Allgemeine Berichte | 06.12.2016, 15:54 Uhr

Baustellenbesichtigung in der Koblenzer Kläranlage

Umrüstung zu einer energieautarken Anlage ist gestartet

Dr. Stephan Mey (l.) „Sülzle Kopf Anlagenbau“ aus Tübingen lieferte den Vergaser und gab Baudezernent Bert Flöck Hintergrundinformationen zum Vorhaben direkt auf der Baustelle der Kläranlage in Koblenz.  US

Koblenz. Das zweitgrößte Kommunal-Klärwerk in Rheinland-Pfalz in Koblenz ist auf dem Weg, eine energieautarke Kläranlage zu werden. Im Koblenzer Klärwerk werden die Abwässer der Stadt Koblenz, der Verbandsgemeinde Vallendar und eines Zweckverbands gereinigt. Die aktuelle Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag den Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Verwertung von Klärschlamm beschlossen. Ebenso soll Phosphor zurückgewonnen werden. Dazu braucht es aber einen erheblichen Einsatz von Energie. Seit dem vergangenen Jahr wird in der Koblenzer Kläranlage der Klärschlamm wirkungsvoll getrocknet. Nun soll die nächste Stufe, die Vergasung des Klärschlamms, eingeleitet werden. Um sowohl die Reinigungsleistung zu erhöhen und den dafür nötigen externen Energieaufwand zu reduzieren, wird das Klärwerk zu einer energieautarken Anlage umgerüstet. So wurde nun ein Klärschlammvergaser angeliefert, und Baudezernent Bert Flöck unternahm eine Baustellenbesichtigung, bevor diese mit einer Werkhalle überbaut wird.

Klärgas hat hohen Heizwert

Zunächst gab es aber eine theoretische Einführung in die neue Anlage, bevor es dann auf die eigentliche Baustelle ging. Bei der Reinigung von Abwasser fällt Klärschlamm an, dessen organische Substanz in den Faulbehältern anaerob abgebaut wird. Dabei entsteht Klärgas mit hohem Heizwert, das in drei Blockheizkraftwerken (BHKW) energetisch verwertet wird. Mit dem 85 Grad heißen Kühlwasser der BHKW wird der Klärschlammtrockner beheizt. Der getrocknete Klärschlamm verliert zwei Drittel seines Gewichts und kann dann der nun im Aufbau befindlichen Klärschlammvergasungsanlage zugeführt werden. Bei etwa 900 Grad entsteht ein Synthesegas, das in einem noch zu bauenden Synthesegas-BHKW zu Strom und Wärme umgesetzt werden kann. Die Wärme aus diesem BHKW wird zur Speisung des Hochtemperaturteils im Trockner verwendet. Die Restwärme aus dem Trocknungsprozess wird in das Kläranlagen-Wärmenetz zurückgeführt und beheizt dort die Faulbehälter und Betriebsgebäude und zusätzlich zwölf Betriebswohnungen. Das bei der Klärschlammvergasung zurückbleibende Granulat enthält lebenswichtigen und endlich vorkommenden Phosphor, der später in einer geeigneten Anlage zurückgewonnen werden soll.

Förderung durch die EU

Mit den Anlagenkomponenten Trockner, Vergaser und SynGas-BHKW soll das Klärwerk Koblenz nicht nur entsprechend der gesetzlichen Vorgaben den Klärschlamm energetisch und stofflich verwerten, sondern auch energetisch marktunabhängiger werden. Die Stadtentwässerung Koblenz beteiligt sich seit 2010 an dem von der EU geförderten Programm „LIFE+“. Damit soll die Kläranlage in einen „energieautarken Betrieb“ überführt und zum Leuchtturmprojekt für gleichartige Anlagen werden. Das Projektbudget wird bis Ende 2017 zurzeit auf einen Betrag von 16.076.658,00 Euro beziffert. Der offizielle Startschuss soll dann im September 2017 erfolgen. US

Zur Zeit wirkt die Baustelle in der Kläranlage Koblenz noch eher unscheinbar.

Zur Zeit wirkt die Baustelle in der Kläranlage Koblenz noch eher unscheinbar.

Dr. Stephan Mey (l.) „Sülzle Kopf Anlagenbau“ aus Tübingen lieferte den Vergaser und gab Baudezernent Bert Flöck Hintergrundinformationen zum Vorhaben direkt auf der Baustelle der Kläranlage in Koblenz. Fotos: US

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