Allgemeine Berichte | 29.12.2023, 14:49 Uhr

Erhard Wacker stellt im neuen Buch spannende Auszüge privater Zeugnisse über die weltliche Zeit des Apollinarisberges zusammen

Von Rheinromantik bis Ärger mit den Pächtern

Erhard Wacker mit seinem neuesten Buch „Der weltliche Apollinarisberg“.  Foto: HG
64

Remagen. Weihrauch und Wallfahrt, Kloster und Kirche verbindet man mit dem Apollinarisberg, der seit Jahrhunderten Pilgerziel ist und wo spätestens im 9. Jahrhundert schon die erste Martinskapelle stand. Eine weltliche Phase begann, als die Franzosen linksrheinisch Kirchen und Klöster säkularisierten. Darauf ersteigerten 1807 Sulpiz Boisserée und der deutsch-französische Diplomat Karl Friedrich Reinhard, der seinen Teil 1821 an Sulpiz‘ Bruder Melchior veräußerte, das ehemalige Klostergut Apollinarisberg. Von den Kunst sammelnden Boisserées, darin einig mit dem Freund Johann Baptist Bertram, war Sulpiz die treibende Kraft, auch für sein größtes Projekt, die Vollendung des Kölner Doms.

Fast 30 Jahre gehörte den Brüdern das Gut mit Äckern, Wald, Wiesen und Weinbergen. Waren sie tage- oder wochenweise da, während sie sonst in Köln und später auch in Heidelberg, Stuttgart oder München lebten, wohnten sie im Klostergebäude. Kulturbeflissene und Freunde beehrten sie, so Bethmann-Hollwegs von Burg Rheineck, Ernst Moritz Arndt, August Wilhelm und Dorothea Schlegel. Selbst Friedrich Wilhelm IV. besuchte den Berg als Kronprinz und König, wie auch Personen etlicher Königshäuser. Erhard Wacker stellt in seinem neuen Buch „Der weltliche Apollinarisberg (1807 – 1857) zur Zeit der Gebrüder Boisserée und Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim“ Auszüge aus Sulpiz‘ Tagebüchern und Briefen vor sowie aus Briefen an diesen etwa von Graf Reinhard, Goethe, Schopenhauer und Zwirner. 1836 erwarb Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim den Besitz und erbaute die Apollinariskirche. Mit deren Weihe 1857, der Rückkehr der Apollinaris-Kopfreliquie und dem Franziskaner-Einzug endete die bürgerliche Ära auf dem Berg. Die Zeit des Kirchenerbauers beleuchten etwa Dokumente aus dem Archiv Fürstenberg-Stammheim, Zeitungsartikel und Sekundärliteratur.

Indem Wacker die Quellen sprechen lässt, blüht im O-Ton die romantische Stimmung der Boisserées auf. Sulpiz schreibt im Herbst 1811 aus Köln an Melchior: „Erst gestern Abend bin ich vom Apollinarisberg zurück gekommen. Ich war so froh und selig dort oben, wäre der Dom nicht der Dom, nichts Anderes hätte mich wieder in die Stadt gezwungen“. Bald darauf über die Weinlese: „Die Leute sangen und tanzten in der Küche. Dieser Herbst war das schönste Bild der Fröhlichkeit, das ich gesehen hab...“

Im selben Jahr bedrängte Sulpiz Goethe: „Die Trauben stehen in höchste Fülle...Die Natur selbst macht es ihnen zum Gesetz, dass Sie uns besuchen müssen“. Viele kamen, doch Goethe nicht, der sich gleichwohl die bedeutende Malerei-Sammlung der Boisserée-Brüder später in Heidelberg ansah. Da ein Gut verwaltet sein will, lesen wir auch von Rechnungen, Reparaturen, Ärger mit dem Pächter. Die Mönche waren fort, doch kamen noch 1814 aus Holland Pilger nach Rom wie ehedem zum Berg. Die Details machen den Reiz aus, auch bei Ausflügen und magischen Momenten, so wenn Sulpiz im Sommer 1833 an Melchior, bei offenem Fenster aufs Siebengebirge blickend, von Vogelgesang und Glockengeläut schreibt.

Das Buch, 316 Seiten, 82 Abbildungen, ISBN 978-3-910257-16-0, kostet 16 Euro.

HG

Erhard Wacker mit seinem neuesten Buch „Der weltliche Apollinarisberg“. Foto: HG

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Angebot Goldener Werbeherbst
Imageanzeige Dauerauftrag 11/2025
Zählerablesung 50% Rabatt
Stellenanzeige Kaufmännische/r Mitarbeiter/in für Verwaltung, Sekretariat & Personal (m/w/d)
Anzeige Jubiläumsaktionen
Stellenanzeige: Sachbearbeiter Vorzimmer und Gärtner (m/w/d)
Weitere Artikel
In Brogsitters Gasthaus Sanct Peter wurden die besten Ahrweine des Jahres 2026 ausgezeichnet.
1540

Siegerweine zeigen die außergewöhnliche Klasse an der Ahr

Ahrweine des Jahres 2026 ausgezeichnet

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Zum 16. Mal zeichnete der Weinpreis „Ahrwein des Jahres“ die besten Weine des Anbaugebiets Ahr aus. Insgesamt 97 Weine wurden in diesem Jahr in sechs Kategorien bewertet. Die Preisverleihung fand in Brogsitters Gasthaus St. Peter in Walporzheim statt, wo Winzerinnen, Winzer und Weinfachleute zusammenkamen, um die Siegerweine zu würdigen.

Von Barbara Knieps aus Bad Neuenahr-Ahrweiler

Weiterlesen

Links: Straßenschild Rheinstraße, Mitte: Nostalgisches Bild der Rheinstraße/Vater Rhein (vom Stadtmuseum Andernach), Rechts: Frau Grafen heute
1174

Andernach. Wenn Christina Grafen von ihrer Zeit in der Andernacher Rheinstraße erzählt, klingt es fast so, als würde man für einen Moment die Musik von damals wieder hören. Tanzflächen voller Menschen, mehrere Theken, an denen die Getränke ausgeschenkt wurden, ausgelassene Stimmung und mittendrin sie – meistens hinter dem Tresen, wo es selten ruhig zuging.

Von Dilara Köksal aus Andernach

Weiterlesen

v.l.n.r.: Daniel Phiesel, Christel Engeland, Stefan Raetz, Marcel Richter, Martin Warkentin
466

Rheinbach. Die Bürgerstiftung „Wir für Rheinbach“ hat auch für 2027 wieder einen Rheinbach-Kalender herausgebracht. Die Vorstände Bürgermeister Dr. Daniel Phiesel und Marcel Richter: „Der Bildkalender erfreut sich auch in der 13. Auflage großer Beliebtheit und zeigt wieder interessante Rheinbacher Motive.“ Mit Martin Warkentin hat die Bürgerstiftung erneut einen jungen Fotografen aus Rheinbach gefunden, der mit einem eigenen Blick auf die Rheinbacher Motive schaut.

Von Stefan Raetz aus Rheinbach

Weiterlesen