Das Schweizer Duo ox&öl zu Gast bei der 20. Lauschvisite im Keramikmuseum Westerwald
Von musikalischen Flugversuchen und künstlerischen Visionen
Höhr-Grenzhausen. Die Konzertreihe Lauschvisite präsentierte am vergangenen Samstag im Keramikmuseum Westerwald zwei Ausnahmekünstler aus der Schweiz: Die Pianistin Simone Keller und der Regisseur Philip Bartels scheuten den weiten Weg aus Zürich nicht, um im Westerwald ihre besondere Kunst vor einem interessierten Publikum auf die Bühne zu bringen. Simone Keller wurde jüngst mit dem renommierten Schweizer Musikpreis ausgezeichnet. Mit Philip Bartels bringt sie im Kollektiv ox&öl weltweit aussergewöhnliche Musiktheaterprojekte zur Aufführung.
Die Veranstaltung im Keramikmuseum stand unter dem Motto „Fliegen lernen“ und war ein abwechslungsreiches Konzertprogramm, in dessen Mittelpunkt der ausgezeichnete Konzertflügel im Keramikmuseum stand, der dankenswerterweise von der Kreismusikschule Westerwald für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt wurde. Im Laufe des Abends wurde er durch Spielzeugklaviere, Melodicas, Glocken und ähnliches Instrumentarium ergänzt. Unterhaltsam und kompetent führten die Künstler durch das Programm und ließen das Publikum teilhaben an ihren Gedanken zu den musikalischen Flugversuchen: Da ging es um Fingerübungen, die zum Abheben beflügeln, künstlerische Experimente und Utopien für eine gerechtere Welt.
Das musikalische Programm spannte einen weiten Bogen von den großen Klanggebäuden des Avantgardisten György Ligeti über experimentelle musikalische Versuchsanordnungen von John Cage aus den 1950er Jahren, Arrangements bekannter Melodien auf Spielzeug-Instrumenten bis hin zu sehr aktuellen Werken zeitgenössischer Komponistinnen, die gesellschaftspolitische Fragestellungen thematisieren.
Von Beginn an bewies Simone Keller ihre Kunst am Klavier. Hoch konzentriert und mit beeindruckender Virtuosität eröffnete sie Klangräume auf dem Instrument, die so mancher Zuhörer so noch nie gehört hatte. Bewusst hatte sie zum Einstieg eine Komposition der amerikanischen Komponistin Julia Amanda Perry (1924-1979) gewählt, die zu unrecht nahezu in Vergessenheit geraten ist. Auch die weitere Programmgestaltung hob sich von dem gängigen Repertoire männlich dominierter Klaviermusik ab und inszenierte gekonnt aktuelle Kompositionen der jungen US-Amerikanerinnen Jessie Marino und Julie Herndon sowie der Serbin Jasna Velickovic, die einen Bogen zurück zum Wohltemperierten Klavier Johann Sebastian Bachs spannte. Dass Musik anspruchsvoll und gleichzeitig unterhaltsam sein kann, bewiesen ox&öl im im Keramikmuseum mit offensichtlicher Spielfreude und wurden dafür mit lang anhaltendem Applaus belohnt.
