Jecken stürmen Meckenheimer Rathaus
Verteidiger hatten keine Chance gegen Tollitäten
Meckenheim. Bürgermeister Bert Spilles und sein Team aus Politik und Verwaltung hatten sich auch in diesem Jahr wieder so einiges einfallen lassen, um das Rathaus gegen die Jecken zu verteidigen. Schließlich ist das neue Meckenheimer Rathaus das einzige im Rhein-Sieg-Kreis was noch nicht erstürmt worden ist, und diesen Ruf galt es zu verteidigen. Kurzerhand hatte man daher vom Bauhof sich aller Straßenschilder bemächtigt und den Platz vor dem Rathaus in einem hoffentlich abschreckenden Schilderwald verwandelt. Damit gab man freilich den Jecken auch zusätzlich Munition in die Hand, denn das Thema Knöllchen rund um Rathaus und Jungholzhalle ist derzeit eines der größeren Gesprächsthemen in der Stadt. Bestechungsmaterialien hatte man ebenfalls in größerem Stile eingesammelt, so gab es kistenweise süsses Naschwerk für die Kinder, welche sich von dem Schilderwald nicht abschrecken liessen. Das galt auch für die mehreren hundert Besucher, die ein ziemlich lustiges Schauspiel erlebten für die nicht nur Bürgermeister Bert Spilles, sondern auch die wortgewaltigen Kommandanten von Prinzengarde und Stadtsoldaten, Friedel Groß und Peter Klee verantwortlich zeichneten. Hinzu kam eine ebenfalls zu großen Wortspielen aufgelegte Prinzessin Regina I. und Kinderprinzessin Katharina III. legte direkt einmal den Finger in die Wunde, als sie den Stadtchef fragte, was er denn in Sachen Kirmes unternommen habe. Nun waren die Jecken bestens vorbereitet und boten in einer Erklärung der Verwaltung die ehrenvolle Kapitulation ein, für Rat und Verwaltung jedoch ein Unding. Zumal man sich eindrucksvoll verstärkt hatte, war doch extra Architekt Jan Detlef aus Dortmund, von Bert Spilles auf das Fenster zur Verteidigung beordert worden. Diesem wurde nun auch klar, was es mit dem Bauwunsch der Verwaltung auf sich hatte, die ein nach beiden Seiten zu öffnendes Fenster im ersten Stock einbauen ließ für einen sogenannten Rathaussturm.
Prinzessin Regina I. hatte ein extra Getränk für den Architekten besorgt
Aber auch damit hatten die Jecken gerechnet und extra für den ursprünglich aus Norddeutschland stammenden Architekten hatte Prinzessin Regina I. einen entsprechenden grünen Schnaps mitgebracht, passend zur Narrenkappe. Gemeinsam mit Friedel Groß wurde hier versucht, die erste Lücke in die Verteidigerfront zu schlagen. Und auch der Wagen des Stadtchefs sorgte für viele Lacher, SU-SM so lautet der Nummernkreis der Dienstwagen der Meckenheimer Stadtverwaltung, jedoch heißt es nun „Spilles unterwegs – Seine Majestät“, was auch der CDU-Ratsfraktion viele Lacher abnötigte und den Kommentar, da fehle jetzt nur noch die Fahne mit Krone.
Schützenhilfe erhielt man von der Feuerwehr
Aber irgendwann reichte es dann auch und Prinzessin Regina I. hatte genug. Und sie formulierte es für alle verständlich. Was macht die kleine Schwester, wenn sie nicht mehr weiter weiß? Richtig, sie ruft den großen Bruder. Und da das Meckenheimer Prinzenpaar in diesem Jahr ein Geschwisterpaar ist, ging der Ruf an Prinz Juppi I. Der hatte nicht nur einen Streitwagen im Gepäck, sondern auch die Feuerwehr und zeigte sich zunächst sehr wortkarg, aber deutlich. Denn auf Kommando legten die Wehrleute die Leiter an, da hatten die Verteidiger schlechte Karte und Friedel Groß nahm als einer der ersten das Rathaus an und machte den Weg frei für Juppi I. mitsamt Gefolge. Nachdem dies geschehen war, dankte Bert Spilles mit Augenzwinkern allen Beteiligten und vor allem auch dem Malterser-Hilfsdienst, denn es hätte ja auch anders kommen können. Gemeinsam sang er mit allen Tollitäten das Prinzenlied und gemeinsam wurde anschließend die Vernissage der Ausstellung „Narrenfreiheit“ im Ratssaal eröffnet. Mehrere Meckenheimer Künstler hatten sich hier auf künstlerische Art und Weise zum Thema Karneval ihre Gedanken gemacht und dies dürfte zumindest von der Zahl der Besucher wohl die größte Vernissage in der Geschichte von Meckenheim gewesen sein. STF
Gemeinsam mit den Tollitäten eröffnete Bürgermeister Bert Spilles die Vernissage „Narrenfreiheit“ im Ratssaal der Stadt Meckenheim. Foto: Stefan Fassbender Pressebuero
Schau, wer kommt den da die Leiter rauf: es ist Prinz Juppi I. Foto: Stefan Fassbender Pressebuero
Vor dem Rathaus hatte die Verwaltung einen richtigen Schilderwald aufgebaut. Foto: Stefan Fassbender Pressebuero
