Empfindungen von Leid und Freud miteinander teilen
Verzällbank lädt zu Gesprächen unter Generationen ein
Einweihung bei Saft, Sekt, Crêpes und Musik im Katharinenhofgarten der Evangelischen Kirche Linz
Linz. „Die Verzällbank zur Stammtischpolitik ist schon immer ein wichtiges Kommunikationsmittel gewesen“, erklärte Dr. Hans Georg Faust, Bürgermeister der Stadt Linz, bei seiner Begrüßungsrede zur Einweihung der „Verzällbänke“ im Katharinenhofgarten vor der Evangelischen Kirche. Als eine von zehn Kommunen in Deutschland nimmt die Stadt Linz am Rhein am Projekt „Generationen im Gespräch – Wir müssen reden!“ teil.
Zwei Bänke stehen nun im rechten Winkel zueinander, damit sich ein Gespräch zwischen zwei oder mehr Personen gut entwickeln kann. Verbunden werden sie von einem Würfel in den bunten Farben der Stadt Linz, der als Tisch, Aufbewahrung oder Sitzgelegenheit genutzt werden kann.
Gleich zu Anfang seiner Rede erhob Faust das Glas auf die „Überwindung der Distanz“. In diesem Falle die Distanz zwischen den Generationen, die es mit mehr Begegnungsmöglichkeiten zu verringern gelte. Viele Gäste waren zur Einweihung gekommen und hoben gerne ein Gläschen Saft oder Sekt mit dem Bürgermeister, das Unternehmerin Stephanie Scherer-Peschel anreichte.
Faust erzählte vom ersten Workshop im November 2020. Daran waren neben der Stadt Linz vor allem Schüler des Martinus-Gymnasiums und der Seniorenbeirat beteiligt. Der 17jährige Samuel Lauffer erklärte fröhlich, dass er unabhängig von irgendjemand dabei sei. „Ich finde Generationengespräche total wichtig!“, meinte er, „Von Generationen kann man so viel lernen, nicht nur die Alten von den Jungen, sondern auch andersrum“, sprudelte es aus ihm hervor. „Ich bin sehr stolz darauf, was wir hier organisiert haben.“ Auch die Geschäftsführerin der Scherer Passage Stephanie Scherer-Peschel fand die Idee hervorragend und bot in der kalten Jahreszeit und bei schlechtem Wetter Raum für „Verzällbänke“ in der Passage. Die Evangelische Trinitatis-Kirchengemeinde gab den Platz für die beiden außenstehenden Bänke.
So gab es im Frühjahr 2021 schon 25 Teilnehmer, die an dem Projekt mitarbeiteten, führte Faust weiter fort. Die Idee der Bänke sei durch die Bänke gekommen, auf denen man sich früher vor der Haustür des Nachbarn zusammensetzte zum oftmals auch politischen Verzällche. Die Bank sei ein Ort, der schon immer den Geist des Miteinander wiedergäbe. Im Juni traf man sich für dieses konkrete Projekt zum ersten Mal und es wurden zehn Treffen bis zur Einweihung, die mit viel Engagement von allen Seiten konstruktiv gestaltet wurde.
Von der Bundeszentrale für politische Bildung begrüßte Faust in diesem Kooperationsprojekt als Vertreter Rhaban Schulze-Horn aus Bonn, der in seiner Rede von Linz als Vorreiter sprach. Als Hausherr verwies Pfarrer Christoph C. Schwaegermann auf die Wichtigkeit von Verzällbänken zum gemeinsamen Austausch von Leid und Freud. Dazu sei die Kirche genau der richtige Ort. Konfirmanden trugen eine Bibelgeschichte aus dem Evangelium bildlich vor, in dem Jesus auffordert „Lasset die Kinder zu mir kommen“. Schwaegermann bat darum, die Kinder und Jugendlichen auf der Verzällbank ebenso ernst zu nehmen. Rüdiger Vietor, 82 nahm sich dieser Rolle gerne an, als er mit der Gymnasiatin Ronja Wagner, 17, in ein Gespräch kam, zu dem sich alsbald jung und alt dazugesellte.
Konfirmanden backten Crêpes; musikalische Untermalung haben Johannes Antweiler mit seinem Sohn Jonas am Klavier und Samuel Lauffer an der Gitarre spontan übernommen, als die eigentlich geplante Band abgesagt hatte. Dabei kam es zu allerlei „Verzällche“ bei Speis und Trank und Sonnenschein.
Nächste Termine:
Über regelmäßige Besucher von „Jungen“ und „Alten“ zum „Verzälle“ zu verschiedenen Themen freut sich die Arbeitsgemeinschaft jeden zweiten Dienstag im Monat von 14.30 bis 15.30 Uhr. Nächste Termine sind der 12. Oktober, 9. November, und der 14. Dezember.
Ort: Katharinenhofgarten; Grabentor 1 in Linz; bei Regen oder Kälte Erdgeschoss der Scherer Passage, zwischen Apotheke und Tagespflegestätte, Kanzlerstraße 13 in Linz
Vor der Evangelischen Kirche fanden sich zahlreiche Gäste und Besucher zur Einweihung der neuen Bänke ein.
Rüdiger Vietor und Ronja Wagner kamén auf den neuen Verzällbänken des Projekts „Generationen im Gespräch – Wir müssen reden!“ in eine intensive Diskussion.
Johannes Antweiler, Sohn Jonas und Samuel Lauffer (v. Links) sorgten für die musikalische Untermalung.
