Allgemeine Berichte | 05.05.2020, 11:26 Uhr

Wie Protestanten es mit Präsenz-Gottesdiensten halten wollen

Unsere Nächsten sind wichtigstes Kriterium

Rhein-Sieg-Kreis. Frühestens am Sonntag, 10. Mai, werden die 13 Kirchengemeinden in Bad Godesberg und der Voreifel ihre Kirchen wieder für öffentliche Gottesdienste öffnen – unter strengen Hygienevorschriften. Einige werden damit auch länger warten, zum Teil bis Pfingsten, und setzten stattdessen auch auf Feiern im Freien. In jedem Einzelfall wird geprüft, ob die baulichen Voraussetzungen für einen sicheren Gottesdienst gegeben sind.

„Denn bei alledem sind der Schutz und die Gesundheit unserer Nächsten das wichtigste Kriterium“, betont Superintendent Mathias Mölleken. „Es gilt, unnötige Risiken zu vermeiden und somit Menschenleben zu schützen.“ So sehr allen Protestanten ihre Gottesdienste auch fehlten, bestehe keine Pflicht, diese sofort wieder anzubieten. Mölleken ist froh, dass mit dem Start frühestens am 10. Mai ein einheitliches Signal im Kirchenkreis gesendet wird. So bleibe auch Zeit, eine würdige Form für die Gottesdienste zu finden, die sicher einen völlig anderen Charakter haben werden als bisher.

Was wann wo – oder auch vorsichtshalber noch nicht

Die evangelischen Gemeindeleitungen im Kirchenkreis haben das Thema beraten und über die sogenannten Präsenz-Gottesdienste entschieden:

Kirchengemeinde Meckenheim: Das Presbyterium hat beschlossen, mit der Wiederaufnahme der Präsenz-Gottesdienste zu warten. Solange diese Gottesdienste noch nicht stattfinden, wird es Sonntag für Sonntag Küchentisch-Andachten geben, die auf der Webseite zu finden sind und in Print-Form verteilt werden. Auch sollen in den drei Kirchenräumen über die Wochentage verteilt im Rahmen der „Offenen Kirche“ unangekündigte Lesungen oder Musik oder ein Abendsegen stattfinden.

Kirchengemeinde Rheinbach: Das Presbyterium hat beschlossen, vorerst keine Präsenzgottesdienste anzubieten. Gründe sind die begrenzte Teilnehmendenzahl, von denen viele zur Risikogruppe gehören dürften, sowie die mangelnde gottesdienstliche Atmosphäre in einer Kirche mit versprengter Zuhörerschaft und ohne gemeinsames Singen. Angedacht ist eine Öffnung der Gnadenkirche unter der Woche zum Gebet.

Die Gemeinde plant stattdessen Freiluftgottesdienste: Am 26. Mai in Zusammenarbeit mit Militärpfarrerin Silke Röcher-Hoffmann in der Tomburg-Kaserne, am 1. Juni und 28. Juni mit Reisesegen.

Kirchengemeinde Swisttal: Die ersten Präsenzgottesdienste an Sonntagen sind ab Pfingsten vorgesehen. Offene Kirchen soll es ab dem 10. Mai wieder geben.

Zusätzlich plant Pfarrerin Claudia Müller-Bück in Heimerzheim ab dann kleine Abendgebete in der Kirche, in Verbindung mit dem bisherigen 18-Uhr-Läuten-Gebet zu Hause. Sie sollen mehrmals in der Woche stattfinden, um die Personenzahl in den einzelnen Gebeten zu verringern.

Weiterhin wird es „Küchentischandachten“ für Zuhause in Kombination mit kleinen Videoformaten geben. Dazu gibt es dazu einen Mailverteiler, den Download von der Homepage und einen Bringservice auf Anfrage.

Kirchengemeinde Wachtberg: Geplant sind ab 17. Mai Kurzgottesdienste um 9.30 Uhr im Gemeindehaus Niederbachem und um 11 Uhr in der Gnadenkirche Pech.

Bis dahin feiern die Wachtberger weiterhin Zoom-Gottesdienste am Sonntag um 10 Uhr mit der Gemeinde. Einmal im Monat sind weiterhin Zoom-Gottesdienste anstatt der Präsenzgottesdienste im Angebot. Die Gottesdienste an Christi Himmelfahrt (11 Uhr Gnadenkirche Pech) und Pfingstmontag (11 Uhr Gemeindehaus Niederbachem) möchte die Gemeinde Open Air vor den Kirchen feiern.

Seelsorge und Diakoniesind erreichbar

Alle Pfarrerinnen und Pfarrer berichten in diesen Wochen über viele Gespräche über den Gartenzaun und zahlreiche Telefonate. Kontakt ist zudem über E-Mail, Skype oder Videokonferenz möglich. Vielerorts gibt es ehrenamtliche Einkaufsdienste, um Menschen zu unterstützen, die ihre Wohnung nicht verlassen sollten. Die Beratungseinrichtungen der Diakonischen Werke sind für Ratsuchende erreichbar. Selbstverständlich besuchen die Seelsorger und Seelsorgerinnen Sterbende mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen. Trauerfeiern finden in der Regel im kleinsten Kreis statt. Taufen und Trauungen werden zurzeit auf Wunsch der weitaus meisten Familien verschoben, bis eine unbeschwerte Feier wieder möglich ist.

Gefängnis, Krankenhausund Bundeswehr

In der JVA Euskirchen finden weiterhin sonntägliche evangelische Gottesdienste im kleinen Kreis und mit ausreichendem Abstand statt. In der JVA Rheinbach beginnen Präsenz-Gottesdienste wieder zu Pfingstsonntag mit eingeschränkter Teilnehmerzahl nach Voranmeldung. Seit Ostersonntag kommt Pfarrer Christian Heine jeden Sonntag mit drei Inhaftierten in der Kirche zu Psalmengebet, Lesung und Fürbitte zusammen. Im Marienhospital Euskirchen haben Schutzmaßnahmen weiterhin Priorität. Daher wird Pfarrerin Sabine Hekmat am 3. Mai den Abendgottesdienst ohne Besucher halten. Alle Patientinnen und Patienten können die Übertragung im Hauskanal verfolgen. Gleiches gilt für das Waldkrankenhaus in Bad Godesberg. Per Telefon können die Patienten und Patientinnen im Anschluss direkt Kontakt mit Pfarrer Gunnar Horn aufnehmen.

An den Bundeswehr-Standorten Euskirchen und Rheinbach rechnet Pfarrerin Silke Röcher-Hoffmann vom Evangelischen Militärpfarramt Rheinbach Ende Mai mit ersten Gottesdiensten unter freiem Himmel. Bis dahin geschieht Seelsorge vor allem am Telefon. Die Kapelle in Rheinbach ist zur persönlichen Besinnung rund um die Uhr geöffnet. Dort liegt ein Fürbittenbuch aus.

Für alle zukünftigen Präsenzgottesdienste gilt: Sie werden anders sein als die Gottesdienste, die allen bisher lieb und vertraut sind. So müssen die Besucherinnen und Besucher dann mit weitem Abstand voneinander und mit Mund-Nasen-Maske bekleidet in den Reihen sitzen. Auf den Gemeindegesang muss bis auf Weiteres verzichtet werden, ebenso auf Chorgesang und Bläsermusik. Um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können, müssen die Kontaktdaten aller Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmer festgehalten werden.

Pressemitteilung Evangelischer

Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel

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