Allgemeine Berichte | 13.09.2021

Mitarbeitende des Evangelischen Dekanats Westerwald besuchten die Kläranlage Selters

Vom Abwasser zum Frischwasser

Abwassermeister Bernd Schenkelberg (Mitte) erklärt der Besuchergruppe die Funktion des Blockheizkraftwerks im Hintergrund. Foto: privat

Selters. Weit nasenfreundlicher als zuvor befürchtet, erlebten rund zwanzig Pfarrerinnen, Pfarrer und Mitarbeitende des Evangelischen Dekanats Westerwald einen Betriebsbesuch in der Kläranlage Selters. Die Besucher verbrachten einen Vormittag in der, nicht eben gemütlichen, aber sehr interessanten Umgebung und setzten die Tradition fort, als evangelische Kirche mit Betrieben in der Region ins Gespräch zu kommen. Die Kläranlage Selters ist ein Kooperationsprojekt der Verbandsgemeinden Selters, Dierdorf und Wirges sowie der Abwassergruppe Holzbach. Sie entstand 1995 und ist seitdem kontinuierlich modernisiert und erweitert worden. In den kommenden Jahren sind weitere Investitionen in Millionenhöhe in den Standort geplant. Die Kläranlage reinigt die Abwässer der Stadt Selters und der Ortsgemeinden Maxsain, Rückeroth, Goddert, Nordhofen, Krümmel, Ellenhausen, Weidenhahn, Ewighausen, Quirnbach, Vielbach und Helferskirchen. Zudem werden zusätzlich Klärschlämme aus Kläranlagen in Wienau, Herschbach, Isenburg und Maischeid angeliefert und in Düngemittel, Strom und Heizenergie umgewandelt. Abwassermeister Bernd Schenkelberg sowie zwei seiner Mitarbeiter führten die Dekanatsdelegation in zwei Gruppen über das Werksgelände und erklärten jeden Schritt der Wasseraufbereitung. Schenkelberg sensibilisierte die Besucher für die große Bedeutung eines nachhaltigen und sorgsamen Umgangs mit der Ressource Wasser. Der Grundwasserspiegel sei trotz des regenreichen Jahres immer noch zu niedrig. Verunreinigungen durch Arzneimittelrückstände und Mikroplastik erschwerten die Nutzung der erzeugten Klärschlämme als Düngemittel, so Schenkelberg. Über rund 150 Kilometer Kanalnetz und zahlreiche unterirdische Anlagen erreicht das Abwasser das Selterser Klärwerk. Das mit Regen vermischte Wasser wird zunächst von groben Verschmutzungen mechanisch gereinigt. Hier würden die erstaunlichsten Dinge aus dem Wasser gezogen, berichtete der Abwassermeister. Von Gebissen bis zu Kinderwägen und leider auch toten Haustieren sei schon alles dabei gewesen. Als großes Problem bezeichnete Schenkelberg das „Feuchte Toilettenpapier“, das im Handel erhältlich ist: „Das hält uns hier am Arbeiten“. Im Gegensatz zu herkömmlichem Papier löse sich das Material nicht im Wasser auf und müsse mechanisch aus dem Abwasser entfernt werden. Die Frage nach möglichen Ratten im Klärwerk, brachte Schenkelberg zu einer weiteren Komplikation der Abwasseraufbereitung: dem Fett. In der Kläranlage selbst gebe es sehr selten Ratten. Menschen, die Essenreste in die Kanalisation werfen, handelten sich eher im eigenen Kanalbereich ein Rattenproblem ein, prognostizierte der Abwasserexperte. Allerdings sei das, im Essen enthaltene, Fett in der Verarbeitung des Abwassers problematisch. Das Fett muss in einer eigenen Anlage durch Belüftung des Wassers mit gleichzeitiger Strudelbildung entfernt werden, sodass sich die Fettpartikel zusammenschließen. Das, so vorgereinigte Wasser gelangt in das Herzstück der Anlage, das sogenannte Belebungsbecken. Es hat einen Durchmesser von 28 Metern und fasst knapp 3000 Kubikmeter Wasser. „Das ist kein Dreck, das ist Biomasse“, sagte Bernd Schenkelberg über die braune und blasenwerfende Flüssigkeit im Becken. Tatsächlich wird hier das Wasser durch Mikroorganismen gereinigt, die die Verunreinigungen fressen. Wenn mal zu wenig zu fressen da sei, werden die Organismen sogar durch die Zugabe abgelaufener, süßer Getränke gefüttert, erzählte der Abwassermeister. Tatsächlich ist das Wasser schon im Überlauf des nächsten Beckens klar, des sogenannten Nachklärbeckens, und kann dem Ökosystem wieder zugeführt werden.

Verarbeitung von Klärschlamm

Danach führte die Tour über das Werksgelände noch zur Verarbeitung der übrigbleibenden Klärschlämme. Im Zusammenhang mit den ausgefilterten Bestandteilen des Wassers riecht es im Klärwerk dann tatsächlich mal nicht so gut, stellten die Besucher fest. In einer Faulanlage wird Faulgas erzeugt, dass mit einem Bockheizkraftwerk in elektrischen Strom und Wärmeenergie umgewandelt wird, die für das eigene Gelände genutzt werden. Der Betrieb der Kläranlage in Selters wird nur durch wenige Mitarbeiter betreut, die ein vielfältiges Betätigungsfeld haben. Wasserkontrollen im Labor sowie Wartung der technischen und elektrischen Anlagen gehören dazu. Leider habe man trotz Anstellung im Öffentlichen Dienst für dieses Jahr keinen Auszubildenden als Fachkraft für Abwassertechnik bekommen können, bedauerte Schenkelberg.

Wilfried Kehr vom Fachbereich Gesellschaftliche Verantwortung des Evangelischen Dekanats Westerburg und Heike Miehe vom Zentrum in Mainz dankten im Namen der Besuchergruppe den Mitarbeitern des Klärwerks Selters für den umfassenden Einblick in die Abläufe des Werkes. Das Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) lädt einmal jährlich zu einer Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Wir machen Türen auf“ in Betrieben zu bestimmten Themenkomplexen ein. In diesem Jahr hat sich das Zentrum für das Thema: „Wald und Wasser“ entschieden, um den Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen, und sucht Forstreviere, Wetterdienst, Brennholzhersteller und Kläranlagen auf.

Abwassermeister Bernd Schenkelberg (Mitte) erklärt der Besuchergruppe die Funktion des Blockheizkraftwerks im Hintergrund. Foto: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
  • Dirk Wershofen: Um Menschen die keine Hunde mögen, sollte man immer einen großen Bogen machen! Und liebe Redaktion, kommt doch mal in den Kaiser Wilhelm Park und schreibt einen Artikel darüber mit Fotos. Als ob es nichts wichtigeres gibt in dem Ort hier??
  • D. Schmidt: Angebracht wäre es, einmal nachzusehen, wer seine Hundesteuer bezahlt ?? Radfahrer?? müssen aber auch im angemessenen Tempo am Ufer entlang radeln ?? …da man schon eine „Anschwärze-Seite“ eingerichtet hat!????
  • Georg Püttmann: Was nützt eine Anleinpflicht wenn der Hundehalter/in zusieht wie der Haufen auf den Gehweg gemacht wird und sich dann schnell entfernt …. Ganz zu schweigen von den Pinkeleien an den Blumenkübeln sowohl...
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
Dauerauftrag
Rund um´s Haus
Kreishandwerkerschaft
"Harald Schweiss"
Titelanzeige
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Empfohlene Artikel
Oldtimer umgeben von Linzer Sehenswürdigkeiten.  Quelle: Wolfgang Hürter
16

Linz. Die Stadt Linz am Rhein bereitet sich auf ein außergewöhnliches Wochenende im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft und der Automobilgeschichte vor. Von Samstag, den 30. Mai, bis Dienstag, den 2. Juni 2026, ist eine Delegation des Vereins Auto Retro Sport aus der Partnerstadt Pornic zu Gast, um die Region mit ihren rollenden Schätzen zu erkunden. Insgesamt 36 Enthusiasten machen sich...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.  Foto: ROB
48

Neuwied. Am 31.03.2026 gegen 23:32 Uhr befuhr ein 19-jähriger Fahrer mit einem schwarzen Mercedes-Benz die B 256 auf der Rheinbrücke in Neuwied in Fahrtrichtung Koblenz. Auf Höhe der Abfahrt Weißenthurm verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug, wodurch es zu einem Verkehrsunfall kam. Zuvor war das Fahrzeug bereits durch Beamte der Polizeiinspektion Neuwied mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit auf der Rheinbrücke festgestellt worden.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: ROB
63

Aus dem Polizeibericht

Unfall auf der Rheinbrücke

Weißenthurm/Neuwied. Am 31.03.2026 gegen 23:32 Uhr befuhr ein 19-jähriger Fahrer mit einem schwarzen Mercedes-Benz die B 256 auf der Rheinbrücke in Neuwied in Fahrtrichtung Koblenz. Auf Höhe der Abfahrt Weißenthurm verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug, wodurch es zu einem Verkehrsunfall kam. Zuvor war das Fahrzeug bereits durch Beamte der Polizeiinspektion Neuwied mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit auf der Rheinbrücke festgestellt worden.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: ROB
30

Aus dem Polizeibericht

Unfall unter Alkoholeinfluss

Ettringen. Am Dienstag, den 31.03.2026, verursachte ein 30-jähriger Transporterfahrer in der Straße Breitenholz in Ettringen einen Verkehrsunfall. Aufgrund erheblicher Alkoholisierung war er nicht in der Lage, das Fahrzeug sicher zu führen, und kollidierte beim Rückwärtsfahren mit einem Stromverteilerkasten. Anschließend stieg der Fahrer aus, lud die beschädigte Tür des Verteilerkastens sowie die...

Weiterlesen

Dauerauftrag
Hausmeister, bis auf Widerruf
Alles rund ums Haus
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0197#
Recht und Steuern
Ostern
Ostern
Ideen für ein schönes Osterfest
Anzeige Übergabe
Ostern Im Blick
Osteranzeige
Lossprechungsfeier Metall-Innung
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0197#
Gegengeschäft
Stellenanzeige stellv. Betriebsstättenleitung
diverse Stellen
Stellenausschreibung Justiziar
Anzeige Gartenmöbel
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026