Allgemeine Berichte | 22.04.2016

Der Verein „Aktion Eine Welt Andernach“ ist auf einem guten Weg

Vom kleinen Eine-Welt-Laden zur FaiRegio-Partnerschaft

Der „FaiRegio“-Laden – für viele Andernacher ein Begriff für fair gehandelte Ware aus der Welt und frische Produkte aus der Permakultur und der Region. MKA

Andernach. Wurden Entwicklungsländer vor Jahrzehnten noch in die unterste Schublade „Dritte Welt“ gesteckt, so gaben Politiker und global denkende und handelnde Organisationen diese Kategorisierung ab den 1970er-Jahren nach und nach auf. Heute symbolisiert der neue Begriff „Eine Welt“ die Veränderung von einer konservativen Entwicklungspolitik hin zum partnerschaftlichen Umgang miteinander. Im Bewusstsein, mit allen in der Welt in „einem Boot“ zu sitzen, wird nun den wirtschaftlich schwachen Ländern „Hilfe durch Selbsthilfe“ gegeben, weitestgehend global gedacht und gehandelt. Deutlich wurde der Verständniswandel vor allem bei den damaligen sogenannten „Dritte Welt“-Läden, die sich in den über drei Jahrzehnten zunehmend in „Eine-Welt“-Läden umbenannten. Diese verkaufen fair gehandelte Produkte aus den benachteiligten Ländern des Südens, aus Afrika, Asien und Lateinamerika und sichern damit den Produzenten ein gerechtes und verlässliches Einkommen. Auch im verträumten mittelrheinischen Städtchen Andernach fand sich 1992 eine Gruppe von Idealisten, die für unsere „Eine Welt“ einstehen wollte. Mitglieder von Kirchengemeinden und politisch verantwortliche Leute aus Andernach und Umgebung gründeten den Förderverein „Aktion Eine Welt Andernach e. V.“. Bald darauf fand sich auch in der Bäckerjungenstadt ein „Eine-Welt“-Laden.

Ein Fachgeschäft der besonderen Art

Heute, 24 Jahren danach, zählt der gemeinnützige Verein 121 Mitglieder. 35 ehrenamtlich aktive Vereinsmitglieder und die fruchtbare Partnerschaft mit der Perspektive gGmbH ermöglichen seit 2010 die Führung eines einladenden, gemeinsamen „FaiRegio“-Geschäfts in der Hochstraße 35, einer Premiumlage im Herzen der Stadt.

Sabine Schmitz, seit April neue Vorsitzende des Vereins, und Doris Jonas, die zuvor 16 Jahre dem Verein vorstand, stellten „Blick aktuell“ die Anfänge, Hintergründe und Aktivitäten der „Aktion Eine Welt Andernach e.V.“ dar, deren Dreh- und Angelpunkt zweifellos in der Hochstraße liegt. Einmal im Monat trifft sich hier das Team zum Austausch. 1993 hatte alles in einem kleinen, fast unscheinbaren Weltladen in der Balduinstraße angefangen. Nach zwei weiteren Umzügen freut sich der Verein, nun über ein ausreichend großes Ladenlokal mit ansprechendem Ambiente zu verfügen. „Wir haben damals längere Zeit nach einem Partner gesucht und ihn letztlich in der ebenfalls gemeinnützigen Perspektive (www.perspektive-andernach.de) gefunden. Ansonsten wäre ein Ladenlokal in dieser Größe und Lage finanziell nicht zu tragen gewesen“, sagt Doris Jonas. Gemäß dem Motto „Welt trifft Heimat!“ werden hier nun sowohl fair gehandelte Waren aus aller Welt, als auch regional erzeugte Produkte unter einem Dach angeboten. Der Verkauf von Gemüse, Obst und Fleisch aus der Andernacher Permakultur sowie von weiteren regionalen Naturprodukten der Region bietet zwei, von der Perspektive betreuten, langzeitarbeitslosen Menschen eine Arbeits- und Wiedereingliederungs-Möglichkeit. Eine Konsequenz aus der Partnerschaft des „Eine-Welt“-Ladens und des Regiomarktes der Perspektive war die neue Namensgebung: „FaiRegio“ prangt nun auf dem großen Schriftbanner über dem Eingang des „Fachgeschäfts für fairen und regionalen Handel“. Blick aktuell fragt Sabine Schmitz, ob die Kombination dem Welt-Laden-Geschäft jetzt mehr Kunden zuführt. Dies sei nicht immer so, bedauert die Vorsitzende, die sich schon seit vielen Jahren für die Belange ihres Vereins engagiert. „Die Leute kaufen meistens gezielt ein - entweder Weltprodukte oder Regioprodukte.“

Verantwortung für die „Eine Welt“ mittragen

In seiner Satzung bringt der eingetragene Verein „Aktion Eine Welt Andernach“ seine Zielsetzungen zum Ausdruck. Die Mitglieder sehen sich in der Verantwortung für die „Eine Welt“, wollen zu mehr Gerechtigkeit, Frieden und zur Bewahrung der Schöpfung beitragen. Wo Vorurteile gegenüber Menschen bestehen, mischen sie sich ein, möchten, dass sich Völker und Gruppen einander besser verstehen. So erleben sie einen Prozess des Lernens von und mit anderen Menschen für Toleranz und Menschenrechte sowie gegen Rassismus und Benachteiligung. Auf die heimische und die Weltwirtschaft wollen sie dahingehend einwirken, dass Gegensätze zwischen Armen und Reichen aufgezeigt und abgebaut werden. Gruppen, die ähnliche oder gleiche Ziele haben, ist der Verein ein Partner. So wirkt der Verein zum Beispiel auch in der von der zertifizierten „FairTrade“-Stadt Andernach gebildeten zielführenden Steuerungsgruppe mit. Dazu Doris Jonas: „Wir wünschen uns, dass die begrüßenswerte Initiative nicht nur auf dem derzeitigen Minimum-Level bleibt. Wäre schön, wenn sich noch mehr Organisationen und Unternehmen wie zum Beispiel Gastronomen ernsthaft daran beteiligen.“

Als Mitträger des Fair-Regio“-Ladens und Verantwortliche für den darin integrierten Weltladen bietet die „Aktion Eine Welt Andernach“ Produkte von Genossenschaften aus Entwicklungsländern an, für die den Bauern und Handwerkern ein fairer Preis gezahlt wird. Lebensmittel, Weltmusik-CDs, Textilien, Lederwaren, Schmuck, Kunstgewebe, Musikinstrumente, Spielzeug und vieles mehr hält das Team in seinem Sortiment bereit. Um den Einkauf kümmern sich hauptsächlich Sabine Schmitz und Jutta Reinhard-Melzer. Über ein Fair-Handelszentrum beschaffen sie die Ware, die von großen seriösen Importeuren fair gehandelter Lebensmittel und Handwerksprodukte aus den südlichen Ländern der Welt an diesen Distributeur geliefert werden. Im vergangenen Geschäftsjahr konnte der Verein einen Überschuss von rund 8000 Euro erzielen. Dieser fließt als Spende in Bildungsprojekte von Organisationen, die sich im Sinne der Vereinsziele engagieren (zum Beispiel German Watch oder Eirene). „Aber auch jedes Produkt, das wir hier anbieten, ist ein Projekt. Dahinter steht ja immer eine ganze Kooperative. Eine Gruppe von Leuten. Jeder Kauf ist also eine Unterstützung dieser Projekte“, unterstreicht Doris Jonas und verbindet damit ihre Bitte: „Die Leute sollten die Produkte, die sie bei uns kaufen können als Chance sehen, sich an der fairen Entlohnung der Arbeit von Erzeugern beteiligen zu können. Nicht Mitleid sollte die Motivation dazu sein.“ Dem Einwand, fair gehandelte Produkte hätten ein höheres Preisniveau, begegnet Sabine Schmitz: „Eine Tasse fairer Kaffee kostet nur drei Cent mehr als ein vergleichbares qualitativ hochwertiges Produkt.“

Außerschulische Bildung im Weltladen

Der Verein präsentiert sich mit seinem Weltladen so, dass er zu einem Treffpunkt für Menschen wird, die die „EINE WELT“ im Blick haben. Hin und wieder lädt er, manchmal in Zusammenarbeit mit anderen Gruppen, zu Veranstaltungen ein, um das Lernen für und aus der „EINEN WELT“ zu fördern und organisiert Begegnungen zwischen Menschen aus den Erzeugerländern und aus dem Abnehmerland. Auch der Schuldenerlass für die ärmsten Länder liegt ihm am Herzen. Zum „globalen Lernen“ zählt auch das Wissen um die Zusammenhänge des „Fairen Handels“. Die „Aktion Eine Welt“ begrüßt es daher, wenn Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Schülern den Laden für Bildungsarbeit nutzen. Unterrichtsmaterial wird gerne zur Verfügung gestellt. Schmitz: „Wir brauchen wieder jemand, der hier aktiv Bildungsarbeit betreibt – eine pädagogisch geeignete Person, die Interesse an dem Thema hat.“ Wir fragen, wie man die Anliegen des Vereins sonst noch unterstützen kann. „Bei uns Einkaufen, mitarbeiten im Verkauf oder bei Aktionen, spenden oder Mitglied werden. Der Jahresbeitrag beläuft sich auf 25 Euro“, erwidert die Vorsitzende.

Wer etwas bewegen will, braucht Ideen

In diesem Jahr stehen wieder der Weltladen-Tag (14. Mai) und die Faire Woche (16. bis 30. September) an. Bereits am Valentinstag nutzten Mitglieder die Möglichkeit, durch den Verkauf von Rosen aus Kenia und Filzblumen aus Nepal mit interessierten Passanten ins Gespräch zum Thema „Fairer Handel“ zu kommen. Angedacht ist für dieses Jahr auch eine Informationsveranstaltung zum Transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP). So sind immer wieder Ideen gefragt, um die Thematik im Bewusstsein der Andernacher zu halten beziehungsweise Menschen für die Anliegen der „Einen Welt“ zu gewinnen. Einen Weltladen-Traum hat Sabine Schmitz: „Es wäre toll, wenn es uns gelänge, mal in einem FaiRegio-Café oder Restaurant den Gästen faire und regionale Speisen und Getränke anbieten zu können“.

Der FaiRegio-Laden in der Hochstraße ist montags von 12 bis 18 Uhr, dienstags bis freitags 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Informationen zum Verein „Aktion eine Welt“ findet man im Internet unter www.eineweltladen-andernach.de.

Doris Jonas und Sabine Schmitz blättern für „Blick aktuell“ in der 24-jährigen Chronik des Vereins „Aktion Eine Welt“ Andernach.

Doris Jonas und Sabine Schmitz blättern für „Blick aktuell“ in der 24-jährigen Chronik des Vereins „Aktion Eine Welt“ Andernach.

Der „FaiRegio“-Laden – für viele Andernacher ein Begriff für fair gehandelte Ware aus der Welt und frische Produkte aus der Permakultur und der Region. Fotos: MKA

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