Allgemeine Berichte | 22.06.2020

Höfken gratuliert NABU-Projekt zur Auszeichnung UN-Dekade für biologische Vielfalt

Von einer Müllhalde zur Naturschutzfläche

Umweltministerin Ulrike Höfken überreicht die Auszeichnung. v.l.n.r. Günter Hahn (NABU), Umweltministerin Ulrike Höfken, Dr. Johannes Leonhard (NABU) und Dr. Ulrich Kleemann (SGD Nord). Fotos: Dr. Leonhard

Neuwied. Das Beweidungsprojekt des Naturschutzbund (NABU) Neuwied und Umgebung e.V. auf der Concordia Sandhalde in Bendorf wurde jetzt als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Die Auszeichnung überreichte Umweltministerin Ulrike Höfken bei einem Ortstermin im Beisein der NABU-Aktiven vor Ort sowie von Dr. Ulrich Kleemann, Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, Birgit Meyreis, zweite Kreisbeigeordnete des Landkreises Mayen-Koblenz, sowie Julia Burkei und Dr. Martin Göttgen, Referenten für Natura 2000 im Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten.

„Der NABU Neuwied und Umgebung e.V. hat es geschafft, aus einer biologisch fast toten Fläche, ein wertvolles Biotop zu machen. Was 150 Jahre lang eine Abraumhalde war, um Abfälle der Eisenverhüttung abzulagern, ist nun ein artenreicher Lebensraum geworden. Dieses Engagement für den Naturschutz verdient zu Recht die Auszeichnung UN-Dekade für Biologische Vielfalt. Sie zeigen mit ihrem Projekt, dass der Schutz der für das Überleben wichtiger biologischer Vielfalt vor der eigenen Haustüre anfängt und durch das Einbringen des Ehrenamtes zu wunderbaren Erfolgen führt“ sagt Umweltministerin Ulrike Höfken bei ihrem Besuch auf der fünf Hektar großen Fläche in Bendorf.

Auch Dr. Ulrich Kleemann zeigte sich von der Wandlung der ehemaligen Abraumhalde zu einem Baustein in ein Biotopverbundsystem beeindruckt.

150 Jahre lang diente die ehemalige Industriehalde von Thyssen-Krupp inmitten eines Bendorfer Industriegebietes als Abraumhalde für Abfälle aus der Eisenverhüttung. Im Jahr 2005 dann kaufte die NABU-Gruppe Neuwied und Umgebung e.V. die fünf Hektar große Fläche und begann mit der Renaturierung des Gebietes. Um eine Verbuschung zu verhindern und so den wertvollen Charakter des Gebietes zu erhalten, beweiden aktuell sechs Burenziegen und ein Zwergesel die Fläche. Demnächst werden diese tierischen Helfer durch zwei Thüringer Waldziegen unterstützt, einer in Deutschland gefährdete Haustierrasse. Durch eine Kombination aus Beweidung und manuellen Arbeit ehrenamtlicher NABU-Mitglieder konnten in den letzten 15 Jahren invasive Arten zurückgedrängt und die Artenvielfalt deutlich erhöht werden. Auf der Sandhalde konnte sich ein naturschutzfachlich wertvoller Trockenrasen entwickeln, der vielen typischen und seltenen Arten offener, warmer Landschaften wie Zauneidechsen, Sandlaufkäfer und Blauflügelige Ödlandschrecke einen Lebensraum bietet. Über 300 Pflanzen- und mehr als 60 Vogelarten konnten im Gebiet bereits nachgewiesen werden. Die NABU-Fläche stellt mittlerweile zudem einen wichtigen Trittstein und ein bedeutendes Vernetzungselement für Tier- und Pflanzenarten in der landwirtschaftlich intensiv genutzten Rheinebene dar.

Umweltministerin Höfken erklärte weiter: „Die UN hat die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade für die biologische Vielfalt erklärt. Sie macht damit auf die Bedeutung der Biodiversität für das menschliche Leben aufmerksam und will zum Handeln anregen. Dazu gab es deutschlandweit einen Wettbewerb unter dem Motto „Insekten schützen – Gemeinsam für die Vielfalt der Natur“.

Es fehlen Lebenräume

Monokulturen, Pestizideinsatz und die Zerschneidung der Landschaft durch Verkehrswege und Siedlungen führen dazu, dass viele der für Agrarlandschaften typischen Tier- und Pflanzenarten selten geworden sind.

So fehlen Lebensräume besonders für Arten, die an extensive Bewirtschaftung und an Landschaftselemente wie Hecken oder Feldraine gebunden sind. Vor allem das Insektensterben ist seit Jahren massiv.

Das hat Folgen für andere Arten, da Insekten die Nahrungsgrundlage für kleine Säugetiere, Vögel, Amphibien und weitere Tierarten sind. Bei der bedeutenden Gruppe der Bestäuberinsekten, insbesondere den Wildbienen einschließlich der Hummeln, ist der Rückgang ähnlich dramatisch: Es gibt über 560 Wildbienen-Arten in Deutschland. Von den untersuchten 557 Arten sind nach der Roten Liste der Bienen über 40 Prozent aktuell bestandsgefährdet. Weitere nahezu 5 Prozent sind extrem selten und 7 Prozent sind in Deutschland bereits ausgestorben oder verschollen.

Ähnlich ist die Situation in Rheinland-Pfalz: Rund 10.000 Insektenarten sind im Land nachgewiesen. Doch einige Arten sind ernsthaft bedroht: Bei den Großschmetterlingen sind inzwischen 64 Prozent der Arten auf der Roten Liste in einer Gefährdungskategorie, so viele wie nie zuvor. Auch der Blick auf weitere gut untersuchte Gruppen wie Heuschrecken oder Prachtkäfer zeigen eindeutige Trends. So sind laut der Roten Liste „Geradflügler“ 49 Prozent der Heu- und Fangschrecken gefährdet.“

Die Betreuung des NABU-Projektes inklusive der Tierbetreuung wird durch das umfangreiche ehrenamtliche Engagement der Mitglieder der NABU-Gruppe Neuwied und Umgebung e.V. gewährleistet. Personen, die das Projekt unterstützen wollen, können sich unter der Tel. (0 26 22) 48 44 an Dr. Johannes Leonhard, Vorsitzender der NABU-Gruppe Neuwied und Umgebung e.V. oder per E-Mail über NABU.Neuwied@NABU-RLP.de, wenden.

Überblick über die Concordia Sandhalde.

Überblick über die Concordia Sandhalde.

Umweltministerin Ulrike Höfken überreicht die Auszeichnung. v.l.n.r. Günter Hahn (NABU), Umweltministerin Ulrike Höfken, Dr. Johannes Leonhard (NABU) und Dr. Ulrich Kleemann (SGD Nord). Fotos: Dr. Leonhard

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