Allgemeine Berichte | 23.11.2020

Bunter Kreis Rheinland

„Und am nächsten Morgen fuhren wir in die Klinik, um uns von unserer Tochter zu verabschieden“

Die Mädchen Elena und Josephine werden per Notkaiserschnitt geboren. Doch das ist erst der Anfang.Quelle: Bunter Kreis Rheinland

In der 29. Schwangerschaftswoche bekommt Anne-Marie C. plötzlich Wehen. Im Krankenhaus stellen die Ärzte ein akutes Fetofetales Transfusionssyndrom fest, eine schwerwiegende Durchblutungs-und Ernährungsstörung. Ein sehr seltenes Phänomen, das bei eineiigen Zwillingen vorkommen kann, die sich eine Plazenta teilen. Die Mädchen Elena und Josephine werden per Notkaiserschnitt geboren. Doch das ist erst der Anfang.

Wie ging es den Zwillingen unmittelbar nach der Geburt?

Anne-Marie C.: Josephine wurde mit 1240 Gramm geboren, und es ging ihr verhältnismäßig gut. Wir konnten schon am zweiten Tag mit ihr kuscheln und nach zehn Tagen wurde sie von der Frühgeborenen-Intensivstation auf die normale Frühchen-Station verlegt. Aber Elena hatte von Beginn an stark zu kämpfen. Sie musste sofort intubiert werden und auch ihr Herz hat nicht richtig gearbeitet.

Jan C.: Sie bekam eine Lungenblutung und wir standen „live“ an ihrem Bett, als die Ärzte zusätzlich eine Hirnblutung feststellten. Ihre Nieren funktionierten nicht. Sie wurde mit 980 Gramm geboren. Nach fünf Tagen wog sie über 1500 Gramm – so viel Wasser hatte ihr kleiner Körper inzwischen eingelagert.

Was war in dieser Situation das Schlimmste für Sie?

Anne-Marie C.: Es gab einfach keine positiven Nachrichten. Nach und nach sammelten sich immer mehr, teils schwere Komplikationen an und immer mehr Organe funktionierten nicht richtig. Für mich war es furchtbar zu sehen, dass mein kleines Mädchen Schmerzen hat. Sie war zwar nahezu komplett sediert, aber immer, wenn sie ein wenig zu sich kam, wurde sie extrem unruhig und zog an ihren vielen Zugängen.

Jan C.: Es schien einfach keine Lösungen mehr zu geben. Es stand kurzzeitig der Plan einer Bauchfelldialyse im Raum. Aber alle Ärzte schätzten das Risiko bei einem so winzigen Baby als extrem hoch ein und ohne viel Aussicht auf Erfolg. An dem Punkt angekommen, fingen wir, die Ärzte und das Pflegepersonal an zu überlegen, ob es überhaupt noch erfolgversprechende Therapiemöglichkeiten für Elena gibt.

Es stand also die Frage im Raum, die lebenserhaltenden Geräte abzuschalten?

Anne-Marie C.: Ja. Dieser Entscheidung gingen natürlich viele Gespräche mit Ärzten, dem Pflegepersonal und zwischen uns beiden voraus. Aber irgendwann wurde klar: Es gibt einfach keine realistische Hoffnung auf Besserung. Ein Arzt sagte zu uns: „Bringen Sie ihre große Tochter mal mit, damit sie sieht, dass sie mal zwei Schwestern hatte.“ Das sprach für mich Bände. Sechs Tage nach Elenas Geburt , fand eine Nottaufe statt und wir organisierten einen Sternenkind-Fotografen...

Jan C.: … und am nächsten Morgen fuhren wir in die Klinik, um uns von unserer Tochter zu verabschieden.

Was geschah dann?

Anne-Marie C.: Wir kamen auf die Intensivstation und die Schwester sagte uns, dass sie Urin in Elenas Windel gefunden habe. Das klingt vielleicht profan, aber für uns war es ein riesiges Wunder. Der Ultraschall ergab, dass über Nacht die Nieren ihre Funktion aufgenommen hatten.

Jan C.: Auch das Beatmungsgerät war nicht mehr auf höchster Stufe eingestellt und der Zustand von Herz und Lunge hatte sich deutlich verbessert.Von jetzt auf gleich wurde aus Abschied nehmen Hoffnung. Elena hatte sich zurück ins Leben gekämpft und von diesem Tag an, ging es nur noch aufwärts. Innerhalb einer Woche verlor sie ihre kompletten Wassereinlagerungen und alle Ärzte und Schwestern, die sie sahen meinten: „Das ist doch ein anderes Kind!“

Wie haben Sie diesen Gefühls-Tsunami überstanden?

Anne-Marie C.: Wir haben sehr von unserer älteren Tochter Leonie profitiert, weil sie Struktur in den Alltag brachte. Wir haben morgens alle zusammen gefrühstückt, sie anschließend in die Kita gebracht und wenn wir abends aus der Klinik nach Hause kamen, hatten unsere Mütter für uns gekocht. Wir haben uns gegenseitig gestützt und viel geredet.

Wann durfte Leonie ihre Schwestern das erste Mal sehen?

Jan C.: Fünf Tage nach der Geburt. Für mich war es faszinierend, zu sehen, mit welcher Selbstverständlichkeit unsere Dreijährige der Situation begegnet ist. Sie hat den Zwillingen im Brutkasten vorgesungen, hat beim Füttern geholfen, sie hatte einfach keinerlei Berührungsängste.

Wie kam der Kontakt zum Bunten Kreis Rheinland zustande?

Anne-Marie C.: Unsere spätere Nachsorgeschwester kam schon in der Klinik auf uns zu. Da sie dort als Kinderkrankenschwester arbeitete, kannte sie die Zwillinge und ihre Vorgeschichte schon. Das war natürlich sehr hilfreich.

Jan C.: Wir waren zu diesem Zeitpunkt einfach übervorsichtig. Da ist die Rücksprache mit einer Kinderkrankenschwester natürlich viel wert. Auch bei Anträgen bezüglich Elterngeld und Frühförderung hat sie uns sehr geholfen. Der Bunte Kreis bietet einem die Möglichkeit, Sicherheit zu gewinnen. Man kommt nicht nach Hause und fällt ins Nichts. Er hat uns den Eintritt ins „normale Leben“ sehr erleichtert.

Wie entwickeln sich die Zwillinge heute?

Anne-Marie C.: Hervorragend! Jeder, der Elenas Entlassungsbrief sieht, glaubt nicht, dass es sich um ein und dasselbe Kind handelt. Elena hängt zwar in ihrer Entwicklung noch immer drei bis vier Wochen hinterher, aber sie kann bisher alles und macht alles.

Jan C.: Ihre damalige Hirnblutung bereitet uns nach wie vor Sorgen, denn im MRT wurde schon ersichtlich, dass der Schaden relativ stark ausgeprägt ist. Die Ärzte gehen davon aus, dass sie zumindest motorische Einschränkungen haben wird, aber noch weiß niemand, wie genau sich Elena weiterentwickeln wird.

Anne-Marie C.: „Dafür hat sich Elena schon gedreht und Josephine noch nicht“. (beide lachen)

Pressemitteilung

Bunter Kreis Rheinland

Die Mädchen Elena und Josephine werden per Notkaiserschnitt geboren. Doch das ist erst der Anfang.Quelle: Bunter Kreis Rheinland

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dauerauftrag 2026
Anzeige Sonderpreis wie vereinbart
Anzeigenauftrag #PR111825-2026-0008#
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, Juni 2026
Imageanzeige
Innovatives aus Weißenthurm
Empfohlene Artikel
Vernetzte Nachbarn: In der Grafschaft gibt es eine Nachbarschaftshilfe, die für mehr Sicherheit in den Dörfern sorgen möchte.
36

Grafschaft. Als vor gut zehn Jahren die Zahl der Einbrüche in den Dörfern der Grafschaft spürbar zunahm, wuchs bei vielen Bürgerinnen und Bürgern der Wunsch, selbst aktiv zu werden und gemeinsam zur Sicherheit ihres Heimatortes beizutragen. Jetzt den vollständigen Artikel lesen im BLICK aktuell-RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Auch in der Sommersaison 2026 begeistert der Europa-Park seine Gäste mit einer einzigartigen Mischung aus Attraktionen, Shows und europäischem Flair.
183

Mit über 100 Attraktionen und Shows, landestypischer Architektur und authentischer Küche ist der Europa-Park seit über 50 Jahren das ideale Ausflugsziel für die ganze Familie. Jetzt mitmachen und gewinnen! Alle weiteren Infos und das Gewinnspiel gibt‘s im BLICK aktuell RegioMagazin

Weiterlesen

Weitere Artikel
Foto: Pixabay.com
6388

Eine Woche hattet Ihr Zeit um Eure Lieblingsbiergärten im BLICK aktuell-Land zu nominieren – und das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. Insgesamt stehen 16 Biergärten zur Wahl! Nun habt ihr die Chance, in unserem großen Voting für Euren Favoriten abzustimmen. Und das lohnt sich: Der Biergarten mit den meisten Stimmen bekommt als Gewinn ein tolles Porträt in den verschiedenen Medien von BLICK aktuell.

Weiterlesen

Verkehrsunfall auf der A3 am Mittwochnachmittag
1089

Rettungsdienst und Notarzt auf der Autobahn im Einsatz

01.07.:Vier Erwachsene und ein Kind von Unfall auf der A 3 betroffen

Windhagen.Am Mittwochnachmittag gegen 17:45 Uhr ereignete sich auf der Autobahn A3 in Fahrtrichtung Köln, auf Höhe von Windhagen, ein Verkehrsunfall. Die ersten Meldungen deuteten darauf hin, dass fünf Personen betroffen waren, was den Einsatz der Feuerwehr, mehrerer Rettungswagen und eines Notarztes erforderte.

Weiterlesen

Bürgermeister Andreas Geron (l.) gratulierte Darja Kozlenko zum erfolgreichen Abschluss ihres Studiums.
924

Sinzig. Ende Juni konnte Bürgermeister Andreas Geron Darja Kozlenko zum Abschluss ihres Dualen Studiums für das 3. Einstiegsamt gratulieren.

Von Stadtverwaltung Sinzig aus Sinzig

Weiterlesen