Evangelische Frauenhilfe Andernach blickt auf 120 Jahre Engagement zurück
Von der Kinderbibliothek bis zur Suppenküche
Andernach. Die Evangelische Frauenhilfe feierte ihr 120-jähriges Bestehen mit einem festlichen Gottesdienst in der Christuskirche, gefolgt von einem gemeinsamen Mittagessen im Gemeindesaal. Der Verein wurde im Jahr 1905 gegründet, nachdem sich die zuvor gemeinsame karitative Arbeit im Elisabethenverein von katholischen und evangelischen Frauen trennte. Daraus gingen der katholische Frauenbund und der evangelische Frauenverein hervor. Trotz der Trennung kam es in den folgenden Jahrzehnten immer wieder zu gemeinsamen Veranstaltungen beider Gruppen.
Schon bald nach der Gründung zählte der evangelische Frauenverein in Andernach 80 Mitglieder, wie die heutige Vorsitzende Vera Schüdde berichtet, die das Amt seit 2011 innehat. Die Frauen des Vereins engagierten sich früh in sozialen Projekten: 1913 wurde eine Kinderbibliothek gegründet, zwischen 1917 und 1971 existierte – mit Unterbrechungen – eine Bibliothek für Mütter. Während des Ersten Weltkriegs unterstützten die Mitglieder Kinder und kranke Mütter und stellten Verpflegungspakete für Soldaten an der Front zusammen.
Im Jahr 1917 schloss sich der Verein der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland an. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die diakonische Arbeit ab 1933 stark eingeschränkt und ab 1935 gänzlich verboten, sodass das Engagement nur noch im Verborgenen weitergeführt werden konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden beispielsweise Suppenküchen eingerichtet, um Kriegsgefangene zu unterstützen.
Ab 1955 fanden wieder regelmäßige Treffen statt. In den darauffolgenden Jahren entstanden vielfältige Aktivitäten wie gemeinsame Veranstaltungen mit dem Katholischen Frauenbund, ein Näh- und Handarbeitskreis, Kontakte zu Partnergemeinden, ein Stundenkindergarten für Kleinkinder und ein Besuchsdienst. Vor Kurzem schlossen sich die Evangelische Frauenhilfe und der Evangelische Frauenkreis zusammen, um ihre Aktivitäten gemeinsam fortzuführen.
Einmal im Monat kommen die Mitglieder im Gemeindesaal der Christuskirche zu Vorträgen, Kaffee, Kuchen und Austausch zusammen. Auch zahlreiche Projekte und bauliche Maßnahmen innerhalb der Gemeinde wurden finanziell unterstützt. Vera Schüdde zeigt sich optimistisch: „Wir hoffen natürlich darauf, dass unsere Arbeit, die vor 120 Jahren begonnen hat, auch in den kommenden Jahren weitergeführt wird.“ Die Geschichte des Vereins zeugt von einer langen Tradition gelebten Engagements und gemeinschaftlicher Verantwortung.BA
