Meckenheimer Garantie für Ausbildung ist nach zehn Jahren eine MeGa-Erfolgsgeschichte
Vorbildliche Initiative feiert Jubiläum
Die Stadt Meckenheim, die Geschwister-Scholl-Hauptschule und 75 Meckenheimer Unternehmen garantieren den Hauptschulabgängern einen Ausbildungsplatz
Meckenheim. Eigentlich hätte es einen großen Festakt geben sollen, doch das verhinderte die Corona-Pandemie: Die Initiative „Meckenheimer Garantie für Ausbildung“ (MeGa) wird zehn Jahre alt. In einer Pressekonferenz berichteten Meckenheims Bürgermeister Holger Jung (CDU), Kreishandwerksmeister Thomas Radermacher und Peter Hauck, der Schulleiter der Geschwister-Scholl-Hauptschule, dennoch über das überaus erfolgreiche Projekt.
Beim MeGa-Projekt handelt es sich um eine Initiative der Stadt Meckenheim und der Geschwister-Scholl-Hauptschule in Zusammenarbeit mit zahlreichen Meckenheimer Unternehmen. Ziel ist es, jedem Schüler der Hauptschule eine gute berufliche Perspektive zu bieten und zugleich den einheimischen Betrieben geeignete Auszubildende zu vermitteln. Dazu erklären die derzeit teilnehmenden 75 Unternehmen gegenüber der Stadt verbindlich ihre Bereitschaft, das Projekt zu unterstützen und Ausbildungsplätze zu Verfügung zu stellen.
Jeder Schüler darf Vertrag abschließen
So erhält jeder Schüler der neunten Klasse die Möglichkeit, einen Vertrag mit der Stadt, der Schule und den Unternehmen zu schließen, in dem die Vermittlung eines Ausbildungsplatzes garantiert wird. Im Gegenzug verpflichten sich die Schüler, bestimmte Leistungen zu erbringen. Sie müssen demnach einen Hauptschulabschluss nach Klasse zehn vorweisen, dabei dürfen keine mangelhaften Leistungen im Zeugnis stehen. Vor allem Deutsch, Mathematik und Arbeitslehre müssen mindestens die Note befriedigend aufweisen. Außerdem darf es keine unentschuldigten Fehlzeiten gegeben, und die Schüler müssen aktiv am Unterricht teilnehmen. Nicht zuletzt ist ein positives soziales Verhalten ebenso wie soziales Engagement erforderlich. Doch um dies zu erreichen, sind die Schüler nicht auf sich gestellt. „Sie werden nicht alleingelassen“, versprechen drei Repräsentanten des Projektes. Vielmehr fördert die Schule sie ganz gezielt und individuell nach den jeweiligen Stärken und Schwächen und bereitet sie intensiv auf einen gelungenen Start ins Berufsleben vor. Und das schon ab der achten Klasse. „Bei uns herrscht ein Klima des Wohlwollens – aber es gibt auch ganz klare Anforderungen und Regeln“, erklärt Hauck. „Wir fordern nicht nur, wir fördern auch die Schüler.“
Projekt hat schon viele Preise eingeheimst
Mittlerweile hat sich die Initiative schon bundesweit herumgesprochen, zahlreiche Fernsehsendungen haben bereits darüber berichtet. Zudem konnte die Schule mit dem Projekt auch Preise einheimsen, unter anderem den zweiten Platz beim Deichmann-Förderpreis gegen Jugendarbeitslosigkeit. Außerdem wurde der Hauptschule für ihre herausragende Arbeit in der Berufsorientierung und für das MeGa-Projekt das „Berufswahlsiegel“ des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen, die Arbeit der Schule sei „exzellent und vorbildlich“. Und das aus gutem Grund, denn die Geschwister-Scholl-Hauptschule hat seit Beginn des Projektes eine sehr erfolgreiche Bilanz vorzuweisen. Seit 2012 haben nicht weniger als 290 Schüler eine Ausbildung im Dualen System begonnen, das sind 69 Prozent aller Schulabgänger in dieser Zeit. Zum Vergleich: dieser Wert liegt im Durchschnitt der Hauptschule in NRW bei nur 15 Prozent. „Damit schaffen wir es immer wieder, die Hauptschüler aus den untersten Schubladen zu holen, in die sie immer wieder völlig zu Unrecht gesteckt werden“, freut sich Hauck.
Stärkt den Hauptschulstandort Meckenheim
Auch Jung ist überzeugt: „Wir können es uns nicht leisten, Schüler ohne Perspektive aus der Schule zu entlassen.“ Erfreulicherweise seien sich in Meckenheim alle politischen Parteien darin einig, am dreizügigen Schulsystem festzuhalten – wenn auch die Geschwister-Scholl-Hauptschule mittlerweile nur noch eine von dreien in ganz Nordrhein-Westfalen ist. Mit diesem Projekt gelinge es jedoch, den Hauptschulstandort Meckenheim zu stärken, ist Jung überzeugt. All dies ist auch in der Zeitung „Zehn Jahre MeGa – Eine Stadt, eine Schule, ein Projekt“ nachzulesen, die pünktlich zum Jubiläum herausgegeben wurde. „Unser ganzes Lehrerkollegium arbeitet jeden Tag mit großer Überzeugung daran, dass unsere Schüler in die richtige Bahn kommen und dass wir sie auf eine Schiene setzen, auf der sie weiterfahren können“, erklärt Hauck. Dank umfangreicher Arbeitslehre sowie mehreren Betriebspraktika samt Betriebsbesichtigungen lernen sich Schüler und künftige Ausbildungsunternehmen bereits frühzeitig kennen und gegenseitig einschätzen, so dass auf die Abbruchquote verschwindend gering sei. „Schließlich wissen beide Seiten, auf was sie sich einlassen“, ergänzt Radermacher.
Betriebe beteiligen sich nicht nur aus Eigennutz
Mittlerweile beteiligen sich 75 Betriebe aus Meckenheim an der Initiative, „natürlich auch aus Eigennutz“, weiß der Kreishandwerksmeister, denn in vielen Bereichen herrsche Nachwuchsmangel, die Betriebe suchten händeringend nach Auszubildende. „Und MeGa bietet den Betrieben die Möglichkeit, sich potentielle Azubis fast zwei Jahre lang anzuschauen. Es ist eine Art Scouting-Programm, in dem früh die Stärken der Schüler erkannt werden und dort, wo es noch Nachholbedarf gibt, eine entsprechende Förderung gewährleistet ist.“ Alles in allem zieht Hauck ein überaus positives Resümee: „Nach zehn Jahren darf ich voller Stolz sagen: MeGa ist ein riesiger Erfolg! Auch dank unserer Schüler, die wissen, dass sie für eine Ausbildungsplatzgarantie etwas leisten müssen und die diese einmalige Chance auch ergriffen haben.“ Die Erfolgsgeschichte sei mit täglicher harter und manchmal auch ermüdender Arbeit verbunden, doch die vielen positiven Rückmeldungen zeigten, dass sich diese Arbeit lohnt. „Ich freue mich jetzt schon auf weitere erfolgreiche Jahre mit unserem MeGa-Projekt.
JOST
