Bürgerinitiative ein Bürgerbegehren herbeiführen.
Hier ins sogenannte Loch soll ein Teil der Parkplätze des Dorfplatzes verlegt werden.
Die gegründete Bürgerinitiative rund um Christian Breitbach (links) und Karl-Heinz Francois (rechts) kritisiert die Umgestaltungspläne.
