40 Menschen wanderten dort, wo die Nasen wohnen
Viele machten sich wieder auf den Weg
Höhr-Grenzhausen. Nach der tollen Vier-Tage-Tour „Wasser und Wandern“ und den vielen positiven Rückmeldungen blieb Rainer Lemmer und Verena Killadt nichts anderes übrig, als eine weitere erquickliche Wanderung anzubieten. Wie aufgrund der neugierig machenden Tourenbeschreibung der naturkundlichen Wanderung schon zu vermuten war, würden sich wieder viele Wanderfreunde auf den Weg machen. Und so kam es auch. 40 Teilnehmer wollten bei bestem Wander-Wetter wissen, was es mit den Nasen auf sich hat, warum der Zusammenfluss von großer und kleiner Nister bei Heimborn als Deutsches Eck bezeichnet wird, was sich hinter der Zahl „750“ verbirgt und wo der Grimbart wohnt.
Lemmer und Killadt konnten natürlich kompetent und mit viel Spaß die Fragezeichen in Ausrufzeichen „umwandeln“. Die Wanderer erfuhren auch einiges über das Springkraut, das sich in den vergangenen Jahren in der Gegend breitgemacht hat. Es wird vielerorts schon zur Plage und verdrängt die heimische Flora. Die Samenkapseln sind übrigens essbar und sehr schmackhaft. An einem Dachsbau, direkt am Wanderweg, berichtete Killadt über den Dachs (Grimbart). Der Dachsbau entwickelt sich mit der Zeit zu einem komplexen unterirdischen Bauwerk mit weitverzweigten Gangsystemen von mehreren 100 Metern Länge.
Am Zusammenfluss von kleiner und großer Nister bei Heimborn erklärte Lemmer, der übrigens auch Mitglied in der ARGE Nister ist, wie es um die Nasen in der Nister steht. Seit 1998 hat sich der Bestand dieser Algen fressenden Fische in der Nister um geschätzte 80 Prozent reduziert, die Art ist stark gefährdet.
Dies ist besonders dramatisch, da die Nasen als reine Algenfresser dazu beitragen, im Ökosystem Nister das Algenwachstum massiv zu bekämpfen und somit zur Verbesserung der Wasserqualität beizutragen. Allerdings werden die Nasen-Bestände in der Nister durch Wasserverschmutzung und Schadstoffeinträge sowie durch Fraßfeinde wie den Kormoran massiv bedroht.
Ganz spannend war auch der Bericht über die Ameisen. Dass es drei Kategorien gibt - Arbeiter, Weibchen (Königin) und Männchen - war vielen der Teilnehmer geläufig. Dass die Männchen nach der Paarung sterben, die „Arbeiter“ flügellos sind, die Weibchen nach der Paarung die Flügel abwerfen und weitere viele Details wurden von den Anwesenden staunend aufgenommen.
Lemmer lag es besonders am Herzen, den Wanderern die „Arbeitsweise“ des Borkenkäfers nahezubringen. Der Öffentlichkeit ist der Borkenkäfer in erster Linie durch die starken Schäden, die er anrichtet, bekannt. Im Ökosystem des Waldes spielt er aber eine wichtige Rolle. Viele weitere kleine Hinweise wurden von den Zuhörern teils verwundert, teils verblüfft registriert.
Den Schluss dieser interessanten Tages-Wander-Tour bildete die sogenannte „mobile Einkehr“. Einigen der Teilnehmer war das Team „Ehm Ahlen Backes“ schon von der Vier-Tage-Wanderung des Westerwald-Vereins durchaus bekannt. Die Wanderer freuten sich über Kaffee und Kuchen und natürlich über herzhaft leckere Fleischwurst. Der Chef des Teams ließ es sich nicht nehmen, mit seiner „Knutsch“ (Akkordeon) für die musikalische Unterhaltung zu sorgen.
