Fusion der Raiffeisenbanken
Verschmelzung der Raiffeisenbanken Rheinbach und Grafschaft-Wachtberg
Trotz Zinstief: Gewinn steigt auf über zwei Millionen Euro
Rheinbach. Die Stimmung in der Stadthalle war bereits vor Beginn der Vertreterversammlung der Raiffeisenbank Rheinbach Voreifel locker und freundlich. Es hatte sich bereits herumgesprochen, dass die Zahlen für das Jahr 2015 insgesamt sehr positiv waren. Etwas Spannung versprach nur der Tagesordnungspunkt 7: „Verschmelzung der Raiffeisenbank Rheinbach Voreifel eG (übernehmende Bank) mit der Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg (übertragende Bank).
Aber entsprechend der Tagesordnung erläuterte nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Dr. Ferdinand Schmitz zunächst Bankvorstand Burghard Kraus den Jahresabschluss 2015.
Hatte Schmitz bereits von dem schwierigen Umfeld infolge des historischen Zinstiefs gesprochen, so zeigte Kraus anhand einiger Diagramme, was dies im realen Bankalltag bedeutet.
„Die Begriffe ‚Niedrige Zinsen‘ muss man sogar um ‚Nullzinsen‘ und ‚Negativzinsen‘ ergänzen, die Schleifspuren dieser Entwicklung werden in Zukunft noch sichtbarer werden. Nur durch die Ausweitung des Geschäftsvolumens kann dies nicht aufgefangen werden, da müssen auch strukturelle Veränderungen erfolgen.“
Es wurde zwischen den Ausführungen deutlich, dass man mit der aktuellen Geldpolitik der EZB nicht einverstanden ist.
„Pro Jahr ergibt sich ein geringerer Zinsertrag von 400 bis 500 Tsd. Euro.“
Bilanzgewinn gesteigert und positive Mitgliederentwicklung
Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen konnte 2015 die Bilanzsumme auf 811 Millionen Euro gesteigert werden. 2014 waren es 783 und 2010 noch 735 Millionen gewesen. Auch der Bilanzgewinn konnte erhöht werden, und zwar von 1,9 Millionen in 2014 auf 2,026 Millionen Euro im Berichtsjahr 2015. Die für die Vertreter entscheidendeZahl war die Höhe der Dividende: Sechs Prozent für 2015. Der vorsichtige Hinweis von Kraus, man müsse sich künftig „intelligent mit dem Thema Dividende“ beschäftigen zog eine Nachfrage aus der Vertreterversammlung herauf. Das wäre „verheerend“ und „ein Zeichen in die falsche Richtung“ sagte der Vertreter. Aber Kraus verwies als Beispiel auf die Bundesanleihen, „da müsse man aktuell sogar Strafzinsen zahlen.“ Das Eigenkapital der Bank konnte noch einmal deutlich auf 76 Millionen Euro gestärkt werden. „Die Kunden honorieren weiterhin die Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit des genossenschaftlichen Geschäftsmodells“, so Kraus. Dies belegt auch die Mitgliederentwicklung. Von 20 726 in 2010 über 23 292 in 2014 stieg die Zahl der Mitglieder auf 23 669. „Mit der Zahlung von 9,8 Millionen Euro Gehalt für unsere 190 Mitarbeiter leisten wir auch einen großen Beitrag für die Kaufkraft in der Region, und besonders stolz sind wir darauf, dass wir 20 jungen Menschen einen Ausbildungsplatz zur Bankkauffrau bzw. zum Bankkaufmann bieten können.“ Rd. 121 000 Euro wurden für gemeinnützige Zwecke in der Region gespendet, rd. 2 Millionen Euro Steuern an Bund, Länder und Kommunen geleistet.
Nach den durchweg positiven Zahlen war es kein Wunder, dass die Vertreterversammlung wie vom Aufsichtsrat empfohlen dem Jahresabschluss zustimmte, und zwar einstimmig, Vorstand und Aufsichtsrat wurden entlastet. Die turnusmäßig aus dem Aufsichtsrat ausscheidenden Mitglieder Maria Orth, Stefan Raetz und Bert Spilles wurden auf Vorschlag von Aufsichtsrat und Vorstand wiedergewählt.
100 Prozent Zustimmung zur Verschmelzung
Kein „heißes Eisen“ wurden der Bericht und die Aussprache zu „TOP 7“, der Verschmelzung der beiden Raiffeisenbanken Rheinbach Voreifel und Grafschaft-Wachtberg. „Wir haben Anfang 2015 erste Gespräche darüber geführt, wie die strukturelle Weiterentwicklung in der Voreifel erfolgen kann“, erläuterte Kraus den Start der Fusionsverhandlungen. Die Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg bringt eine Bilanzsumme von 215 Millionen, 7495 Mitglieder und 18 Millionen Eigenkapital mit in die „Ehe“. Betriebsbedingte Kündigungen sind für 33 Monate ausgeschlossen, dazu werden Regelungen über Fahrt- und Schulungskosten sowie für fusionsbedingte Versetzungen vereinbart. Der Aufsichtsrat der vereinigten Bank wird von neun auf zwölf Mitglieder vergrößert um die Mitglieder Friedrich Mechtenberg, Thomas Monreal und Theo Münch für die Grafschaft-Wachtberg. Dort hatten die Vertreter bereits am 2. Juni 2016 der Verschmelzung mit nur einer Gegenstimme zugestimmt. Die Fusionskosten bezifferte Vorstandsmitglied Mathias Lutz auf rd. 350. 000 Euro für die Grunderwerbssteuer, für Gutachten sowie für den Notar. Der Nutzen, die Synergieeffekte, würden auf der Habenseite beim Personal mit etwa einer Million Euro und bei den Sachkosten mit 400 000 Euro die Ausgaben weit überwiegen. Mit 134 Stimmen wurde der Verschmelzung zugestimmt, der Name der „neuen“ Bank lautet „Raiffeisenbank Voreifel eG“ mit Sitz in Rheinbach.
RFW
Die Vertreter der Mitglieder stimmen geschlossen für die Fusion der beiden Raiffeisenbanken. Fotos: -RFW-
