Zum Patronatsfest der Kirche St. Maria Magdalena
Von den Anfängen bis zur Gegenwart
Rheinbreitbach. Es dürfte für die katholischen Christen in Rheinbreitbach eine wahre Freude gewesen sein als im Jahre 1620 die Urkunde aus Köln kam, dass nun die Kirchengemeinde eine eigene Pfarrei sei. Jahrzehntelang hatte man für eine Abspaltung von der Kirche in Unkel gekämpft.
Christliche Gebetsräume sowie Vorgängerbauten der Kirche St. Maria Magdalena am Kirchplatz dürfte es bereits zur Frankenzeit gegeben haben. Sicher ist, dass es eine Kirche mit Glockenturm und einem Hof (Templerhof) im Mittelalter an der Stelle der heutigen Kirche gab. Diese wurde im kurkölnischen Krieg (1583-1588), als die Truppen des konvertierten protestantischen Erzbischofs Gebhard Truchsess von Waldburg plündernd durch Rheinbreitbach zogen, in Brand gesetzt. Der romanische Kirchenbau sowie der angrenzende Templerhof wurde hierbei bis auf die Grundmauern zerstört. Die katholischen Christen ließen sich hierdurch jedoch nicht entmutigen und bauten ihre Kirche im gotischen Stil wieder auf, was einen enormen finanziellen Aufwand für die kleine Gemeinde Rheinbreitbach bedeutete.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich die Verantwortlichen der kurkölnischen Verwaltung von den Katholiken in Rheinbreitbach sowie Gemeindevertretern in der Trennungsurkunde von 1620 bestätigen ließen, dass zur Finanzierung des Kirchenbaus sowie zur Besoldung des Pfarrers Zehnterträge und Abgaben im Wert von 100 Thalern, auch in Krisenzeiten, verpflichtend zu entrichten seien. Dies hing wohl auch mit der gesamtpolitischen Situation in Europa zusammen, da gerade der dreißigjährige Krieg 1618 losbrach und Söldnerheere, der jeweils anderen Konfession plündernd und raubend durch die Lande zogen.
Zum Nachteil der katholischen Christen in Rheinbreitbach erfüllte sich dieses Schreckensszenario dann auch, indem Gustav Adolf von Schweden mit seinen Truppen durch den Ort zog und die Kirche wohl ein zweites Mal in Brand setzte.
Doch die Rheinbreitbacher Christen ließen sich hierdurch nicht beirren, bauten ihre Kirche unter großen Mühen in den folgenden Jahren wieder auf und es entstand eine neue gotische Kirche, die später im 18. Jahrhundert mit mehreren Barockaltären sowie einer reich verzierten Kanzel mit Engel erweitert wurden. Eine Besonderheit der alten Kirche war hierbei, dass man die Verstorbenen eng bei sich haben wollte, sodass der Friedhof direkt neben der Kirche im Schatten von altgewachsenen Bäumen lag. Erst als der Friedhof zu klein wurde, errichtete man in den 1930er Jahren den neuen Waldfriedhof an der Westerwaldstraße.
Im Ersten und Zweiten Weltkrieg opferten die Rheinbreitbacher auf Anweisung der Regierungen ihre Kirchenglocken, um das Metall für Kanonen und Waffen verwenden zu können. Nach beiden Kriegen wurden mit großem finanziellem Aufwand neue Glocken beschafft.
In den 1950er Jahren begann man unter Pfarrer Ermert trotz großer finanzieller Probleme in der Nachkriegszeit eine aufwändige Renovierung des Kirchengebäudes, welches die Rheinbreitbacher ihrem findigen Pfarrer mit einer eigenen Figur im Rippengewölbe dankten.
Friedhof muss Kirchenanbau weichen
Bis 1966 bestand die barocke Kirche St. Maria Magdalena in dieser Form fort, bevor der damalige Pfarrer meinte, dass die Kirche für die Anzahl der katholischen Christen in Rheinbreitbach nicht mehr ausreichen würde. Somit entschied man sich, den über 400 Jahre alten Friedhof neben der Kirche abzubrechen, die Gräber zu entfernen und den kompletten Nordteil der Kirche abzureißen. An die Stelle des Friedhofs wurde ein als damals modern geltender wuchtiger Backsteinbau mit Betondach gesetzt. Trotz Protest esder Bevölkerung sowie manchem Gemeindemitglied wurde der Bau umgesetzt. Schmerzlich mussten die Angehörigen mit ansehen, wie die Gräber ihrer Vorfahren ausgehoben und deren Knochen auf Lastwagen abtransportiert wurden. Auch die Grabkreuze wurden dem Bauschutt beigegeben. Die alte Sakristei wurde abgerissen, die Hunderte Jahre alten Beichtstühle auf den Müll geworfen und der Treppenaufgang zum Kirchturm niedergelegt. Bei diesen Arbeiten fand man im Untergrund die Überreste und Fundamente des ehemaligen Templerhofes, der als Ursprungsbau der Kirche St. Maria Magdalena. Wissenschaftlich unbewertet betonierte man diese zügig zu, um das Fundament für den Neubau errichten zu können, der dann erst 1978 vollständig fertig gestellt werden konnte.
Über die Architektur der Kirche scheiden sich bis heute die Geister. Während die einen meinen, dass es sich um eine gelungene Verbindung von Alt und Neu handelt (moderne Regional), sagt die Architekturwissenschaft hier etwas gänzlich anderes. Form, Größe und Materialauswahl seien überdimensioniert und unpassend ausgewählt worden. Der Neubau zolle dem alten Teil der Kirche keinen Respekt und verschlucke diesen förmlich. Bei der Konzipierung des Kirchenanbaus 1966 ging man noch von einem weiteren Wachstum der Ortsgemeinde Rheinbreitbach und einem Zuzug von Christen aus. Doch hierbei kam es anders. Durch die Gastarbeiter aus der Türkei sowie Zuzüge aus dem Ausland stieg zwar weiterhin die Anzahl der Einwohner, aber diese hatten eine andere Konfession oder Religion oder waren konfessionslos. Durch die 68er Bewegung traten viele junge Menschen zudem bereits aus der Kirche aus, um dem starren System zu entkommen. Durch die Missbrauchsfälle Anfang des 21. Jahrhunderts und dem Umgang der katholischen Kirche hiermit sowie dem sozialen Rückzug aus Kindergärten und Schulen aus finanziellen Gründen, traten immer mehr Menschen aus der Kirche aus. 2005 waren von den ca. 4500 Einwohnern Rheinbreitbachs noch 2300 Menschen katholisch. Im Jahre 2023 sind es nur 1700 Menschen, was einen Verlust von 13 Prozent bedeutet. Die Zahlen sinken weiter.
Kontroverse Idee
Aus diesem Grund gibt es seit 2023 von einzelne Christen Überlegungen, die Kirche wieder auf das alte Maß zu verkleinern, da die Sorge besteht, dass auf Dauer die finanziellen Ausgaben für die Kirche die Einnahmen übersteigen könnten und das Überleben der Pfarrei dadurch gefährdet wäre. Erst als eine öffentliche Unterschriftensammlung zum Rückbau der Kirche gestartet wurde, fand das Anliegen bei den entsprechenden Stellen Gehör. Die Idee stieß bei der Bevölkerung auf gemischte Gefühle. Manche fanden die Idee eines Rückbaus sehr sinnvoll, andere wiederum reagierten sehr emotional. Letztlich wurde die Unterschriftensammlung abgebrochen, da die auslegenden Geschäftsinhaber von Einzelpersonen bedroht wurden.
Wie die Entwicklung um die katholische Kirche in Rheinbreitbach sowie die Kirchengemeinde jetzt weiter geht, steht in den Sternen
Thomas Napp
