Allgemeine Berichte | 08.05.2019

Heimische Künstlerin stellt in China aus

Von Westum nach Peking

Sieben Ölgemälde von Edith Schumacher-Reinhard werden im Museum für zeitgenössische Kunst gezeigt

Das Malen ist für Edith Schumacher-Reinhard eine Berufung. Foto: HG

Sinzig. Edith Schumacher-Reinhard aus Westum ist es ernst mit ihrer Malerei. Mit Hingabe und Ausdauer sitzt sie allmorgendlich an der Staffelei. Diese Zeit hat sie reserviert für das, was ihr am wichtigsten ist. Vor 16 Jahren rang sie sich zu dem Entschluss durch, den bisher ausgeübten Beruf „an den Nagel zu hängen“. Der Drang zum Malen, den sie schon in ihrer Kindheit verspürte, ließ sich nicht mehr unterdrücken.

Einige Male ist Schumacher-Reinhard mit ihren Arbeiten auch bereits an die Öffentlichkeit getreten. Sie stellte dreimal in Maria Laach aus, einmal in Freiburg und Adenau, nahm 2006 beim Lebenskunstmarkt in Remagen teil und 2016 in Sinzig an der ArtAhr. Dort zeichnete das Publikum sie als beste Künstlerin aus. Doch nun holte die Malerin, die handwerklich versiert bei der Sache ist, zum großen Sprung aus. Sie befand, „meine Bilder sollten in China zu sehen sein“ und schickte sie, vermittelt durch die Hamburger „Pashmin Art Gallery“, ins Museum of Contemporary Art in Peking. Sieben ihrer Arbeiten werden zusammen mit denen von 27 weiteren Künstlern dort vom 11. Mai bis 11. Juni in der Ausstellung „The Crossroads of the World“ zu sehen sein, wobei der Künstlerin ein eigener Bereich zusteht.

Natur und Kunst vereint

Sie selbst reist nicht mit. Zuhause im Atelier hat die verheiratete zweifache Mutter noch das riesige Porträt einer Tochter in Arbeit. Meist aber abstrahiert sie Landschaftseindrücke. „Wenn ich zum Strand gehe, dann sehe ich den Müll nicht, den blende ich aus“. Folglich lässt Schumacher-Reinhard auch in ihren Bildern weg, was vom Menschen zeugt. Stattdessen rückt sie in Streuobstwiesen Gräser und Blüten nahe, verwilderte Bäume, ruhige Gewässer. Genauso würden auch sie ihre Umwelt wahrnehmen, haben Schumacher-Reinhard Freunde ihrer Malerei berichtet. Die Künstlerin zieht es hin zu stillgelegten Kiesgruben, Industriebrachen, Straßenränder, Gebiete, wo die Natur Terrain gutmacht. Denn, so die 1965 in der Kreisstadt Geborene und dort Aufgewachsene: „Ich war immer ein Naturkind.“ Da für den Vater Kunst als Studienfach „nicht in Frage kam“, nahm sie in Bonn ein philologisches Studium auf. Von 1991 und 2002 war sie Mediendesigner bei Verlagen in Köln und Sinzig. Als freischaffende Malerin aber erlebt sie seit 2003, wie zwei Neigungen, die Liebe zur Natur und zur Kunst, zusammenfließen.

Die Grautöne Europas

Sie nahm künstlerischem Unterricht. Daneben hat sie sich autodidaktisch in den Techniken Pastell, Aquarell und Acryl weitergebildet und sich die klassische Ölmalerei selbst beigebracht. An der Staffelei trägt sie auf einen Acrylgrund schichtweise Ölfarbe auf, die immer wieder trocknen muss. Ohnehin entstehen ihre Bilder nicht schnell. Zwei Monate braucht die 54-Jährige für die im Goldenen Schnitt ausgeloteten und in Komplementärfarben ausgeführten Formate mindestens. Die vielen Details verlangen ebenfalls eine sorgsame Behandlung. Schumacher-Reinhard bindet sie auf eine ihr eigene Weise in die Fläche ein und bremst die Unruhe durch „die Grautöne Nordeuropas“. Oft sind die Pflanzen- und Wasserszenarien von einer geheimnisvollen Helligkeit umfangen. Manche wirken wie überbelichtet. Andere scheinen von innen zu leuchten, so das Triptychon bildfüllender Blätter namens „Analysis“, das mit nach China reist und symbolisch für Sommer, Herbst und Winter eines Menschenlebens steht.

Gretel und Mottenmann

In Peking werden ebenfalls gezeigt das Wasserstück „Unkelbach“, ein „Gretel“-Bild, „Mothman“, Mottenmann, der sich nur durch seine Struktur vom Untergrund abhebt, sowie eine abstrahierte Landschaft, betitelt „The Village“. Fasziniert vom Land der aufgehenden Sonne durch eine frühe Lektüre der Romane Pearl S. Bucks und motiviert durch den Erfolg einer Künstlerkollegin nach zwei Ausstellungen in Japan, beschloss Schumacher-Reinhard, ihre Arbeiten in China zu zeigen. Die Suchbegriffe „Ausstellung“ und „China“ führten im Internet umgehend zur Hamburger „Pashmin Art Gallery“. Die Galerie vertritt internationale zeitgenössische Künstler und vermittelt dank Kooperationen, wie mit dem Pekinger Museum, Verkaufsausstellungen für „Nachwuchskünstler“, sprich überregional unbekannte Künstler. 1000 bis 2000 Künstler-Anfragen erreichen laut Mitarbeiterin Nicole Rietbrock jährlich die Hamburger Adresse. „Gerade der Markt in China ist unglaublich wichtig“, weiß sie. Die Vermittlung hat ihren Preis. „Als neuer Künstler kämen Sie da sonst nicht rein; Sie müssen heutzutage schon Geld in die Hand nehmen“, so Rietbrock. Künstlerin Edith Schumacher-Reinhard betont indes: „Ich sehe China nicht als meine große Chance, meine große Chance ist meine Malerei und mein Leben.“

HG

Wie ein verwunschener Ort wirkt dieser See des Gemäldes „Unkelbach“. Foto: Edith Schumacher-Reinhard

Wie ein verwunschener Ort wirkt dieser See des Gemäldes „Unkelbach“. Foto: Edith Schumacher-Reinhard

Das Malen ist für Edith Schumacher-Reinhard eine Berufung. Foto: HG

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
"Harald Schweiss"
Titel - Alles für die Schule
Anzeige Alles für die Schule
kostenlose Wiedergutmachung aus 995874
Stellenanzeige Reinigungskraft
Kirmes Arzheim
Dauerauftrag 2026
Architekten; Bauzeichner
Empfohlene Artikel
Die Vorfreude auf die Meisterschaften sind schon groß.  Foto: AKS
11

Bad Breisig. Der Tennisclub Blau-Weiss Bad Breisig wurde 1957 gegründet und gehört mit ca. 300 Mitgliedern, darunter etwa 100 Kinder und Jugendliche zu den größten Vereinen der Quellenstadt. Zehn Erwachsenenmannschaften und sieben Kinder- und Jugendmannschaften nehmen an Ligenspielen teil, wobei neben dem sportlichen Ehrgeiz auch Fairness und Teamgeist im Mittelpunkt stehen. Damit ist der Tennisclub auch ein wichtiger Anbieter von sozialer Jugendarbeit.

Weiterlesen

Symbolbild.
154

Meckenheim. In der Nacht zum Freitag, dem 24. Juli 2026, ereignete sich in Meckenheim ein Brand in einem Mehrfamilienhaus an der Adendorfer Straße. Dabei wurden mehrere Bewohner leicht verletzt. Das Kriminalkommissariat 11 hat die Ermittlungen aufgenommen und sucht nach Zeugen, die Hinweise geben können.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: ROB
21

St. Katharinen. Bei einem Verkehrsunfall auf der Linzer Straße in St. Katharinen sind am Donnerstag, 23. Juli, gegen 6.53 Uhr ein Transporter und ein Linienbus zusammengestoßen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
2044

Koblenz. Die Moselweinstraße (B416) zwischen Metternich und Güls wird erneut voll gesperrt, um Markierungsarbeiten durchzuführen, die aus zeitlichen Gründen beim ersten Mal nicht abgeschlossen werden konnten. Die Sperrung erstreckt sich vom 3. bis zum 7. August und betrifft den Abschnitt von der Eisenbahnbrücke in Güls bis zur Kreuzung „An der Fähre“. An den ersten drei Tagen, vom 3. bis 5. August,...

Weiterlesen

Symbolbild.
654

Ein Mann sprang kurz nach dem Mädchen vom 5-Meter-Turm und prallte auf das Kind

Neunjährige nach Badeunfall in Rengsdorf schwer verletzt

Rengsdorf. Nach Informationen des SWR ist eine neunjährige Besucherin des Freibads in Rengsdorf bei einem Badeunfall schwer verletzt worden. Die Polizei hat Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung aufgenommen.

Weiterlesen