HofArt lud zur 16. Ausstellung in den Hof der Familie Kemp ein
Variationsreiche Kunstobjekte in Villip
Locker-leichte Atmosphäre mit sanftem Jazz untermalt
Villip. Mit einem Zitat von Oscar Wilde eröffnete Kunsthistorikerin Dr. Barbara Hausmanns am Freitag nach Christi Himmelfahrt offiziell die 16. HofArt im restaurierten Hof der Familie Kemp in Villip: „In Wahrheit spiegelt die Kunst den Betrachter und nicht das Leben.“ Oberfläche und Symbol sei alle Kunst gleichermaßen, die Auseinandersetzung mit der Kunst geschehe auf eigene Gefahr, hatte der irische Schriftsteller seinerzeit erklärt. In diese Gefahr begaben sich die Besucher der Ausstellung gern und genossen eine ausgewogene Kombination von neun Künstlern, die in verschiedenen Stilen und Techniken gearbeitet hatten. Uta K. Becker, von Haus aus Keramikerin, Bildhauerin und Schreinerin, hat sich mit ihrer Kunst an eine alte japanische Brenntechnik aus dem 16. Jahrhundert, dem Raku, angelehnt. Mit Temperaturschocks und dem Eingriff in den Brennprozess schafft sie bewundernswert filigrane Formen in ihren Gefäßen. Marti Faber hingegen befasst sich mit einem Werkstoff, den die meisten gemeinhin als nutzwertig oder gar kalt bezeichnen. Die freie Künstlerin und Grafikdesignerin bearbeitet Stahl so, dass Skulpturen entstehen, die quasi in das sie umgebende Umfeld hineinzuwachsen scheinen. Eher klein und zart sind hingegen die Skulpturen der Goldschmiedin Susa Gerlach. Die Kölnerin bildet die Schmuckstücke nach inneren Bildern aus edlem Gold, Silber oder reizvollen Edelsteinen. Handwerk und Kunst fließen ineinander und formen heitere, manchmal verspielte Werke. Pascale Hussong-Renz komponiert als Textildesignerin ihre vielfältigen Materialien zu oft plastischen Bildnissen. Aus Farben, Pasten, Textilien, Garnen und Stoffen entstehen zum Vertiefen auffordernde Collagen, Landschaften und Bilder. Gastgeber Josef Kemp nutzt ebenfalls seine handwerklichen Fähigkeiten als Drechsler, um sie mit künstlerischer Betätigung zu vereinen. Auf den Punkt genau schafft er Formen, die sich perfekt an den Eigenschaften des meist einheimischen Holzes orientieren. Farben, Maserungen und Formen werden im entstehenden Werk herausgearbeitet, sodass kunstvoll geformte Vasen, Schalen und freie Objekte von fast schon sinnlicher Erscheinung entstehen.
Skulpturen, Bütten- oder Seidenpapier mit gezeichneter Tusche zeigte Larissa Laë aus Bonn. Ihre Kunstwerke zeichnen sich durch die besondere Eigenschaft aus, dem Betrachter je nach Perspektive immer wieder neue Eindrücke zu vermitteln. Skulpturen aus Bronze und Reliefs sowie verschiedene Drucke mit dem Menschen im Mittelpunkt schafft die Meckenheimerin Beate Meffert-Spengler. Ihr Ziel ist es, innere und äußere Beweglichkeit des Menschen in einer Momentaufnahme festzuhalten. Glas in ganz anderen als den bekannten Farben und Formen zeigt Ruth Schroer bei der HofArt. Menschliche Figuren und andere Formen mit oft nur angedeuteten Kerneigenschaften verführen zur näheren Beschäftigung mit ihren Werken, die außer mit klassischen Techniken mit fantasievollen Bearbeitungsvarianten entstehen. Nicht geschaffenes, sondern vorhandenes Material, nämlich Stein, ist der Grundstoff für die Werke des Bildhauers Markus Schürmeyer aus Köln. Den Stein erhaltend, aber kunstvoll formend, entstehen unter seinen Händen mit modernen ebenso wie mit traditionellen Werkzeugen, immer aber mit einer Ader für den Werkstoff und seine natürliche Struktur, kunstvoll gewachsen erscheinende Gefäße. Den Genuss dieser facettenreichen, wohl zusammengestellten Kunstwerke unterstrich die Ruckes-Vintage-Band mit jazzigen Eigenkompositionen. Ein gutes Glas Wein rundete das Ausstellungserlebnis in locker-leichter Atmosphäre vollendet ab
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Nutzwert und Kunst im Holz vereint.
Indische Buntsandsteinschale von Künstler Markus Schürmeyer.
