Allgemeine Berichte | 28.05.2016

Konzert in der Pallottiner-Kapelle Koblenz-Ehrenbreitstein

Virtuose Klänge von jungen Talenten

Lions Club Koblenz-Rhein/Mosel vergab zum Abschluss der 17. Kulturtage den Förderpreis „Junge Musiktalente“

Lions-Club-Vizekanzler Marcus Menster (hinten links) und Hans-Peter Lörsch, Leiter der Koblenzer Musikschule und Jurymitglied, übergaben die Preise Julia Peygermann, Charlotte Dohr, Anna-Lena Baumann und Myriam Baumann. BSB

Koblenz-Ehrenbreitstein. Zum Abschluss der 17. Ehrenbreitsteiner Kulturtage präsentierte der „Förderverein zum Erhalt der ehemaligen Pallottiner-Kapelle Koblenz-Ehrenbreitstein“ (fepke) ein Konzert mit Schülern der Musikschule der Stadt Koblenz. Sieben der bei dem im März in Mainz ausgetragenen Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ erfolgreichen Elf- bis 16-jährigen Schüler bewarben sich mit ihrem Vorspiel in der Kapelle um den vom Lions Club Koblenz-Rhein/Mosel jetzt zum zweiten Mal vergebenen und auf drei Beiträge aufgeteilten Förderpreis „Junge Musiktalente“, der mit insgesamt 600 Euro dotiert ist. Bis auf einen Vortrag wurde das gesamte Konzertprogramm von den Instrumenten Violine und Violoncello bestritten, die Überzahl der Stücke wurde auf dem Klavier begleitet. Gespielt wurden durchweg Kompositionen mit weniger großem Bekanntheits- und recht hohem Schwierigkeitsgrad.

Samuel Kremer, Musikschüler in der Altersgruppe der Elf- bis Zwölfjährigen, bestritt den Konzert-Auftakt. Mit seinem in entspannter Lässigkeit daherkommenden Violinenspiel beeindruckte er das Publikum mit Schuberts „Die Biene“ ebenso wie mit Bachs „Courante für Viola solo“. Als einziger Vertreter der Altersgruppe der 13- bis 14-Jährigen stellte sich Violinist Lukas Becker mit einem präzisen, selbstbewussten und klaren Spiel vor. Das galt sowohl für die Sonate von Frederick Delius als auch und besonders für das „Perpetuum Mobile“ des tschechischen Komponisten Ottokar Novacek. Für dieses sehr schwierig zu spielende Stück absolvierte der junge Geiger einen rasanten Tanz auf den Saiten. Die übrigen vier Beiträge kamen aus den Reihen der Altersgruppe der 15- bis 16-Jährigen.

Überragende Klangerlebnisse

Marlene von Steinaecker interpretierte am Violoncello die eher selten in Konzerten zu erlebende „Ungarische Rhapsodie“ von David Popper, der als „Vater des modernen Cellospiels“ gilt. Die junge Musikerin hatte nicht nur einen ersten Preis beim Landeswettbewerb erspielt, sondern auch am Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ mit sehr gutem Erfolg teilgenommen. Virtuos und ohne Notenvorlage formte sie ausdrucksstark die anspruchsvolle, von ständig wechselndem Tempo beherrschte Komposition zu einem überragenden Klangerlebnis. Je nach Anforderung des Stücks führte sie den Bogen mit Nachdruck oder mit Leichtigkeit bravourös über die Saiten. Auch Myriam Baumann hatte ein Werk des österreichischen Komponisten Popper, die „Polonaise op. 14“, für ihr Vorspiel gewählt. Dieses und das zweite Stück, den ersten Satz aus Saint-Saëns Konzert a-Moll op. 33, spielte sie, genau wie ihre Cello-Mitbewerberin, ohne Notenblatt, rief die Komposition ganz in sich versunken komplett aus dem Gedächtnis ab. Besonders im schnellen Spiel konnte das Publikum sie als hingebungsvolle Musikerin erleben, die es gut verstand, verschiedene Stimmungen mit ihrem Instrument darzustellen. Bereits im vorigen Jahr dabei war Anna-Lena Pabst. Technisch ausgereift interpretierte sie auf der Violine Pablo de Sarasates temperamentvolle „Nouvelle Fantaisie sur Faust de Gounod“. Schwierig fürs Ohr, schwierig zu spielen - beinahe ein kleines Kunststück. „Wenn ein Geiger Sarasate spielt, muss er schon sehr gut sein“, sagt man. Das stellte Pabst unter Beweis. Mit großem Ernst und konzentriert zauberte sie etwas Berührendes hervor mit einem konzertanten Finale.

Ein eingespieltes Musik-Team

Die einzigen Nicht-Streicher im Konzert traten gleich als Duo auf. Die Klarinettistin Charlotte Dohr, dem Publikum aus dem Vorjahr schon bekannt, trat gemeinsam mit Julia Preygermann am Klavier auf. Das gut aufeinander eingespielte Paar hatte mit dem jetzt in der Kapelle intonierten, als „Entensonatine“ bekannten Stück von Günter Raphael schon beim Landeswettbewerb von „Jugend musiziert“ die Höchstpunktzahl und einen ersten Preis erlangt. Und auch im Bundeswettbewerb konnten die jungen Künstlerinnen mit „sehr gutem Erfolg“ bestehen. Im rasanten Tempo des ersten Satzes ließen sie die Töne nur so herauspurzeln, während im zweiten Satz die Noten eher wie in Zeitlupe gespielt wurden.

Vorjahrespreisträger begeistert

Während sich die sechsköpfige Jury zur Beratung und Abstimmung zurückzog, spielte sich Lukas Klemmer, einer der Vorjahrespreisträger, mit der Gitarre durch drei Kompositions-Jahrhunderte. In verspielt-leichter Ausführung und mit sauberem Klang präsentierte er „Wellness für die Ohren“. Auf den Saiten gezupfte, verträumte Melodien entführten das Publikum in laue Sommernächte. Zum Abschluss spielte Lukas noch einmal den schon im letzten Jahr begeistert aufgenommenen „Usher Waltz“ des zeitgenössischen russischen Komponisten Nikita Koshkin. Obwohl er ihn vorsorglich als ein wenig „spooky und laut“ ankündigte, behielt die Harmonie trotz einiger harter Pizzicati und der mit der ganzen Hand ausgeführten Schläge auf die Saiten die Oberhand.

Im Anschluss verkündete Lions-Club-Vizekanzler und Vorstandsmitglied Marcus Menster die Entscheidung der Jury. Zu werten sei schwergefallen, denn jeder der Beiträge sei hervorragend und einzigartig gewesen, sagte er. Doch am Ende ließ das Wahlergebnis das Duo Charlotte Dohr und Julia Preygermann sowie Anna-Lena Pabst und Myriam Baumann in den Genuss der Lions-Förderung kommen. Auch Musikschulleiter Hans-Peter Lörsch, ebenfalls Jurymitglied, bedauerte es außerordentlich, dass nicht alle Interpreten einen Preis bekommen konnten, und sprach seine Hoffnung auf Änderung bei den nächstjährigen Wettbewerben aus. Das wäre sicherlich auch im Sinne des Jury-Mitglieds und fepke-Vorsitzenden Wolfram Heidelmayer, der zur Eröffnung der Veranstaltung ein Loblied auf den Einfluss des Musizierens auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen anstimmte. Er wollte zudem nicht nur die Leistung der jungen Musiker anerkannt wissen, sondern auch die der sie am Klavier Begleitenden. Neben Karl-Heinz Lindemann von der Musikschule waren das die international renommierten Pianistinnen Maria Streltsova und Svetlana Travnikova. Die Musiklehrer wurden ebenso wenig vergessen: Denn ohne die Arbeit von Ines Giegold, Dorothea Buchwald, Iris Egermann, Ruta Hazzan, Burkhard Plath und Hubert Käppel wäre dieser musikalische Erfolg ihrer Schüler nicht erreichbar gewesen. BSB

Zum Abschluss dankten die Veranstalter allen Musikern, insbesondere auch den begleitenden Pianisten für ihren Einsatz und ihre Spielfreude.

Zum Abschluss dankten die Veranstalter allen Musikern, insbesondere auch den begleitenden Pianisten für ihren Einsatz und ihre Spielfreude.

Während die Jury um die Entscheidung über die Preisträger rang, begeisterte Vorjahrespreisträger Lukas Klemmer mit anspruchsvollen Klängen.

Während die Jury um die Entscheidung über die Preisträger rang, begeisterte Vorjahrespreisträger Lukas Klemmer mit anspruchsvollen Klängen.

Lions-Club-Vizekanzler Marcus Menster (hinten links) und Hans-Peter Lörsch, Leiter der Koblenzer Musikschule und Jurymitglied, übergaben die Preise Julia Peygermann, Charlotte Dohr, Anna-Lena Baumann und Myriam Baumann. Fotos: BSB

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