Allgemeine Berichte | 13.04.2017, 11:24 Uhr

Gericht erkennt kein Motiv

Urteil: Strohballenprozess endet mit Jugendgefängnis

Die beiden Brandstifter mit ihren Anwälten am letzten Prozesstag. -HH-
1264

Koblenz. In dem seit 20. März geführten Prozess, wurden am Mittwoch dem 12. April die Urteile gefällt. Mit 18 Brandstiftungen in drei Landkreisen und einem Gesamtschaden von mindestens 200.000 Euro brachten die beiden, mittlerweile 20-jährigen Täter, eine ganze Region in Aufruhr.

Am Vormittag wurden von Richter Andreas Groß die einzelnen Fälle vorgelesen. Danach sah die Brandserie wie folgt aus: Spätsommer 2016 fuhren beide Täter hunderte Kilometer mit dem Auto um aktuelle Blaulichtfotos zu machen, die sie veröffentlichen wollten. Am 11./12. September begannen beide mit der Brandserie, indem die ersten ca. 70 Strohballen in Thür in Brand gesteckt wurden. Zwei weitere Brandstiftungen folgten in kurzem Abstand in Wassenach und Kretz, wobei es in einem weiteren Fall beim Versuch blieb. In der Nacht vom 12./13. September legten sie Brände im rechtsrheinischen Niederbreitbach, Birresdorf sowie Niederich in der Grafschaft. Bei diesen Aktionen stellten sie sich erstmals als Pressefotografen vor und fotografierten am Einsatzort. Am 13./14. September fuhren beide bis nach Malberg in der Nähe von Hachenburg, um Strohballen zu entzünden. Anschließend, am frühen Morgen schlagen sie dann noch in Miesenheim zu. Nach dieser Nacht folgte eine vier tägige Pause die am 18./19. September wieder in den Thürer Wiesen endete. Für eine Brandstiftung zuvor bei Kruft, ist nach Ansicht des Gerichts der ältere Angeklagte allein verantwortlich. Den größten Schaden, 43.500 Euro, richteten beide in Dinkelbach bei Neustadt an. Hier zündeten sie eine Scheune mitsamt darin gelagerten Strohballen an. Fünf weitere Brandstiftungen folgten am 25./26. September bei Kretz, Wassenach, Niederdürenbach, Wehr und Burgbrohl, außerdem am frühen Morgen dann noch einen Linienbus in Mendig.

Bei einem Autohandel brennen vier Pkw‘s aus

Nach dieser Reihe sind beide nicht mehr nur auf Strohballen aus, sonder steuern gezielt einen Autohandel in Weißenthurm an. Vier Pkw brennen komplett aus, vier weitere wurden erheblich beschädigt. Anschließend gehen die beiden Täter der Polizei bei einer Kontrolle ins Netz, ihre Handys wurden beschlagnahmt und am 30. September erfolgt dann durch die Polizei die Festnahme. Bei den ersten Vernehmungen sowie vor der Ermittlungsrichterin legen beide umfassende Geständnisse ab.

Staatsanwältin forderte 4 Jahre und zehn Monate Jugendstrafe

Nachdem Staatsanwältin Merle Eckard ihr Plädoyer mit den Worten: „Eine richtige Auseinandersetzung mit den Taten kann ich nicht erkennen“ schloss, forderte sie jeweils eine Jugendstrafe von 4 Jahren und zehn Monaten.

In der Urteilsverkündung vermisste Richter Andreas Groß ein nachvollziehbares Motiv für das Anzünden von Stroh- und Heuballen in 16 Fällen sowie die Brandstiftung an einem Linienbus in Mendig. Auch die beiden Anwälte der Angeklagten sprachen von einem rätselhaften Motiv, was sich ihnen auch nicht ganz erschloss. Beide bescheinigten jedoch ihren Mandanten eine gute Sozialprognose. Der etwas ältere Täter könnte bei einer Entlassung seine kaufmännische Ausbildung fortsetzen, während dem Jüngeren eine Lehrstelle in einem Handwerksbetrieb zu gesichert wurde. Aufgrund dieser Vorgaben forderten beide Anwälte für ihre Mandanten eine Bewährungsstrafe.

Dies alles wurde vom Richter Andreas Groß und den Schöffen berücksichtigt, jedoch sah Richter Groß in dem Verlauf der Taten schon eine gewisse kriminelle Energie, die eventuell größere Ausmaße hätte annehmen können. Die Ursprungsidee Aufnahmen bzw. Bildmaterial zu erstellen um Geld zu verdienen, all das erklärt die Taten nicht und das Strafmaß konnte somit nicht im Bewährungsrahmen gesehen werden.

Im weiteren Verlauf der Begründung wurde Pascal F. ein konstantes Einlassungsverhalten nachgewiesen, bei Julian E. war dieses Verhalten schon etwas anders. E. hat während des Prozesses immer wieder angedeutet, er wäre von F. unter Druck gesetzt worden, was der Vorsitzender Richter ihm jedoch wiederlegen konnte.

Aufgrund dieser beiden und mehreren Tatsachen kam das hohe Gericht zu folgendem Urteil: für Pascal F. wird eine Einheitsjugendstrafe von 3 Jahren und für Julian E. eine Einheitsjugendstrafe von 3 Jahren und 3 Monaten ve5rhängt. Beide bleiben im Vollzug, Revision kann gegen dieses Urteil eingelegt werden.

Zum Schluss nahmen beide noch einmal die Gelegenheit wahr, sich bei den Geschädigten für die Taten zu entschuldigen.

Die beiden Brandstifter mit ihren Anwälten am letzten Prozesstag. Foto: -HH-

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Essen auf Rädern
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Dauerauftrag
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Anzeige Lagerverkauf
Hagelschaden Äpfel
Empfohlene Artikel
Durchtrennen gemeinsam das Eröffnungsband im Konrad-Adenauer-Gymnasium, von links: Bert Sluyter, Dirk Bahrouz, Bürgermeister Sven Schnieber, Notburga Kunert sowie die Technische Beigeordnete Bianca Lorenz und der Erste Beigeordnete Hans Dieter Wirtz. Fotos: Stadt Meckenheim
8

Meckenheim. Im Rahmen eines feierlichen Akts und im Beisein zahlreicher Vertreterinnen und Vertreter der Politik, Verwaltung, Schulen und der am Bau beteiligten Unternehmen hat Bürgermeister Sven Schnieber die Neubauten am Schulcampus Meckenheim eingeweiht. In seiner Ansprache hob er die herausragende Bedeutung des Projektes hervor und dankte allen Akteurinnen und Akteuren für den gemeinsamen Erfolg.

Weiterlesen

Auch die Röbejungs- und Mädels waren dabei.Fotos: WAMFO.DE
19

Miesenheim. Vier Tage lang stand der Andernacher Stadtteil Miesenheim ganz im Zeichen der traditionellen St.-Kastor-Kirmes. Mit einem abwechslungsreichen Programm aus Musik, Unterhaltung und geselligem Beisammensein wurde die Kirmestradition gepflegt und das Miteinander im Ort gestärkt. Dabei standen nicht nur die musikalischen Angebote und die Unterhaltung für Jung und Alt im Mittelpunkt. Ein besonderes...

Weiterlesen

achtung baustelle
819

Meckenheim. In Meckenheim wird die Verkehrsführung auf der A565, zwischen den Anschlussstellen Meckenheim-Merl und Bonn-Hardtberg, im Rahmen der laufenden Fahrbahnsanierung angepasst. Ab dem heutigen Freitag, dem 16. Oktober, steht im Baustellenbereich in Fahrtrichtung Koblenz nur noch ein Fahrstreifen zur Verfügung. Diese Maßnahme wird voraussichtlich bis zum 13. November andauern.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Nach 3,86 km schwimmen in 1:24:14 Stunden  erfolgte der Wechsel aufs Rad. Für die 180,2 km benötigte der Oberlahrer Peter Conrads 5:42:48 Stunden.
412

Kailua-Kona/Hawaii. Einmal bei der „Ironman-Triathlon-Langdistanz-Weltmeisterschaft“ auf Hawaii zu starten, ist ein Lebenstraum vieler Triathleten! Diesen konnte sich der Oberlahrer Peter Conrads (LT Puderbach) bereits nach drei absolvierten Langdistanz Rennen erfüllen. Nach seinem Debüt beim Ironman 2021 in Frankfurt mit einer Zeit von 10:28 Stunden und dem Rennen 2022 in der Emilia Romagna (9:49...

Von Dietrich Rockenfeller aus Steimel

Weiterlesen

Vertreter der FDP-Kreisvorstände Ahrweiler und Neuwied trafen sich an den historischen Brückentürmen der ehemaligen Remagener Rheinbrücke, heute Friedensmuseum. Im Mittelpunkt stand die künftig engere Zusammenarbeit über den Rhein hinweg und die Forderung nach leistungsfähigen Verkehrsverbindungen zwischen den beiden Landkreisen. Von links: Martin Thormann, Simon Rehm, Thomas Zeitz, Tobias Kador, Alexander Buda, Christina Steinhausen, Ulrich van Bebber.
409

Die FDP-Kreisverbände Ahrweiler und Neuwied wollen ihre Zusammenarbeit über den Rhein hinweg deutlich intensivieren. Bei einem gemeinsamen Treffen von Vorstandsvertretern beider Kreisverbände an den historischen Brückentürmen der ehemaligen Remagener Rheinbrücke verständigten sich die Freien Demokraten darauf, künftig noch stärker gemeinsame politische Initiativen zu entwickeln und dabei auch die Nachbarregionen einzubeziehen.

Von Ulrich van Bebber aus Bad Breisig

Weiterlesen