Strafverteidiger und Autor Uwe Krechel liest vor vollem Haus in der Bücherbrücke
Von Mördern und dem Mathelehrer
Meckenheim. Todernste Themen mit Humor zu verbrämen ist eine angelsächsische Spezialität. Uwe Krechel, ein echter Rheinländer, kann das aber auch. Davon durften sich die zahlreichen Besucherinnen und Besucher überzeugen, die zur Lesung aus dem Buch „Mördermann – ich verteidige Menschen, nicht ihre Taten“ in die Bücherei „Bücherbrücke“ in Meckenheim gekommen waren. Obwohl es um Mord und Totschlag ging, wurde immer wieder gelacht. Das Büchereiteam und die Frauen Union Meckenheim hatten zu diesem Abend eingeladen.
Krechel ist Anwalt und Strafverteidiger für Fälle, die nichts für schwache Nerven sind und die mancher andere gar nicht annehmen mag. Mit 366 Morden hat er sich im Laufe der Jahre (neben vielen anderen Taten) beruflich befasst und versucht, die Angeklagten bestmöglich zu verteidigen. Schwerstkriminelle, Mörder und Totschläger, aber auch Unschuldige waren darunter. Eine Schwäche hat Krechel zudem für hochkomplexe Fälle der Wirtschaftskriminalität.
In jedem Rechtssystem der Welt steht Angeklagten eine Verteidigung zu, wenn auch in totalitären Staaten manchmal nur zum Schein. Uwe Krechel arbeitet mit seinen Klienten an der Verteidigungsstrategie und bläut ihnen ein, dass Psychologie auch im Gerichtssaal eine Rolle spielt: Ein arrogant und unsympathisch auftretender Angeklagter kann schon in den ersten Minuten sein Schicksal besiegeln, sagte er. Nebenher räumte er mit weit verbreiteten Missverständnissen auf: „Lebenslang“ bedeute keineswegs, dass ein Täter nach 15 Jahren wieder auf freiem Fuß ist – die Strafe kann, wenn besondere Schwere der Schuld festgestellt wird, auch 25 Jahre oder länger oder sogar wirklich ein Leben lang dauern. Dem Gerücht, in Deutschland lasse man Täter oft laufen, widerspricht er vehement.
Der Abend geriet weniger zur Lesung, mehr zum Gespräch, weil Uwe Krechel Vorlesen einschläfernd fürs Publikum und sich selbst findet. Die Gäste stellten viele Fragen, zum Beispiel: Verfolgen ihn seine Fälle im Schlaf? Nein, sagte der Jurist: „Mein Mathematiklehrer erscheint mir deutlich öfter in meinen Träumen als die schlimmsten Straftäter.“ Fälle, in denen die Opfer Kinder oder Jugendliche sind, empfindet er aber als sehr schlimm. Wird er bedroht? Ja, gelegentlich schriftlich, und dann versucht er, den Namen herauszukriegen und ruft an. Das Resultat ist dann meist eine erschrockene Entschuldigung. Angst hat er nicht, „sonst könnte ich diese Arbeit nicht machen“.
Zu Beginn des Abends hatten Büchereimitarbeiterin Gunda Möller und Frauen-Unions-Vorsitzende Sabrina Gutsche den Autor und die Gäste begrüßt. Die Lesung war ausgebucht, der Beifall am Ende groß.
