Allgemeine Berichte | 19.06.2023

Zum Patronatsfest der Kirche St. Maria Magdalena

Vom Kirchenbau in Rheinbreitbach von deren Anfängen bis zur Gegenwart

Kirchenraum mit Orgel, Empore und Blick nach Nordwesten. Fotos: privat

Rheinbreitbach. Es dürfte für die katholischen Christen in Rheinbreitbach eine wahre Freude gewesen sein als im Jahre 1620 die Urkunde aus Köln kam, dass nun die Kirchengemeinde eine eigene Pfarrei sei. Jahrzehntelang hatte man für eine Abspaltung von der Kirche in Unkel gekämpft. Als Gründe hatte man die große Anzahl Christen sowie die stetig wachsende Glaubensgemeinschaft angeführt. Zudem war der Weg in den dunklen Herbst- und Wintermonaten auf den unausgebauten und schlammigen Feldwegen für die Kirchgänger nach Unkel beschwerlich und führten dazu, dass die Rheinbreitbacher Christen oftmals mit schlammigem Schuhwerk und dreckigen Kleidersäumen in der Kirchmesse saßen. Zudem wollte man im Ort einen eigenen Pfarrer als Geistlichen haben.

Mit der Trennung von der Mutterkirche in Unkel, welche sie bis heute für die katholischen Christen in Rheinbreitbach ist, wurde nun ein neues Kapitel des christlichen Gemeindelebens in Rheinbreitbach aufgeschlagen. Zwar hatte es vorab seit mindestens der Frankenzeit Christen in Rheinbreitbach gegeben, doch waren diese nie stark genug gewesen, um eine eigene Kirchenpfarrei mit eigenem Priester zu bekommen. Christliche Gebetsräume sowie Vorgängerbauten der Kirche St. Maria Magdalena am Kirchplatz dürfte es bereits zur Frankenzeit gegeben haben, mit welcher die Christianisierung eingesetzt hat. Sicher ist, dass es eine Kirche mit Glockenturm und einem Hof (Templerhof) im Mittelalter an der Stelle der heutigen Kirche gab. Diese wurde im kurkölnischen Krieg (1583-1588), als die Truppen des konvertierten protestantischen Erzbischofs Gebhard Truchsess von Waldburg plündernd durch Rheinbreitbach zogen, in Brand gesetzt. Der romanische Kirchenbau sowie der angrenzende Templerhof wurde hierbei bis auf die Grundmauern zerstört.

Die katholischen Christen ließen sich hierdurch jedoch nicht entmutigen und bauten ihre Kirche im gotischen Stil wieder auf, was einen enormen finanziellen Aufwand für die kleine Gemeinde Rheinbreitbach bedeutete.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich die Verantwortlichen der kurkölnischen Verwaltung von den Katholiken in Rheinbreitbach sowie Gemeindevertretern in der Trennungsurkunde von 1620 bestätigen ließen, dass zur Finanzierung des Kirchenbaus sowie zur Besoldung des Pfarrers Zehnterträge und Abgaben im Wert von 100 Thalern, auch in Krisenzeiten, verpflichtend zu entrichten seien. Hiermit wollte man sich in Köln, von sämtlichen zukünftigen Kosten lossagen. Dies hing wohl auch mit der gesamtpolitischen Situation in Europa zusammen, da gerade der dreißigjährige Krieg 1618 losbrach und Söldnerheere, der jeweils anderen Konfession plündernd und raubend durch die Lande zogen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Zerstörungen von Kirchenbauten kommen könnte, war daher sehr hoch. Zum Nachteil der katholischen Christen in Rheinbreitbach erfüllte sich dieses Schreckensszenario dann auch, indem Gustav Adolf von Schweden mit seinen Truppen durch den Ort zog und die Kirche wohl ein zweites Mal in Brand setzte. Der Mythos einer breitbacher Prinzessin des Geschlechtes von Breitbach, die mit ihrer Schönheit und Kühnheit das Dorf vor Zerstörung gerettet hat, ist hierbei eine reine Fiktion.

Doch die Rheinbreitbacher Christen ließen sich hierdurch nicht beirren, bauten ihre Kirche unter großen Mühen in den folgenden Jahren wieder auf und es entstand eine neue gotische Kirche, die später im 18. Jahrhundert mit mehreren Barockaltären sowie einer reich verzierten Kanzel mit Engel erweitert wurden. Innen verzierten bunte Bemalungen die Wände und Rundbögen. Farbige Blumen sowie Szenen aus der Landwirtschaft zeigten die Verbundenheit der Menschen zur Natur und dem Bewusstsein, dass ihr Überleben nur davon abhängt, ob die nächste Ernte gut oder schlecht wird. In der Kirche baten sie Gott daher um seinen Segen und dankten ihm für das, was sie von der Natur bekommen hatten. Der barocke Kirchenbau dieser Zeit war von einer gewissen Einfachheit gekennzeichnet, der entgegen der katholisch-christlichen Tradition wenig Goldverzierungen aufwies. Selbst der Tabernakel war farbenreich, aber keinesfalls überproportional mit Gold geschmückt.

An den Schlusssteinen des Rippengewölbes der Kirche waren die Köpfe von Heiligen aus der Bibel angebracht. Die Kirche konnte zu diesem Zeitpunkt von mehreren Stellen aus betreten werden. Der Haupteingang lag unter dem Kirchturm. Im Norden (Richtung des alten Friedhofs) gab es eine kleine Außentüre, genau wie im Süden es einen kleinen Eintritt gab. Die Sakristei mit den Gewändern und Gebetsbüchern lag im Nordosten und war direkt neben dem Altar und dem Tabernakel angegliedert. Im Nordteil der Kirche war einst der Beichtstuhl aufgestellt. Der Kirchturm mit seinen Glocken sowie die Ampore mit Orgel war nur über eine Außentreppe zu erreichen. Der Kirchraum war so groß, dass 300 bis 400 Personen an der Kirchmesse in Rheinbreitbach teilnehmen konnten. Eine Besonderheit der alten Kirche war hierbei, dass man die Verstorbenen eng bei sich haben wollte, sodass der Friedhof direkt neben der Kirche im Schatten von altgewachsenen Bäumen lag. Reich verzierte Grabsteine erinnerten an ganze Generationen von katholischen Christen, die in der Kirche St. Maria Magdalena gebetet und gelebt hatten. Erst als der Friedhof zu klein wurde, errichtete man in den 1930er Jahren den neuen Waldfriedhof an der Westerwaldstrasse. (Abbildung 1 Kirche 1920er Jahre, Quelle: Privatarchiv Napp)

Im ersten und zweiten Weltkrieg opferten die Rheinbreitbacher auf Anweisung der Regierungen ihre Kirchenglocken, um das Metall für Kanonen und Waffen verwenden zu können. Nach beiden Kriegen wurden mit großem finanziellem Aufwand neue Glocken beschafft. Gerade nach dem 1. Weltkrieg stellte sich die Neuanschaffung von neuen Kirchenglocken in der Wirtschaftskrise als Herausforderung dar.

In den 1950er Jahren begann man unter Pfarrer Ermert trotz großer finanzieller Probleme in der Nachkriegszeit eine aufwändige Renovierung des Kirchengebäudes, welches die Rheinbreitbacher ihrem findigen Pfarrer mit einer eigenen Figur im Rippengewölbe dankten. Mit viel Kreativität und Einsatz hatte Ermert das Geld für die Renovierung der Kirche in der schwierigen Zeit aufgebracht, die weitgehend von Kriegszerstörungen verschont geblieben war.

Bis 1966 bestand die barocke Kirche St. Maria Magdalena in dieser Form fort bevor der damalige Pfarrer meinte, dass die Kirche für die Anzahl der katholischen Christen in Rheinbreitbach nicht mehr ausreichen würde. Tatsächlich hatte es zum damaligen Zeitpunkt einen Bauboom sowie ein Bevölkerungswachstum gegeben, was mit einem Anstieg der Anzahl der Christen verbunden war. Somit entschied man sich den über 400 Jahre alten Friedhof neben der Kirche abzubrechen, die Gräber zu entfernen und den kompletten Nordteil der Kirche abzureißen. An die Stelle des Friedhofs wurde ein als damals modern geltender wuchtiger Backsteinbau mit Betondach gesetzt. Trotz Protest der Bevölkerung sowie manchem Gemeindemitglied wurde der Bau umgesetzt. Schmerzlich mussten die Angehörigen mit ansehen, wie die Gräber ihrer Vorfahren ausgehoben und deren Knochen auf Lastwagen abtransportiert wurden. Auch die Grabkreuze wurden dem Bauschutt beigegeben. Die alte Sakristei wurde abgerissen, die Hunderte Jahre alten Beichtstühle auf den Müll geworfen und der Treppenaufgang zum Kirchturm niedergelegt. (Abb. 2 Bulldozer/Blick vom Weinbergsweg, Quelle: Heimatarchiv Rheinbreitbach/Schultheis)

Bei diesen Arbeiten fand man im Untergrund die Überreste und Fundamente des ehemaligen Templerhofes, der als Ursprungsbau der Kirche St. Maria Magdalena. Wissenschaftlich unbewertet betonierte man diese zügig zu, um das Fundament für den Neubau errichten zu können, der dann erst 1978 vollständig fertig gestellt werden konnte. Über die Architektur der Kirche scheiden sich bis heute die Geister. Während die einen meinen, dass es sich um eine gelungene Verbindung von Alt und neu handelt (moderne Regional), sagt die Architekturwissenschaft hier etwas gänzlich anderes. Form, Größe und Materialauswahl seien überdimensioniert und unpassend ausgewählt worden. Der Neubau zolle dem alten Teil der Kirche keinen Respekt und verschlucke diesen förmlich.

Bei der Konzipierung des Kirchenanbaus 1966 ging man noch von einem weiteren Wachstum der Ortsgemeinde Rheinbreitbach und einem Zuzug von Christen aus. Doch hierbei kam es anders. Durch die Gastarbeiter aus der Türkei sowie Zuzüge aus dem Ausland stieg zwar weiterhin die Anzahl der Einwohner, aber diese hatten eine andere Konfession oder Religion (muslimisch, evangelisch) oder waren konfessionslos. Durch die 68er Bewegung traten viele junge Menschen zudem bereits aus der Kirche aus, um dem starren System zu entkommen. Es gab zwar noch einen leichten Anstieg an Christen, aber dieser wurde immer mehr abgebremst. Bereits 1996 schreibt der Heimatkundler und kirchenkundige Rheinbreitbacher Franz Josef Federhen in seinem Heft „Kirchen in Rheinbreitbach“, dass die tatsächliche Anzahl der Christen bezüglich des Kirchenanbaus unter den eigentlichen Erwartungen zurückgeblieben seien. Auch machte sich hier bereits der Priestermangel spürbar, der eine Bündelung und Verringerung von Messen bedeutete.

Die Situation sollte sich hier noch verschlimmern. Durch die Missbrauchsfälle Anfang des 21. Jahrhunderts sowie dem Umgang der katholischen Kirche hiermit sowie dem sozialen Rückzug aus Kindergärten und Schulen aus finanziellen Gründen, traten immer mehr Menschen aus der Kirche aus. 2005 waren von den ca. 4500 Einwohnern Rheinbreitbachs noch 2300 Menschen katholisch. Im Jahre 2023 sind es nur 1700 Menschen, was einem Verlust von 13 Prozent bedeutet. Die Zahlen sinken weiter. (Abb. 3 Kirche 2023, Quelle Thomas Napp)

Aus diesem Grund gibt es seit 2023 von einzelne Christen Überlegungen die Kirche wieder auf das alte Maß zu verkleinern, da die Sorge besteht, dass auf Dauer die finanziellen Ausgaben für die Kirche die Einnahmen übersteigen könnten und das Überleben der Pfarrei dadurch gefährdet wäre. Entsprechende Anregungen an das Erzbistum Köln sowie die zuständigen Stellen blieben zunächst unbeantwortet. Erst als eine öffentliche Unterschriftensammlung zum Rückbau der Kirche gestartet wurde, fand das Anliegen Gehör. Die Idee stieß bei der Bevölkerung auf gemischte Gefühle. Manche fanden die Idee eines Rückbaus sehr sinnvoll, andere wiederum reagierten sehr emotional. Letztlich wurde die Unterschriftensammlung abgebrochen, da die auslegenden Geschäftsinhaber von Einzelpersonen bedroht wurden.

Wie die Entwicklung um die katholische Kirche in Rheinbreitbach sowie die Kirchengemeinde jetzt weiter geht, steht in den Sternen. Eines ist jedoch sicher: Einfach so weiter machen wie bisher wird keinesfalls funktionieren. Die aktuellen Probleme der Kirche müssen behandelt und mutig gelöst werden, auch wenn dies mit schmerzlichen Eingeständnissen einhergeht. Andernfalls wird irgendwann die Eigenständigkeit der Pfarrei auf dem Prüfstand stehen, weil schlichtweg zu wenig Christen in der Ortsgemeinde wohnen. In anderen Kirchengemeinden und Bistümern ist dies bereits gängige Praxis. Dies wäre dann das Ende der über 400-jährigen Geschichte der Pfarrei und Kirche in Rheinbreitbach.

Die Kirche vom Weinbergsweg gesehen. Bulldozer räumen den Friedhof 1966 für den Kirchenanbau ab.

Die Kirche vom Weinbergsweg gesehen. Bulldozer räumen den Friedhof 1966 für den Kirchenanbau ab.

Vom Kirchenbau in Rheinbreitbach von deren Anfängen bis zur Gegenwart

Der Kirchplatz.

Der Kirchplatz.

Kirchenraum mit Orgel, Empore und Blick nach Nordwesten. Fotos: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Bildergalerien
Daueranzeige 2026
Dauerauftrag 2025
Rund ums Haus Daueranzeige
Anzeige Monte Mare Firmenlauf
Anzeigensponsoring Sommerbunt - o.B.
Titelanzeige
Empfohlene Artikel
Symbolbild.
21

Marienthal/Dernau. Im Rahmen der noch ausstehenden Arbeiten an den Winkelstützwänden entlang des Ahr-Radwegs wird der Streckenabschnitt der B 267 zwischen Marienthal und Dernau vom 22. bis 30. Juni 2026 halbseitig gesperrt. Während der Bauarbeiten wird der Verkehr mithilfe einer Ampelanlage einspurig an der Baustelle vorbeigeführt. Kurzzeitige Einschränkungen im Verkehrsfluss sind dabei nicht auszuschließen.

Weiterlesen

Symbolbild.
64

Koblenz. Vom 22. bis 25. Juni 2026 wird die B 49 in Koblenz im Bereich der Pfaffendorfer Brücke in Richtung Lahnstein aufgrund eines Brandschadens repariert. Während der Arbeiten erfolgt eine halbseitige Sperrung des betroffenen Streckenabschnitts, wobei der Verkehr einspurig am Baustellenbereich vorbeigeführt wird. Diese Maßnahme wird als Tagesbaustelle umgesetzt, sodass der Abschnitt außerhalb der Arbeitszeiten ohne Einschränkungen befahren werden kann.

Weiterlesen

achtung baustelle
39

Rheinbrohl/Niederhammerstein. Zwischen Rheinbrohl und Niederhammerstein sind an der B 42 nach einem Steinschlag dringend Hangsicherungsarbeiten notwendig. Diese Maßnahmen führen zu einer halbseitigen Sperrung der Bundesstraße vom 18. bis 20. Juni 2026. Der Verkehr wird in diesem Bereich mithilfe einer Ampelanlage geregelt, um den reibungslosen Ablauf trotz der Einschränkungen zu gewährleisten.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Claus-Peter Krah & Olaf Wulf bei der Übergabe des Geldbetrages. Eine für beide Seiten zufriedenstellende Situation, wie man sieht...
464

Spende für Remagener Tierheim

Erneute Spende für das Tierheim Remagen

Oedingen. Mit 500€ im Gepäck besuchte der Ortsvorsteher aus Oedingen, Olaf Wulf, das Remagener Tierheim. Der Chef der beliebten Institution in der Kernstadt, Claus-Peter Krah empfing diesen mit den freundlichen Worten. „Sehr schön, da freuen wir uns, dass Ihr in Oedingen erneut auch an uns denkt. Und gebrauchen können wir das in diesen turbulenten Zeiten allemal. Vielen Dank an alle Oedinger.

Von Olaf Wulf aus Oedingen

Weiterlesen

Nach dem Angriff mit Schlägen und Tritten auf einen 60-Jährigen, fahndet die Polizei nun nach den unbekannten Jugendlichen.
1994

Erst provozierten sie den Hund, dann schlugen sie zu

07.03.: Bonn: Jugendliche nach brutaler Attacke auf 60-Jährigen gesucht

Bonn. Die Bonner Polizei sucht derzeit mithilfe eines Fotos nach vier Jugendlichen, die im Verdacht stehen, am 07. März 2026 einen 60-jährigen Mann in der Sternstraße in Bonn angegriffen zu haben. Der Vorfall ereignete sich gegen 16:30 Uhr, als ein zunächst verbaler Streit zwischen dem Geschädigten und den Jugendlichen eskalierte. Auslöser des Streits war das fortwährende Provozieren des Hundes des Mannes durch die Jugendlichen.

Weiterlesen

Abendstimmung bei Kultur am Hof
235

Rheinbach. Kultur am Hof, das kostenlose Live-Konzert Vergnügen in Rheinbach erfreut sich nun schon im 20. Jahr großer Beliebtheit. Jeden Freitag von Anfang Juni bis Mitte September spielen auf dem abgesperrten Himmeroder Wall Bands aus der erweiterten Region für die Musikbegeisterten Gäste. Die bestens abgemischten Konzerte beginnen um 19.00 Uhr. Dann ist drei Stunden Stimmung, gute Laune und mitsingen oder Tanzen angesagt.

Von Stefan Raetz aus Rheinbach

Weiterlesen