Allgemeine Berichte | 26.11.2018

Claus-Dieter Schnug – Verfasser der Dorfchronik „Hilgert von 1349 bis 1974 in zwei Bänden“

Von Freunden und wahren Begebenheiten

Claus-Dieter Schnug und Horst Bartels (v.l.) präsentieren ihre Chronik stolz den vielen Besuchern.-MIH-

Hilgert. Claus-Dieter Schnug, von Beruf Richter am Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz, geht einem ganz besonderen und vor allem nicht alltäglichen Hobby nach. Er ist Autor, aber nicht irgendein Autor. Er schreibt weder Romane noch Gedichte. Nein, er verfasste, verbunden mit langen Recherchen, bisher zwei Bände einer Chronik seines Heimatortes Hilgert. Sein Großvater hatte in früheren Zeiten eine Bäckerei und seine Großmutter stammte aus der Familie der Pfeifenbäcker. Somit ist er mit dem Dorf tief verwurzelt und hat auch sein gesamtes Leben hier verbracht. In seiner Freizeit engagiert er sich ehrenamtlich im ortsansässigen Bommertverein.

Sein erstes Buch „Hilgert – Ein Westerwalddorf im Wandel der Zeit“ geht bis ins Jahr 1349 zurück. Der erste Teil der Pressedokumentation „Hilgert – Nachrichten aus einem Westerwalddorf (Teil 1)“ endet im Jahr 1974. Die beiden Bände sind ein Muss für alle Geschichtsinteressierten und Neugierigen und bieten eine hervorragende Grundlage für kommende Schmökerabende an kalten Wintertagen.

Im Interview mit Blick aktuell erfährt man mehr über seine Inspiration, seine Muße zwei solch zeitaufwendige und geschichtsträge Werke zu erarbeiten und zu veröffentlichen sowie die Augenblicke im Rahmen seiner Recherchen, die ihm wichtig sind und ihn besonders berührten.

Was zögerlich begann, endete mit zwei Chronikbänden

Blick aktuell: Herr Schnug, eine Chronik zu schreiben ist mit einem enormen Zeitaufwand sowie sehr viel Engagement und Liebe für die Sache verbunden. Wie sind Sie überhaupt auf diese Idee gekommen? Oder gab es eine besondere Situation als Auslöser?

Claus-Dieter Schnug: Ich war von 2006 bis 2010 Mitglied eines Arbeitskreises der Ortsgemeinde Hilgert, der sich zum Ziel gesetzt hat, einen Bildband mit einer kleinen historischen Einführung herauszugeben. Nach einigem Zögern hatte ich mich bereit erklärt, diesen Textteil zu übernehmen. Mit der Zeit wurden meine Recherchen intensiver, und das Manuskript wuchs immer mehr. Nachdem der Arbeitskreis dann jedoch nicht mehr vorangekommen war und im September 2010 an einem Scheideweg stand, entwickelten der Designer Horst Bartels und ich ein neues Konzept. Ergebnis war die Veröffentlichung der Ortschronik im Dezember 2013. Im Oktober 2017 folgte der erste Band einer auf mehrere Teile angelegten Pressedokumentation über Hilgert.

Fast 10 Jahre Autorentätigkeit

Blick aktuell: Wie sind Sie an dieses Projekt herangegangen und wie viel (Frei)Zeit haben Sie in die beiden Werke jeweils investiert?

Claus-Dieter Schnug: Mit Neugier und Liebe zum Detail. Als Nachfahre einer in Hilgert alteingesessenen Familie hat es mir Freude bereitet, mich in die Geschichte unseres Dorfes zu vertiefen, quasi jeden Stein umzudrehen und bisher verschollen geglaubtes Wissen der Vergessenheit zu entreißen. Schließlich wollte ich den Menschen des Ortes unsere Heimat möglichst lebendig und anschaulich näherbringen. Das Erstellen der beiden Werke hat deshalb von 2009 bis 2017 einen Großteil meiner Freizeit in Anspruch genommen.

Transkriptionen bis tief in die Nacht

Blick aktuell: Es ist ja sicher gar nicht so leicht, das Zeitgeschehen eines Dorfes so umfangreich zusammenzutragen. Wie kann man sich Ihre Arbeit vorstellen? Wie haben Sie recherchiert? Kommt man da sozusagen vom Hölzchen aufs Stöckchen oder wie erschlossen Sie sich Ihre Quellen, damit Sie die Geschichte Ihres Dorfes so weit zurückverfolgen konnten?

Claus-Dieter Schnug: Es waren unzählige Besuche bei Archiven, sonstigen Einrichtungen und Privatpersonen in mehreren Städten notwendig, um das umfangreiche Material zu sammeln und auszuwerten. Da viele Urkunden in den altdeutschen Schreibschriften verfasst waren, musste ich diese erst mühsam entziffern, um ihren Inhalt verstehen zu können. Oft habe ich bis in die tiefen Nachtstunden an der Herstellung von Transkriptionen gearbeitet. Auch führte ich immer wieder Gespräche mit Zeitzeugen zu bestimmten Einzelthemen.

Die Freundschaft mit Horst Bartels – ein Glücktreffer

Blick aktuell: Wer hat Sie während Ihrer Arbeit an den Chroniken besonders unterstützt?

Claus-Dieter Schnug: In jeder Hinsicht stand mir Horst Bartels zur Seite, den ich seit mehreren Jahren kannte und der sich Anfang Januar 2011 spontan bereit erklärt hat, die künstlerische Leitung zu übernehmen. Dies war für mich ein Glücksfall. Mit einer Fülle von Ideen, klaren Vorstellungen und einer großen Sachkenntnis -MIH-baute er ein umfangreiches Medienarchiv auf, restaurierte zeitaufwendig die einzelnen Bilder und gestaltete professionell Kapitel für Kapitel beider Bücher. Die zwei Bände sind daher in allen Teilen unser gemeinsames Werk.

Dankbar für vielfältige Unterstützung

Blick aktuell: Gab es zwischendurch Durststrecken?

Claus-Dieter Schnug: Es gab keinerlei Durststrecke oder Leerlauf. Meine Nachforschungen habe ich während der gesamten Zeit kontinuierlich und zielstrebig betrieben. Bei der Materialbeschaffung sowie der Informationsgewinnung waren die Angehörigen der Archive, mehrere Heimatforscher der Region und vor allem viele Einwohner von Hilgert sehr hilfreich. Für deren vielfältige Unterstützung bin ich noch heute dankbar. Außerdem habe ich mich darüber gefreut, dass ich für das Verfassen der zwei Geleitworte den Fürsten zu Wied sowie Professor Dr. Udo Ernst Simonis, einen prominenten Sohn der Gemeinde und Ehemann der früheren Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, Heide Simonis, gewinnen konnte.

Das dunkle Kapitel Nationalsozialismus

Blick aktuell: Wie standen die Dorfbewohner Ihren Recherchen gegenüber?

Claus-Dieter Schnug: Ganz überwiegend aufgeschlossen und zustimmend. In Teilen der einheimischen Bevölkerung wurde jedoch vor der Veröffentlichung des ersten Buches kontrovers diskutiert, ob und in welcher Weise die Zeit des Nationalsozialismus dargestellt werden sollte. Viele Gemeinden in Deutschland trauen sich leider bis in die Gegenwart hinein nicht, in ihren Ortsgeschichten dieses dunkle Kapitel mehr als nur oberflächlich zu behandeln. Mir kam es darauf an, die Wahrheit wiederzugeben. Das ist in Hilgert gelungen.

Das Schicksal von Johanna und Wilhelm Kirchner

Blick aktuell: Gab es eine von Ihren zutage geförderte Geschichte, die Sie besonders bewegte?

Claus-Dieter Schnug: Kein Schicksal hat mich so berührt wie dasjenige von Wilhelm und Johanna Kirchner. Johanna war die Jüdin, die in den Gaskammern von Auschwitz ermordet wurde, Wilhelm war ihr Ehemann, der bis zuletzt unerschütterlich zu ihr gehalten hat. Sein mutiger Brief an die Gestapo und die Versuche, seine Frau zu retten, haben mich tief bewegt. Es war mir ein besonderes Anliegen, die Erinnerung an das Ehepaar wachzuhalten. Insbesondere bin ich dankbar dafür, dass ich die sehr würdige Gedenkveranstaltung aus Anlass der Verlegung von zwei Stolpersteinen im März 2017 mitgestalten durfte.

Der Brexbachtalautobahn- brückenpfeiler

Blick aktuell: Gab es bei Ihren Recherchen ein besonderes Ereignis oder eine lustige Situation, welche Ihnen in guter Erinnerung geblieben ist?

Claus-Dieter Schnug: Anlässlich unserer gemeinsamen Besprechungen im Atelier von Horst Bartels gab es immer wieder kurzweilige Momente. Zum Beispiel musste sich der Künstler gefallen lassen, dass ich ein auf einem Eröffnungsbild zu sehendes amerikanisches Kampfflugzeug als „Bartelsbomber“ bezeichnete. Und als ich seine vorgesehene Bildunterschrift „Brexbachtalautobahnbrückenpfeiler“ sah, lautete mein spontaner Kommentar: „Herr Bartels, Sie haben ein Wortungetüm erschaffen.“ Einmal zeigte er mir eine alte Ansichtskarte, welche die Hilgerter Turnhalle mit einem beschädigten Dach abbildete. Auf der von ihm restaurierten Fotografie war es dagegen ganz. Seine Erklärung: „Das sah unmöglich aus. Deshalb habe ich das Dach repariert.“

Autor freut sich über Begeisterung der Bevölkerung

Blick aktuell: Was hat Ihnen als Autor bisher die größte Freude bereitet?

Claus-Dieter Schnug: Die positive Resonanz der Bevölkerung nach dem Erscheinen der Bücher. Beide Publikationen haben Maßstäbe gesetzt und wurden von den Einwohnern der Gemeinde angenommen. Es gab außerdem zwei ansprechende Präsentationsveranstaltungen im Keramikmuseum Westerwald in Höhr-Grenzhausen sowie mehrere sehr gute Kritiken in der Presse und in sonstigen Publikationen. Ich selbst habe viele begeisterte Zuschriften aus nah und fern erhalten.

Literarische Vorlieben

Blick aktuell: Ihre Hobbies sind Geschichte und Literatur. Gibt es neben dem Zeitgeschehen ein geschichtliches Thema, das Sie besonders interessiert? Welches ist Ihr Lieblingsbuch?

Claus-Dieter Schnug: Mein Interesse an geschichtlichen Themen ist breit gestreut und erstreckt sich von der griechischen Polis bis zu Gegenwartsthemen wie die europäische Flüchtlingskrise. Ein Lieblingsbuch habe ich nicht. Jedoch hat mich das Gesamtwerk von Hermann Hesse mit dem dahinterstehenden Leitmotiv „Sei du selbst“ sehr beeindruckt. Ich versuche, mein eigenes Leben an diesem Grundgedanken auszurichten. Ferner bin ich ein Fan von J.R.R. Tolkiens Trilogie „Der Herr der Ringe“ und von Tad Williams‘ Fantasy-Epos „Der Drachenbeinthron“.

Offen für die nächste Entdeckungsreise

Blick aktuell: Und nun ein kleiner Blick in die Zukunft. Dürfen die Leser noch auf ein weiteres Buch hoffen? Wenn ja, was ist sein Inhalt und wann wird es aufgelegt?

Claus-Dieter Schnug: Ich beabsichtige natürlich, die mit dem Jahr 1974 endende Pressedokumentation fortzusetzen. Hierzu sind jedoch erneut umfangreiche Recherchen erforderlich, deren Dauer derzeit nicht absehbar ist. Nach zwei Veröffentlichungen innerhalb von vier Jahren ist der kleine Markt für ortshistorische Abhandlungen über Hilgert zudem momentan gesättigt. Deshalb kann ich im Augenblick kein konkretes Erscheinungsdatum für ein drittes Buch nennen. Im Übrigen bin ich gespannt, wohin mich meine Entdeckungsreise durch die Geschichte meines Heimatdorfes noch führen wird.

Trifft man Claus-Dieter Schnug heute auf Veranstaltungen im Dorf, so ist er immer mit der Kamera unterwegs, um die Geschehnisse seines Heimatortes selbst bildlich zu dokumentieren. So können sich die Hilgerter in der angedachten nächsten Pressedokumentation auf Bildmaterial und erlebtes Wissen aus erster Hand freuen.

Claus-Dieter Schnug liest bei der Pressedokumentation aus seinem Buch. Privat

Claus-Dieter Schnug liest bei der Pressedokumentation aus seinem Buch. Foto: Privat

Claus-Dieter Schnug und Horst Bartels (v.l.) präsentieren ihre Chronik stolz den vielen Besuchern.Foto: -MIH-

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Julia Doll : Lieber Roman, ja absolut, sehe ich ganz genauso
  • Roman Bermel: Hallo Julia. Du hast vollkommen recht. Ich habe lange bei euch gearbeitet und bin auch heute noch in der Grundschule unterstützend tätig. Ich kann nicht feststellen, dass weniger Unterstützung notwendig ist, eher das Gegenteil ist der Fall.
  • Ignaz Wrobel: Bedauerlich und fragwürdig finde ich, dass offenbar nicht die konstruktive Mitarbeit (!!!) in kommunalen Gremien zur grundlegenden Mitwirkung bei solchen Entscheidungen gesucht wird. Ich würde mich...
  • W. Harkort: Danke für diesen Kommentar. Gab es auch Einwendungen wegen seltener Ameisen? Irgendwann in naher Zukunft werden diese Leute ihre Entscheidung bereuen. Dann ist es aber zu spät.
  • Walter Knieps: Warum erst jetzt ?!?!
Kreishandwerkerschaft
Industriemechaniker
Innovatives rund um Andernach
10 Jahre NoWi Bau
Maikirmes Franken
10 Jahre NOWI
10 Jahre NoWi
Nachruf Karl-Heinz Knops
Empfohlene Artikel
Meckenheim geht beim Fußverkehrs-Check mit, von links: Christoph Overs, Leiter der Geschäftsstelle und der Koordinierungsstelle Zukunftsnetz Mobilität NRW Rheinland, die städtische Mobilitätsmanagerin Liena Humke, Umweltplanerin und Mobilitätsmanagerin Nele Allerchen, Bürgermeister Sven Schnieber und der Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW Oliver Krischer. Foto: go.Rheinland GmbH / Smilla Dankert
59

Meckenheim. Es ist die umweltfreundlichste Fortbewegungsart der Welt. Deshalb soll das Gehen in Meckenheim nun mehr Aufmerksamkeit bekommen: Beim landesweiten Wettbewerb um einen professionellen „Fußverkehrs-Check“ wurde Meckenheim vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Zukunftsnetz Mobilität NRW als teilnehmende Stadt ausgewählt.

Weiterlesen

Die Vierklässler entdecken die Römerwelt.  Fotos: Grundschule Rheinbrohl
37

Rheinbrohl. Ein außergewöhnliches Projekt voller Entdeckungen, Abenteuer und lebendiger Geschichte liegt hinter den vierten Klassen der Astrid-Lindgren-Schule Rheinbrohl. In den vergangenen Wochen verwandelte sich der Unterricht in eine kleine Römerwelt. Im Rahmen eines umfangreichen Römerprojekts tauchten die Kinder tief in das Leben der alten Römer ein und erfuhren Geschichte nicht nur aus Büchern, sondern mit allen Sinnen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: pixabay.com
32

Bonn. In der Leitstelle von Feuerwehr und Rettungsdienst ging am 1. Mai gegen 21 Uhr ein Notruf ein. Der Anrufer meldete dunkle Rauchschwaden im Bereich des 80 Meter hohen Vierungsturms des Bonner Münsters. Umgehend wurden wegen des möglichen Schadenpotentials zahlreiche Einsatzkräfte zum Münsterplatz alarmiert.

Weiterlesen

Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Rund ums Haus
Essen auf Rädern
Kreishandwerkerschaft
Schulze Klima -Image
Minijob
Innovatives rund um Andernach
10 Jahre NoWi
Maikirmes Franken
10 Jahre NoWi
Berufskraftfahrer gesucht
Outdoormöbel
Door To Door Anzeige
Titelanzeige
Azubispots Bad Neuenahr 2026
Image
Stellenanzeige Bauingenieur Trinkwasserversorgung/Abwasserbeseitigung
Anzeige KW 18